Grenchen
Aus Kostengründen: 1.-Augustfeier hat ins Turnerstadion gezügelt

Festredner Josef Maushart beeindruckte am 1.August in Grenchen mit profundem Wissen. Dieses Jahr fand die Feier erstmals im Turnerstation anstatt beim Parktheater statt – aus finanziellen Gründen.

Andreas Toggweiler
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1.-August-Feier 2017 in Grenchen
23 Bilder
Stapi Francois Scheidegger begrüsst die Besucher
Kantonsrat Josef Maushart geht zum Rednerpult
Patriotische Cremeschnitten
Selbst die Flugkadetten aus dem Ausland nehmen am Lampionumzug teil
Was spielt sich da oben wohl ab?
Nicht alle können den Schweizerpsalm auswendig.
Feuerwerk in allen Variationen
Das ist was für Jungs
1.-Augustfeier Grenchen
Der Lampionumzug für kleine und grosse Kinder.

1.-August-Feier 2017 in Grenchen

Hanspeter Bärtschi

In Grenchen ist am Dienstagabend die Bundesfeier erstmals im Turnerstadion durchgeführt worden und nicht mehr beim Parktheater. Aus finanziellen Gründen – die Stadt muss sparen – wurde auf ein kulturelles Rahmenprogramm verzichtet, und das Feuerwerk wurde erstmals von Privaten gesponsert.

Ansonsten lief alles ähnlich ab wie immer, die Verpflegung kam vom Grill und wurde vom Gastgeber, dem Turnverein Grenchen, organisiert. Auch die Kinder kamen mit Spielmöglichkeiten und dem traditionellen Lampionumzug auf ihre Rechnung.

Neuer Blick auf die Geschichte

Als Festredner trat in Grenchen der Unternehmer (Fraisa SA, Bellach) und CVP-Kantonsrat Josef Maushart auf. Der deutsch-schweizerische Doppelbürger erwies sich in seiner Ansprache als ausgezeichneter Kenner der Schweizer Geschichte, die auch im Zentrum seines Referats stand. Maushart zeichnete dabei den Weg der Schweiz, angefangen beim Bundesbrief 1291, bis heute auf und warf auf manches Ereignis auch ein neues Licht. «Der Grund, warum sich überhaupt plötzlich halb Europa für unsere Innerschweiz interessierte, war der Brückenschlag über die Schöllenenschlucht.»

Sie habe den Fernhandel mit Italien begünstigt. «Die italienische Boomökonomie war zu jener Zeit das, was heute China und die USA zusammen für die Weltwirtschaft sind.» Die langwierigen Kämpfe der Bauern und Zünfte gegen den Feudalstaat, den Weg zur ersten Wahlrechtsdemokratie in Europa bis hin zum Generalstreik 1918 beschrieb Maushart in einem packenden Vortrag, dem jedermann gerne und aufmerksam zuhörte.

Gerade der Landesstreik, vordergründig eine Niederlage für Gewerkschaften, habe «das Establishment wachgerüttelt». Dabei habe sich die Einsicht durchgesetzt, «dass es nur miteinander geht». Diese wirke bis heute nach.

Grundlage für den Erfolg

Maushart rief aber auch auf, zur Schweiz von heute sorge zu tragen. «Es gibt keinen besseren Ort, als diese, unsere Eidgenossenschaft.» Als «Erfolgsgeheimnis» nannte er unter anderem Pragmatismus und die Fähigkeit zu Kompromissen. Dies zeige sich nicht zuletzt beim Arbeitsfrieden als wichtige Grundlage für ökonomische Stärke. Er freue sich denn auch, dass er in Grenchen sprechen könne, der «Industriestadt par excellence», meinte der Unternehmer.

«Wer den Kompromiss heute gering schätzt, der hat das Fundament der Eidgenossenschaft nicht verstanden», mahnte Maushart zudem mit Blick auf gewisse aktuelle Entwicklungen. Stadtpräsident François Scheidegger hatte zuvor anlässlich seiner Begrüssung erklärt, warum die Bundesfeier im Turnerstadion stattfand: Der Turnverein bedanke sich mit der Gastfreundschaft für die Beiträge der öffentlichen Hand für die Sanierung des Stadions.