Dank eines 100-Euro-Scheins hat sich ihr Leben verändert. Die Banknote fand sie auf einer ungarischen Strasse. Einer Einladung zu Bekannten in der Schweiz folgte sie gerne. Sie konnte mit Freunden im Auto mitfahren, die 100 Euro hatte sie bei sich und besorgte sich damit die Rückfahrkarte mit dem Zug.

Von dieser Zeit berichtet sie lebendig, spricht mit den Händen und in gut verständlichem Deutsch. Das Strahlen in ihren Augen ist natürlich, hat aber auch mit dem Sieg der ungarischen Fussball-Nationalmannschaft in der Barrage gegen Norwegen kurz vor unserem Gespräch zu tun. «Erstmals seit 1972, und da war ich noch nicht einmal geboren, ist Ungarn wieder an einer Europameisterschaft dabei», erzählt sie und lacht fröhlich.

Alle nennen sie Mártika

Während des erwähnten kurzen Aufenthalts in der Schweiz hat Márta verschiedenste Arbeitsmöglichkeiten geprüft und ist in Grenchen fündig geworden. Alle nennen sie Mártika. «Weil meine Mutter den gleichen Vornamen wie ich trägt und es oft zu Verwechslungen kam, wurde ich Mártika, die kleine Márta, genannt», erklärt sie.

Sie hat die Schulen in Ungarn besucht, hat als Sekretärin gearbeitet, als Marketingmanagerin und in ihrer Heimat auch das Gastgewerbe und den Verkauf kennen gelernt. «Die erste Zeit in Grenchen war nicht einfach», erzählt sie.

Sie kannte kaum jemanden und ihre Deutschkenntnisse waren gering. «Einmal hab ich mich gar in der Stadt verirrt», berichtet sie und lacht, wenn sie daran zurückdenkt. Es regnete in Strömen und ein Mann habe sie unter seinem Schirm schützend zum Restaurant Moccaflor zurückbegleitet. In ihrem Hauptberuf arbeitet sie nämlich dort und wird auch über die Festtage Gäste bedienen. Das Restaurant hat normal geöffnet.

In der Freizeit hat sie mit ihrem Mann Roland, der ihr nachgereist ist, an der Arnold Baumgartnerstrasse eine Autogarage eröffnet. Auch ihr Sohn Zoltán lebt heute in Grenchen und besucht die Schule. Mutter und Hausfrau ist sie. Natürlich auch Ansprechperson für Landsleute. Mártika hilft, wo sie kann, begleitet Kolleginnen und Kollegen zu Behörden, übersetzt, telefoniert mit Ämtern und kümmert sich um Verträge und Bewilligungen.

«Jeden Tag lernen»

Ihr soziales Engagement ist für sie selbstverständlich. In der Zwischenzeit hat sie eine grosse Bekanntschaft. «Es gilt jeden Tag zu lernen, wenn ich hier leben will», lautet ihre Devise, und sie ist überzeugt, dass Sprache wichtiger als Beruf sei.

Und da sind noch ihre Kochkünste zu erwähnen. «Natürlich gehört Rindsgulasch dazu», berichtet sie verschmitzt. «Grenchen gefällt mir ausgezeichnet», die Stadt sei nicht zu gross und nicht zu klein, macht sie Werbung für ihre neue Heimat. Sie liest, surft im Internet und interessiert sich für vieles.

Kraft schöpft sie aus guten Erlebnissen und ist Fan von Büchern der australischen Autorin Rhonda Byrne, die Anregungen zu positivem Denken vermittelt.

Marina, ihre Schwester, lebt auch in der Uhrenstadt, hat sich selbstständig gemacht, und ihr Bruder László spielt in der 2. Mannschaft des FC Grenchen. Mártika, ihrer Familie und ihren Freunden macht es grosses Vergnügen, bei den Spielen dabei zu sein. Dazu kommt noch die grosse Leidenschaft für den Motorsport. Als Fan von Fernando Alonso hat Mártika schon zwei Rennen der Formel 1 besucht und war hautnah dabei.