Musigbar
Authentischer als der «American Troubador» Dylan höchstpersönlich

Gianni Spano und seine RockMinds entzückten mit Dylan-Songs ihr Publikum – und dies beinahe authentischer als der «American Troubadour» höchstpersönlich. Nur ab und an wandelte eine Textzeile auf Abwegen.

Christoph Neuenschwander
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Gianni Spano lebt die Songs Bob Dylans authentisch und nah. cnd

Gianni Spano lebt die Songs Bob Dylans authentisch und nah. cnd

Solothurner Zeitung

Hüften schwingen, Füsse zappeln, Köpfe wippen im Takt hin und her, während das Trio Gianni Spano & The RockMinds «All along the Watchtower», «Mr. Tambourine Man» oder «Like a Rolling Stone» spielt. Bei «Mighty Quinn» und «Knocking on Heaven’s Door» wird engagiert mitgesungen.

Wer nicht will, muss Bob Dylan natürlich nicht lieben, aber bewundern muss man den Mann schon. Was hat der nicht alles komponiert! Unvergessliche Hits, gesellschaftskritische Hymnen, Poesie, eingebettet in vortreffliche Rhythmen und Melodien. Den «Man Himself» einmal live zu erleben, ist ein Wunsch, den man niemandem verübeln kann.

Ganz wie der Alte

Doch zur Vorsicht sei geraten, denn allzu hohe Ansprüche an das Konzerterlebnis können leicht enttäuscht werden. Dylan sei launisch, sagt man ihm nach. Er interagiert kaum mit seinem Publikum, seine Stimme ist im Verlauf der Jahre immer nasal-quengelnder geworden und gerne arrangiert er seine alten, heiss geliebten Songs bis zur Unkenntlichkeit neu, was einigen Fans das Herz höher schlagen lässt – andere aber eher verstört. Wie gut also, dass es Gianni Spano und seine Band gibt.

Mit viel Liebe und Leidenschaft für die Dylansche Musik spielen sie in der «Musigbar» auf, geben mehr als zwei Stunden lang Lieder ihres Idols zum Besten und vermögen die rund 40 Zuschauer, die sich im Grenchner Musiklokal versammelt haben, zu begeistern.

Zwischen die Songs des «American Troubadour» säen sie auch zwei, drei eigene Kompositionen, sonst aber – so wie immer, wenn ein Konzert-Veranstalter danach verlangt – halten sie sich ganz an die Dylan-Stücke. Und diese scheinen ihnen genauso im Blut zu liegen, wie die selbst fabrizierten.

Spano glänzt etwa mit einer rauchigen, leicht näselnden Stimme, die jener des frühen Dylan durchaus ähnelt. Die Cover-Songs sind nahe an den Original-Versionen. Und wenn mal ein Lied etwas überarbeitet daherkommt, dann nur auf eine Weise, wie es der Troubadour selbst auch gemacht hätte.

Washed to the sea

Überhaupt musizieren Spano und die RockMinds ganz nach dem «back to the roots»-Prinzip: «Die alten Dylan-Songs sind die besten», verkündet der Frontmann. Dann fügt er augenzwinkernd hinzu: «Und es sind die einzigen, die wir können.»

Letzteres Statement soll jetzt nicht übermässig relativiert werden, aber es sei doch erwähnt, dass Spano gelegentlich auf einen Notenständer mit Liedtexten schielt. «Dylans Lieder sind komplex und nicht einfach, auswendig zu lernen», sagt er. Und hat damit recht. Nur gegen Ende der Marathon-Darbietung lässt die Konzentration etwas nach. Da wird dann bei «Blowin’ in the Wind» den Bergen plötzlich erlaubt, frei zu sein, während Menschen ins Meer erodieren.

Angesichts der ehrgeizigen Länge der authentischen Performance seien diese Kavaliersdelikte aber verziehen. Das Fazit kann nicht anders als ein Positives sein: Nostalgikern, die alte Dylan-Songs (bevorzugt in ihrer rohen, klassischen Version) live aufgeführt hören wollen, sei die Band wärmstens empfohlen.