Italienisch war denn auch die Sprache, die man an der Vernissage vorwiegend hörte, und auch der Künstler selber spricht nur wenig deutsch, obwohl er seit 1965 in Grenchen lebt. Bereits mit 9 Jahren musste er nach dem Tod seiner Mutter anstatt zur Schule zu gehen in den sizilianischen Schwefelbergwerken arbeiten, um zum Unterhalt der Familie beizutragen.

Arbeit statt Schule

1959 wanderte er in die Schweiz aus. wo er sein Leben der Fabrikarbeit widmete, aber auch dem Engagement für die italienische Kolonie in Grenchen. Diese hatte 1974 mit 2831 Landsleuten einen Höchststand erreicht. Für seine karitative Tätigkeit wurde Marmo 1994 das Malteserkreuz verliehen. Immer wieder hat er den Erlös seiner Ausstellungen karitativen Zwecken zugeführt. So kam diesmal der Verkaufserlös dem Künstlerarchiv zugute. Marmo, der in den Sinterwerken arbeitete, war von Jugend auf an der Malerei interessiert. Bereits 1965 konnte er zu ersten Mal ausstellen, in der Missione Cattolica in Basel. Es folgten weitere Ausstellungen in der ganzen Schweiz und in Italien, Auszeichnungen und Preise. Die letzte Ausstellung in Grenchen war vor fünf Jahren.

Bäuerliches und Enigmatisches

Die Malerei von Paolo Francesco Marmo kann man einerseits als naiv bezeichnen, sofern Menschen und Tiere dargestellt werden, anderseits weisen Bildkomposition, Sujets und Farbwahl seiner Ölbilder eine hohe Eigenständigkeit und Stilsicherheit auf. Oft zeigt er Landschaften in Süditalien, bäuerliche Szenen, aber auch fantastische Traumwelten oder zumindest Symbolhaftes. Marmo ist bis heute an der Staffelei und zeigte an der Ausstellung im Eusebiushof auch Bilder, die erst kürzlich entstanden sind.

Die Ausstellung wurde von Marmo selbst und Toni Brechbühl vom Künstlerarchiv eröffnet. Vorstandsmitglied Marie-Josée Schärli würdigte das künstlerische Lebenswerk. Gelegentlich trat Marmo auch als Poet in Erscheinung. In einem Heft des Künstlerarchivs aus dem Jahr 2002, das von Margrit Kaufmann initiiert und verfasst wurde, sind einige seiner Gedichte abgedruckt. (at.)