Einen idyllischen Stadtkern zum Verweilen suchte man in Grenchen bisher vergeblich. Dies versucht Gemeinderat Alex Kaufmann schon seit Jahren mit einer autofreien Bettlachstrasse zu ändern. Nun startet die Stadtpolizei Grenchen einen neuen Versuch: Während den Monaten Juni und Juli sperrt sie den Abschnitt vor dem «Baracoa» und prüft in dieser Testphase, wie die Teilsperrung bei den Bewohnern und Gewerbetreibenden ankommt. Diese wurden anfangs Mai von der Stadtpolizei darüber informiert. Die Sperrung hängt mit dem Projekt «Lebendiges Zentrum» zusammen, welches zum Ziel hat, die Innenstadt aufzuwerten.

Autofreie Strasse kommt gut an

Die Testsperrung an sich kommt bei den Gewerbetreibenden in der Bettlachstrasse fast ausnahmslos gut an. Vanessa Ryf vom Buchhaus Lüthy etwa, begrüsst die Idee und könnte sich gar eine definitive Sperrung des Abschnittes vorstellen. Sie habe den Eindruck, dass viele Autofahrer die Strasse aus Bequemlichkeit benützen. «Aus meiner Sicht könnte man sie problemlos umfahren. Und wer in der Stadt einkaufen geht, findet genügend Parkplätze in der nahen Umgebung», sagt sie. Damit aus einer autofreien Strasse eine Flanierstrasse werde, müsse das Gewerbe in Grenchen aber aus seiner Resignation erwachen. Obwohl die Stadt schon aktiv versuche, das Zentrum zu beleben, sieht sie noch viel Potenzial: «Man könnte das Zentrum begrünen, gemütliche Orte schaffen oder für eine gewisse Zeit einen Spielplatz auf den Marktplatz stellen».

Kritik an Kommunikation

Auch Mario Kunz vom Reisebüro «Kuoni» und Nicole Biedert vom Fotogeschäft «fotoryf» sind mit der Sperrung einverstanden. Wie diese hingegen kommuniziert wurde, damit ist Nicole Biedert gar nicht zufrieden. «Dieses Jahr wurden wir immerhin darüber informiert», sagt sie mit Anspielung auf die letztjährige Teilsperrung. Damals stoppte der Stadtpräsident François Scheidegger den Versuch einer Sperrung, weil die Stadtpolizei vergessen hatte, die Besitzer der Geschäfte entlang der Strasse zu informieren (wir berichteten).

Dass man dieses Jahr erneut eine Sperrung plane, habe Biedert von einer Bekannten erfahren, welche sie auf die von Alex Kaufmann eingereichte Petition hinwies. «Wir hätten begrüsst, wenn man sich im Vorhinein mit den Anwohnern zusammengesetzt hätte». Für sie sei noch unklar, ob die Zufahrt zu allen Parkplätzen und der Zugang für Lieferanten weiterhin gewährleistet ist. Auch Ryf vom Buchhaus Lüthy und Lassoued Noureddine vom «Centro Lounge» sind sich einig, dass darüber im Brief nicht ausreichend informiert wurde.

Ambühl weist Kritik zurück

Polizeikommandant Christian Ambühl ist da anderer Meinung: «Wir haben den Anwohnern und den Gewerbetreibenden den Brief persönlich überbracht. Eben genau, damit allfällige Fragen hätten geklärt werden können». Der Sinn der Testphase bestehe darin, solche Unklarheiten zu beseitigen. Zudem seien die Gewerbetreibenden selbst in das Projekt «Lebendiges Zentrum» involviert, in welchem die Sperrung mehrmals besprochen worden sei. «Die Gewerbetreibenden wissen schon lange von dieser geplanten Sperrung», so Ambühl. Die Zufahrt vom Marktplatz her sei für Anwohner und Lieferanten wie gewohnt befahrbar.

Der Sinn der Sperrung

Die Strasse müsse aus seiner Sicht - ausser für Anwohner und Lieferanten – nicht befahrbar sein. Sie werde am Abend von einigen Jungen gebraucht, um ihre Autos vorzuführen, so der Kommandant. Das könne mit einer Sperrung verhindert werden. «Die wichtigen Hauptachsen sind ja nach wie vor befahrbar», so Ambühl. Oft höre er im Sommer von jenen, welche gegen die Sperrung sind, dass sie sich über das ruhige Zentrum freuen. Und das sei ja eigentlich das Ziel der Übung. «Grenchner brauchen einen Treffpunkt, wo man an warmen Sommerabendenden gemütlich draussen sitzen kann». Dafür biete sich die Bettlachstrasse nun einmal am besten an.

Die Strasse wäre diesen Sommer ohnehin oft autofrei geblieben: Ab Mitte Juni findet vor dem Baracoa ein Public Viewing der Fussballweltmeisterschaft statt.