Der Holzschnitt lebt. Dieses so traditionelle wie klassische Medium für Illustrationen, politische Plakataktionen, für expressive Geschichten und abstrakte Stimmungen, für Porträts, Kalender und Naturmomente ist lebendig geblieben, zieht auch junge Kunstschaffende an, die den Holzschnitt miteinbeziehen in ihr breites künstlerisches Spektrum. Aber was fasziniert den Künstler am Holzschnitt? Was ist ihre Lust, was ihr Frust? Wo wird gejubelt?

Im vergangenen Jahr feierte Xylon, die Vereinigung der holzschneidenden Künstlerinnen und Künstlern der Schweiz, das 50-jährige Bestehen der Xylon-Zeitschrift mit einem voluminösen wie ungewöhnlichen Buch mit 200 Originalholzschnitten von 50 Kunstschaffenden.

Die vielgestaltige Ausstellung «Xylon Jubeldruck» im Kunsthaus Grenchen bietet noch eine Weile die Gelegenheit, sich in die Welt des Holzschnitts zu vertiefen, um sich die Ausdrucksvielfalt dieser Kunstform wieder einmal vor Augen zu führen, um überhaupt dem Hochdruck-Klassiker neu zu begegnen. Denn, was bietet der Druckstock für Möglichkeiten, welche Bilderwelten lassen sich ins Holz schnitzen, kerben, ritzen oder, wie bei Roman Signer, eben auch mal schiessen?

Vision aus dem Holz holen

Die Druckstöcke sind Teil dieser Geschichte, für die jeder der 50 Künstler vier Bretter zur Verfügung hatte, alle mit dem gleichen Format, aus Lindenholz und jeweils einer Farbe. Aufgereiht auf Augenhöhe – man ahnt noch die Messer, den Farbauftrag – lassen sie das Handwerk spüren, das Feingefühl des Holzschnitzers, ein Bild, eine Vision aus dem Holz zu holen.

Der Holzschnitt also lebt. Aber, «was ist eure Lust, was ist euer Frust?», insistierte Kunsthaus-Leiterin Eva Inversini im Gespräch mit Martin Thönen, Peter Emch und Sebastian Utzni im Vorfeld eines kleinen Rundgangs. «Es schmöckt so gut», sagt der 67-jährige Peter Emch, «die Druckfarbe, das Holz, vor allem das Lindenholz. Es ist ein sinnliches Medium, eine sinnliche Arbeit. Und es ermöglicht die Edition, es ist ein demokratisches Medium. Und es ist ein klassisches Medium, um zu politisieren».

Individuelles Bildmittel

Martin Thönen, immerhin schon 70-jährig, hat sein Leben dem Holzschnitt verschrieben, seit er ein Bub war. Er weiss so manches über die Geschichte der Gruppe Xylon zu berichten, zu der einst auch ein Greenpeace- und ein WWF-Gründer gehörten, davon, dass Xylon nächstes sein 70-jähriges Bestehen feiern kann. Sein Frust sei höchstens der Termindruck bei den Kalendern, da wäre ein Kalender von Ostern bis Ostern hilfreich, meinte er.

Der 30-jährige Augsburger Sebastian Utzni versteht den Holzschnitt konzeptuell, auch wenn ihn die Schubladisierung irritiert. Er schätzt die Einfachheit des Mediums, er braucht nur zwei Messer und findet, der Holzschnitt lebt, wenn man ihn neu definiert. Eben, auch Peter Emch sieht hier die Chance und wünscht Xylon, dem Holzschnitt, dass sich jene Künstler, die mit anderen Techniken arbeiten, mit Holzschnitt neue künstlerische Wege beschreiten.

Nichtsdestotrotz, ein Rundgang durch die Ausstellung zeigt: Der Holzschnitt ist noch immer ein ebenso ausdrucksstarkes wie individuelles Bildmittel. Porträts, Landschaften, Comics, Subversives, Plakatives, Tradiertes, Symbole, Spielkartenmotive, Expressives und Illustrationen, Wort und Bild, abstrahierte Körper und Geometrisches, der Holzschnitt hat sein eigenes Gesicht. Es ist die unterschiedlichste Handhabung des Werkzeuges, der Linienführung, des Werkzeuges, vom klassischen Messer über Pistole bis zur Kettensäge. Alles ist möglich, der Holzschnitt lebt, ist im Bild. Die Ausstellung dauert noch bis zum 21. Oktober.