Grenchen
Aus vier mach eins und werde fit dabei

An der Marktstrasse wurden vier Parkuhren entfernt und durch eine neue ersetzt – das sorgt für Ärger.

Oliver Menge
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Der neue Parkautomat ist auch bei Anwohnern und Geschäftsinhabern an der Marktgasse ein Ärgernis, wie aus diversen Statements zu entnehmen ist.

Der neue Parkautomat ist auch bei Anwohnern und Geschäftsinhabern an der Marktgasse ein Ärgernis, wie aus diversen Statements zu entnehmen ist.

Die Parkplätze an der Marktstrasse sind heiss begehrt: Ausser montags und während der Ferien sind zwischen Kapellstrasse und Marktplatz die insgesamt 25 Parkplätze ständig belegt. Zu den 25 offiziellen kommen noch drei hinzu: Der erste ist für Kunden der CS an der Kapellstrasse reserviert. Zwei Plätze weiter, also zwischen Nummer 2 und 3, ist ein Parkplatz gelb schraffiert – er war stillschweigend für das TV- und HiFi-Geschäft Roth «reserviert», und seit es das Geschäft nicht mehr gibt, stellen Handwerker ihre Autos dort ab.

Und bei der Dropa Drogerie Arnold dürfen auf einem Behindertenparkplatz nur Fahrzeuge mit entsprechender Berechtigung parkieren. Zwei Ticketautomaten deckten die Parkplätze zwischen Kapellstrasse und «Bambi» auf der Südseite, zwei weitere den restlichen Teil bis zum Marktplatz ab. Bis vor kurzem.

Aus vier werden eins

Vor einer Woche machte man grosse Augen, wenn man Geld einwerfen wollte: Wo früher die Ticket-Automaten waren, klaffte gähnende Leere in den Säulen. Das sprach sich auch rasch herum, und so waren am letzten Montag im März den ganzen Tag über alle Parkplätze mit Dauerparkierern belegt. Gratisparkplätze mitten in der Stadt, wo gibt es das noch.

Die Ernüchterung folgte am Tag darauf. Die Säulen wurden entfernt und die Löcher im Trottoir frisch geteert. Im westlichen Teil wurde ein neuer Parkticket-Automat installiert. Und mancher Passant, respektive Automobilist, rechnete damit, dass auch im östlichen Teil der Marktstrasse ein neuer Automat installiert würde. Doch weit gefehlt: Es blieb bei diesem einen Automaten. Wer also sein Auto vor dem Coiffeurgeschäft Amedeo Création oder der Boutique Olivia abstellt, der muss den Marsch bis fast zum anderen Ende der Marktstrasse auf sich nehmen.

Die nur auf einer Seite beschrifteten Hinweistafeln mit dem blauen «P» am Standort der alten Automaten wurden mit einem aufgeklebten Richtungspfeil ergänzt, und Pfeile am Boden zwischen den Nummern weisen die Richtung zum neuen Automaten. Wobei: Wenn man diesen Pfeilen auf der Südseite blindlings folgt, landet man im Baum vor dem Restaurant Bambi.

Zugegeben: Es sind nur etwa 95 Schritte vom Eingang der Boutique Olivia bis zum neuen Automaten. In manchen anderen Städten läuft man mindestens so weit, wenn man sein Parkticket lösen will. Und doch sind in der Marktstrasse öfters ältere Menschen unterwegs, die nicht mehr besonders gut zu Fuss sind. Sie treffen sich zum Kaffee im «Bambi», gehen zum Zahnarzt im CS-Gebäude oder zur Bank selber. Ihnen mutet man jetzt einen viel längeren Weg zu als früher.

Auch die Geschäftsinhaber der umliegenden Geschäfte sind alles andere als erfreut, zumal, wie aus diversen Quellen zu erfahren ist, die Polizei jetzt die Anweisung habe, die Parkplätze zweimal täglich zu kontrollieren.

«Erben» ist nicht mehr möglich

Jeder der vier alten Automaten hatte einen Knopf für jeden «seiner» sechs Parkplätze. Beim Druck auf den entsprechenden Knopf konnte man sehen, wie viel Zeit noch zur Verfügung stand oder wie lange schon überzogen war. Also konnte man nach dem Haareschneiden schnell kontrollieren, ob es noch für einen Kaffee reicht. Oder von einem Vorgänger «erben», wenn dieser vor Ablauf der Parkzeit den Parkplatz verliess. Das ist nicht mehr möglich: Beim neuen Automaten muss man seine Parkplatznummer eingeben und dann sein Geld einwerfen, ohne zu wissen, ob nicht noch eine Stunde Gutschrift auf diesem Parkplatz besteht. Auch bei den alten Automaten konnte man die Zeit des Vorgängers nur dann «erben», wenn man selber kein neues Geld einwarf. Bei neuem Münz fing die Parkzeit nämlich von vorne an zu laufen. Die Vorgänger-Automaten akzeptierten aber auch die Zahlung per Cash-Karte – allerdings wurde diese Funktion schon vor längerem ausser Betrieb gestellt, weil sie zu viel Strom verbrauchte, zu wenig genutzt wurde und dauernd ausfiel.

Obwohl man hier ein Gerät neuerer Generation aufgestellt hat, handelt es sich offensichtlich um ein einfaches Modell: Simples Münz, genau abgezählt, ist das einzige Zahlungsmittel, das der Automat akzeptiert, Rückgeld gibt es keines. Weder bargeldlos noch kontaktlos bezahlen ist möglich. Und hat man die grüne Tickettaste nicht gedrückt am Schluss des Zahlungsvorgangs, wie es das Gerät vorschreibt, dann sind weder Parkplatz noch Parkzeit registriert.

Dass die Wege weiter geworden sind, haben auch die Beamten der Stadtpolizei bemerken müssen, welche die Parkplätze kontrollieren und Parkbussen ausstellen. So meinte letzte Woche ein Beamter, der namentlich nicht genannt werden will, dass er das neue Regime mühsam finde, weil er jetzt etliche Male hin und her gehen müsse, um die Parkzeit zu erfassen und die Bussen auszustellen. Nur diejenigen Beamten, welche die Automaten leerten, hätten Vorteile. Nichtsdestotrotz wurden in dieser Woche die Kontrollen verschärft und bedeutend mehr Bussen ausgestellt als früher, meinen Anwohner.

Polizei erklärt sich

«Wir mussten die Automaten ersetzen, sie waren in die Jahre gekommen», erklärt Michael Herzog, Kommissariatsleiter Verkehrspolizei. Dass man sich für dieses Modell entschieden und nur einen Automaten aufgestellt habe, sei einfach zu begründen: «Wir haben mit Parkautomaten der Firma Taxomex gute Erfahrungen gemacht. Sie funktionieren reibungslos, sind einfach zu bedienen, solarbetrieben und sie sind sicher. Bei den alten Modellen konnte man nur maximal acht Parkplätze aufschalten, die neuen Geräte erlauben mit der Eingabe einer Nummer eine wesentlich grössere Anzahl, weshalb auch ein Parkautomat für die ganze Marktstrasse genügt», sagt Herzog. Die Zunahme des Wegs sei gering und vertretbar. «Zahlungsarten wie bargeldlos mit Kreditkarte oder gar kontaktlos bedingen Geräte, die über ein Netzwerk verbunden sind, mit einer ausgereiften Software – das ist teuer, zumal Firmen, die dann die Zahlungen verarbeiten, einen prozentualen Betrag der Einnahmen verlangen.»

Als Nächstes werden die Ticketautomaten an der Schild-Rust-Strasse ersetzt, sagt Herzog. Wann genau, kann er jedoch nicht sagen.

Die gute Nachricht zum Schluss: Die maximale Parkzeit von 2 Stunden für Fr. 2.60 ist gleich geblieben. Vorerst.

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