Oberwil

Ausgrenzung und Toleranz gegenüber Fremden beschäftigte damals wie heute

Die lustige Runde mit den Berner Soldaten in der Lindauer Beiz.

Die lustige Runde mit den Berner Soldaten in der Lindauer Beiz.

Der Männer- und Gemischtenchor Oberwil spielt ab nächstem Samstag «D’Lindouere» – mit immer wieder aktuellem Inhalt.

An der ersten Kostümprobe im «Bären» in Oberwil stecken die Akteure bereits viel Herzblut in ihr Stück. Viele der 29 Spielenden stammen aus dem eigenen Männer- und Gemischtenchor oder sind Theaterfreudige aus dem Dorf. Die eine Kulisse mit dem weiten See und jene mit den Bergen, die den Blick in die Weite verwehren, lassen die unterschiedlichen Charaktere der dort wohnenden Menschen erahnen.

Eine ungewollte Schwangerschaft

Zur Geschichte: Während des Spanischen Erbfolgekrieges um 1703 sind Berner Truppen mit Soldaten aus dem Trub in Lindau am Bodensee stationiert. Junge Burschen, mit dem Schalk der Freiheit ausgestattet. Manchmal geht es lustig zu. «Auf einem schwarzen Fohlen, wird sie (die Offiziere) der Teufel holen», singen sie beim Wein. Romanzen bleiben nicht aus. Die des Bauernsohnes Oswald Habegger und des Fischermädchens Christine endet beim Abzug der Truppen zwar ohne Abschied, aber mit einer Schwangerschaft. Christine folgt, um ihre Ehre wieder herzustellen, ihrem Geliebten ins tiefe Emmental. Weil die zukünftige Schwiegermutter Lisabeth schon vorher warnt: «a jedere gibe n i de dr Spycherschlüssu nid i d’ Hang», sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Es kommt sogar so weit, dass die tüchtige junge Frau anderer Sprache und Kennerin der Naturheilkunde der Hexerei verschrien wird.

Die Ausgrenzung und Toleranz gegenüber Fremden beschäftigte damals wie heute. Der Stand einer jungen Frau ebenso. Die Bäuerin Elisabeth Baumgartner-Siegenthaler aus dem Trub hat um 1936 das Theater aus dem Stoff Gotthelfscher Figuren geschrieben. Angetan von der Aktualität, der Möglichkeit, Chorlieder einzubinden und der tollen Geschichte wurde das Stück nach 1989 für die diesjährige Saison vom Männer und Gemischtenchor Oberwil wieder aufgenommen. Mit «Lindauisch» haben sich Vandana Schneeberger als Wirtin in Lindau und Anna Lussi als Lindouere Christine infiziert. Männer, die im Chorgericht ihre «gewichtigen Entscheide» treffen werden, haben sich äusserlich mit neuem Bart schon angepasst. Es ist dieses Feuer fürs Theater, das den Mitgliedern aus dem Chor eigen ist.

Wer vor 30 Jahren einen jungen Burschen spielte, spielt heute den gestanden Bauern. «Ich kann ja nicht mehr den jungen Liebhaber spielen», sagt Daniel Otti jetzt als Hannes Habegger, Vater von Oswald. Junge Spielende konnten gewonnen werden, sodass die Rollen altersgerecht verteilt werden konnten. Silvan Rolli als Oswald und Anna Lussi als Christine sind Grosskinder von Mitgliedern aus dem Chor, die die Leidenschaft und Lebendigkeit fürs Theater weiterführen und nicht jünger geschminkt werden müssen. Wer miterleben will, wie Christine das Trub aufmischt, wie sie – so behaupten böse Zungen – Schlangen, oder war es Schnittlauch?, in die Suppe schnippelt und was ihr zum Verhängnis wird, der kann die kommenden Vorstellungen im «Bären» in Oberwil besuchen. Urs Weibel führt Regie, Magdalena Kohler leitet die Liedervorträge.

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