Dem aufmerksamen Beobachter ist vielleicht aufgefallen, dass der Lidl-Parkplatz an der Solothurnstrasse in den letzten Tagen etwas mehr belegt war als auch schon. Allerdings nicht im Verhältnis zur Anzahl Kunden im darüber liegenden Einkaufszentrum. Bei näherer Betrachtung wird schnell klar, weshalb. Der Parkautomat, bei dem man normalerweise seine Parkgebühr bezahlen würde, ist seit mehr als einer Woche mit Plastikfolie umwickelt und verklebt. Unter der Folie ist die Frontseite sogar mit einem Karton abgedeckt. Kunden, welche für ihre Parkzeit bezahlen wollen, suchen vergebens einen Ort, wo sie ihr Münz loswerden können. Und einen Hinweis auf einen Defekt findet man ebenfalls nicht.

Gratis-Parkplätze sind rar in der Stadt Grenchen, und äusserst begehrt. Zwar kann man an gewissen Orten, wie zum Beispiel im Coop-Parking, eine gewisse Zeit lang gratis parkieren, aber damit hat es sich auch schon. Kein Wunder, spricht sich also schnell herum, wenn an so zentraler Lage wie beim Lidl-Parkplatz die Möglichkeit besteht, das Geld für die Parkgebühr zu sparen.

Ein gewisser Teil der Autofahrer, die nun seit einigen Tagen dort parkieren, stellen ihren Wagen wahrscheinlich nicht ab, weil sie ihre Lidl-Einkäufe dann bequemer einladen können, sondern sie arbeiten oder wohnen irgendwo in Grenchen und nützen die «günstige Gelegenheit». Das allerdings ist nur so halb legal: Mitte Dezember des letzten Jahres veröffentlichte diese Zeitung einen grossen Artikel zum Thema Falschparkieren bei Lidl. Auslöser war damals der Umstand, dass Lidl den Umgangston mit Leuten, die ihr Auto unberechtigt auf den Lidl-Parkplatz stellten, etwas verschärfte. Lidl übertrug nämlich die Bewirtschaftung des Parkplatzes der Securitas. Vorher hatten Lidl-Mitarbeiter offensichtlichen Falschparkierern einen Hinweiszettel unter den Scheibenwischer gesteckt, sie möchten doch so freundlich sein und die Parkgebühr bezahlen. Die Securitas aber stellte dann Nachzahlungsforderungen, die Parkbussen sehr ähnlich sahen.

Nur die Polizei darf büssen

Viele dieser «Bussen», die ja im Grunde keine waren, weil nur die Polizei Bussen ausstellen darf, wurden offensichtlich von den Parksündern reumütig bezahlt – nicht an Lidl, sondern an die Securitas selber. Nur hatte Lidl es versäumt, ein richterliches Verbot gut sichtbar aufzuhängen, obwohl man dieses schon längst erwirkt hatte. Denn das wäre nötig gewesen, um die Nachzahlungsforderungen auch tatsächlich durchzusetzen. Wie nämlich schon damals ein Rechtsexperte dieser Zeitung erklärte: Private Parkplatzbesitzer hätten vor Gericht schlechte Karten ohne ein gut sichtbares richterliches Verbot, aufgrund dessen bei Verstössen dann entsprechend geahndet werden könne. Stellte also jemand in Abrede, dort parkiert zu haben, oder bezahlte ganz einfach nicht, versandete das Ganze.

Nach Veröffentlichung des Artikels dauerte es aber nicht lange und Lidl korrigierte den «Fehler». Seither steht ein Schild beim Parkplatzeingang, auf dem klar ein richterliches Verbot das Parkieren für Unbefugte untersagt. Zwar steht diese Verbotstafel seit geraumer Zeit ziemlich schief in der Landschaft, aber mit der aktuellen «Automatenverhüllung» hat das wohl nichts zu tun. Eher wahrscheinlich ist ein Lastwagen für dieses Malheur verantwortlich.

Künftig Gratisparking bei Lidl?

Weshalb also ist der Automat unbrauchbar? Stellt etwa Lidl seinen Parkplatz den Grenchnerinnen und Grenchnern künftig gratis zur Verfügung?

Die Erklärung ist einfach, wie Nico Frey von der Pressestelle bei Lidl Schweiz sagt: Der Parkgebührenautomat ist schlicht und einfach eben doch defekt. «Sobald wir bemerkten, dass die Maschine nicht mehr funktionierte, haben wir Ersatz bestellt.» Es dauere halt ein wenig, bis der neue Automat geliefert und montiert sei.

Also doch nichts mit Gratisparkieren. Das würde auch der Stadt nicht gefallen, denn die Parkplatzbewirtschaftung von solchen Parkplätzen ist eine Auflage der Gemeinde. Massgebend ist der Gestaltungsplan, der im Jahre 2008 vom Grenchner Gemeinderat erlassen und vom Regierungsrat genehmigt wurde. Man will damit die Gewerbetreibenden im Zentrum schützen, weil dort alle Parkplätze ebenfalls bewirtschaftet werden, also kostenpflichtig sind. Lidl und Co. müssen Parkgebühren eintreiben.

Was die privaten Parkplatzbesitzer mit den Einnahmen machen, ist allerdings ihnen überlassen. Lidl zum Beispiel spendet die gesamten Einnahmen aus den Parkplatzgebühren nach eigenen Angaben der Krebsliga Schweiz.

Es dürfte also nicht mehr lange dauern, dann ist Schluss mit der günstigen Parkmöglichkeit. Das Münz kann man dann in einen neuen Parkgebühren-
automaten einwerfen und hoffen, dass die Preise so günstig bleiben wie bisher – wenigstens bei Lidl.