Grenchen

Aus Holz konstruierter Segler galt früher als Hochleistungsflugzeug

Nach 40 Jahren wieder in der Luft: Thomas Fessler startet in Grenchen mit der Spyr IV HB-336.

Nach 40 Jahren wieder in der Luft: Thomas Fessler startet in Grenchen mit der Spyr IV HB-336.

Ein wunderschönes Segelflugzeug, ganz aus Holz gebaut, steht auf dem Segelfluggelände des Grenchner Flughafens. Restauriert wurde es vom Bettlacher Schreinermeister, alt Kantonsrat und Gemeinderat Thomas Fessler.

Schon die Registrierung der Spyr IV HB-336 weist darauf hin, dass das von Thomas Fessler neu restaurierte Flugzeug sehr alt sein muss.

Die Geschichte reicht zurück bis vor den Zweiten Weltkrieg: Am 15. August 1938 wurde in Zürich die «Genossenschaft in Memoriam Bider, Mittelholzer, Zimmermann» gegründet, die unter dem Kürzel GBMZ bekannt ist. Das Gründungskapital von 500 000 Franken zeichnen die Stiftung Pro Aero, der Aero-Club der Schweiz sowie Nationalrat und Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler.

Die GBMZ bezweckt die Förderung des schweizerischen Flugwesens; sie wendet bis 1945 dafür rund 130 000 Frranken auf. Ihr erstes Unternehmen ist die Errichtung einer ständigen Werkstatt für den Segelflugzeugbau, wo in der Folge auch die Spyr IV gebaut wurde. Von diesem Typ wurden nur zwei Stück gebaut, wobei die HB-328 schon früh bei einem Unfall zerstört wurde. Die von Thomas Fessler nun restaurierte GB-336 ist also ein Unikat.

Erstflug zu Kriegszeiten 1941

Der Erstflug dieses Flugzeugs erfolgte am 18. Januar 1941 durch Hermann Schreiber auf dem Flugplatz Bern-Belp. Der von August Hug ganz in Holz konstruierte Segler galt in seiner Zeit als Hochleistungsflugzeug. Noch über 20 Jahre nach dem Bau flog Eugen Haeberli mit ihm an der Segelflug-Schweizer-Meisterschaft 1962 mit. Im Jahr 1975 erwarb ein Segelflieger das Flugzeug, um es zu revidieren. Während 30 Jahren kam er aber nicht richtig zu dieser Arbeit, sodass Thomas Fessler die Spyr IV in vermeintlich gutem Zustand teilrevidiert erwerben konnte. Der Bettlacher Schreinermeister, alt Kantonsrat und Gemeinderat gehört über die Landesgrenzen hinaus zu den bekanntesten Segelflugzeug-Restauratoren. Er ist auch Initiator und Präsident der 2010 gegründeten Stiftung «Segel-Flug-Geschichte». 

Bei näheren Hinschauen zeigte sich aber, dass das Flugzeug in einem weitaus schlechteren Zustand war, als ursprünglich angenommen wurde. Es musste bis auf die Grundstrukturen völlig neu überholt werden. Thomas Fessler konnte dabei auf die Hilfe von Willy Fahrni aus Wald ZH zählen. Der Zürcher Oberländer ist Präsident der Oldtimer Segelflug Vereinigung Schweiz (OSV) und gehört auch zu den Experten für historische Segelflugzeuge (siehe Kasten). Thomas Fessler und Willy Fahrni steckten in den vergangenen Jahren rund 3500 Freizeitstunden in die Restaurierung der Spyr IV HB-336. «Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung von Willy Fahrni», sagt Thomas Fessler, ohne ihn würde die Spyr IV heute noch nicht fliegen.»

Der Lohn der Arbeit war nach 40 Jahren Stillstand der Erstflug bei schönstem Frühlingswetter auf dem Regionalflughafen Grenchen. Das «alte und neue» Segelflugzeug wird am kommenden Pfingstsamstag auf dem Flugplatz Blumberg im Südschwarzwald der Star sein, wenn sich die Oldtimer Vereinigung Schweiz zu ihrem Frühlingsanlass trifft. Vor den Augen der Szenenkenner wird Thomas Fessler dort zum offiziellen zweiten Erstflug starten.

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