Irgendwie ist in diesem Monat, der sich langsam dem Ende zuneigt, alles ein wenig aus dem Takt geraten. Nicht nur das Glockengeläut der Zwinglikirche schlug einige Zeit neben dem Takt, es lief auch manch anderes nicht so, wie es sollte. Der April 2018 hatte es tatsächlich in sich – und nein, das Thema Dok-Film ist jetzt abgehakt und damit nicht gemeint.

Vielmehr geht es – ganz unverfänglich – ums Wetter. Ganze 12 Grad lagen die Temperaturen über dem in der Jahreszeit normalen Durchschnittswert. An gewissen Tagen stieg das Thermometer auf hochsommerliche Werte, die Sonne bescherte dem einen oder anderen den ersten Sonnenbrand– selber schuld, wer sich nicht schon jetzt um eine Creme mit hohem Lichtschutzfaktor bemühte.

Am Wochenende waberte der Duft von Gegrilltem durch die Gärten, beim Grossverteiler wurde das Angebot in der Metzgerei entsprechend erweitert, Grillkohle und Grillzubehör vor dem Eingang aufgeschichtet. Männlein und Weiblein zeigten Haut, kurzärmlig und kurzröckig. Cafés und Restaurants stellten kurzfristig auf Sommerbestuhlung und Aussenwirtschaft um. Wichtigstes Accessoire wurde die Sonnenbrille.

Manch Geplagter dürfte sich der Letztgenannten allerdings bedient haben – und leider immer noch bedienen – um die Folgen eines weiteren, wetter- und klimabedingten Phänomens zu verdecken: die des Pollenflugs. Klar ist es ärgerlich, wenn das frisch gewaschene Auto schon nach einer kurzen Fahrt aussieht, als ob man gerade einen Abschnitt der Ralley Paris–Dakar absolviert hat. Jedes Füdli nachdem man sich auf dem Balkon oder im Garten hingesetzt hat, gelbe Flecken aufweist.

Aber die wirklich Armen sind die Menschen mit Allergien, «Heuschnupfen», die mit roten Augen, triefenden Nasen und Atembeschwerden zu kämpfen haben. Auch die Natur ist aus dem Takt geraten: Hasel, Birken und andere Bäume und Sträucher blühen aufgrund des Klimawandels ohnehin schon ein bis zwei Wochen früher und länger im Schnitt, sagen die Wissenschafter. Wenns dann aber tagelang noch so extrem warm und trocken wird, potenziert sich der Pollenflug um ein Vielfaches.

Gut zu wissen, dass es im Wonnemonat Mai, der vor der Tür steht, sicherlich wochenlang «schifft». Oder die Chancen auf einen verregneten Sommer gross sind, glaubt man den Bauernregeln. Zu Georgi, dem 23. April, heisst es: «Ist’s an Georgi warm und schön, wird man noch rauhe Wetter seh’n.» Oder: «Ist’s an Georgi hell und warm, gibt’s noch ein Wetter, dass Gott erbarm.» Immerhin hatten wir 26 Grad und keinen Tropfen Regen. Und für den Tag zuvor, den 22. April, dem wärmsten und schönsten Tag des Monats mit 27 Grad, steht da:

«Wenn vor Georgi Regen fehlt, wird man hernach damit gequält.»

Der Bummler ist froh, dass auch die Bauernregeln und die Wätterschmöcker mit ihren Vorhersagen ab und zu mal gewaltig daneben liegen und aus dem Takt geraten. Vielleicht gibts ja doch einen schönen Sommer ...