Triennale 2018

Aufbruch zu neuen künstlerischen Ufern: Die Grafik-Ausstellung will jüngeres Publikum anziehen

Philipp Glocker vom Triennale-OK vor dem alten Unterwerk der SWG.

Die Ausstellung auf dem Gebiet der Originaldruckgrafik öffnet sich für neue Kunstformen und nutzt neue Räume. Damit soll eine erhöhte Wahrnehmung beim jüngeren Publikum geschaffen werden.

2018 ist ein Triennale-Jahr. Die Vorbereitungen zur 21. Ausgabe der weltweit ältesten Ausstellung auf dem Gebiet der Originaldruckgrafik im Herbst (7.–23. September, Vernissage 6. September) laufen auf Hochtouren. Und auch im gesetzteren Alter (Jahrgang 1958) erfindet sich die Ausstellung wieder einmal neu. Mit einem innovativen Ausstellungskonzept, spannenden Austragungsorten und einem vielfältigen Programm. Erklärtes Ziel ist laut Philipp Glocker, Finanzchef und technischer Leiter der Triennale, eine erhöhte Wahrnehmung beim jüngeren Publikum und bei den Medien.

Kanton drängte

Es ist kein Geheimnis, dass der Kanton als grösster Geldgeber darauf drängte, wieder einen künstlerischen Leiter einzusetzen. Auch erachtete man den Austragungsort der letzten Jahre (Tennishalle) als nicht optimal. Die involvierten Parteien (OK Triennale, Amt für Kultur, Kuratorium) setzten sich an einen runden Tisch zusammen und führten «gute Gespräche». «Wir vom OK haben dann in der Person von Reto Emch relativ rasch einen geeigneten künstlerischen Leiter gefunden», erklärt Philipp Glocker. Reto Emch (Jahrgang 1961) ist selber Künstler und seit 2010 Leiter des Hauses der Kunst St. Josef in Solothurn.

Reto Emch, künstlerischer Leiter der Triennale 2018

Reto Emch, künstlerischer Leiter der Triennale 2018

Zusammen entwickelte man die bestechende Idee, die Ausstellung in brachliegenden Industriebauten durchzuführen. Fündig wurde man im SWG-Unterwerk an der Brühlstrasse 10 und der ehemaligen Moserfabrik an der Sportstrasse 51. «Zusammen mit dem Kunsthaus verfügen wir so über Ausstellungsorte, die innert weniger Minuten zu Fuss zu erreichen sind, die aber auch gut an den öffentlichen Verkehr angebunden sind», stellt Philipp Glocker fest. Parkplätze für den privaten Verkehr stünden ebenfalls in grosser Anzahl zur Verfügung, ergänzt er.

Moderne Ausdrucksformen

Spannend kommt das Ausstellungskonzept daher. Hat man bei der Jubiläumsveranstaltung vor drei Jahren noch bewusst vor allem auf die klassischen Druckgrafiken gesetzt, so kommen in diesem Jahr moderne Ausdrucksformen der reproduzierbaren Kunst ausgiebig zum Zug.
In der Hauptausstellung werden auf Einladung des künstlerischen Leiters Werke von rund 100 Künstlern aus den letzten drei Jahren zu sehen sein. Punktuell erfolgt dabei auch eine thematische Gegenüberstellung mit älteren Werken.

3D-Druck und Tattoos

Eine Sonderausstellung ist der digitalen Druckgrafik gewidmet. Zelebriert wird zudem die 3D Print Art. Zum einen mit einem Wettbewerb an Design-Schulen zum Thema «Design-Schuhe». Für Technik-Freaks gibt es eine Sonderschau «Design-Autos», in welcher aufgezeigt wird, was mit 3D-Druckern alles möglich ist.

«Dazu nehmen wir uns auch einer der ältesten künstlerischen Ausdrucksweisen an, der Tattoo-Kunst», verweist Philipp Glocker auf einen weiteren Programmpunkt. Wenn möglich soll dabei mit einem Tätowierer vor Ort zusammengearbeitet werden.

Bereits Tradition hat die Publikumsaktion. Sie wird der Selfie-Kunst gewidmet. 30 zu entdeckende Stationen in der ganzen Schweiz laden zum Mitmachen ein. Diese Aktion ist in einen Wettbewerb eingebettet, bei welchem die Firma «Edox» mit einem lukrativen Preis lockt.

Selfies sind auch Porträts

Reizvolle Einblicke verspricht auch die Parallel-Ausstellung des Kunsthauses Grenchen unter dem Titel «Prominent? Andy Warhols «Goethe» und andere Berühmtheiten». Das Streben nach den sprichwörtlichen 15 Minuten Ruhm hat im Mobiltelefon mit Fotofunktion und im Selfiestick praktische Erfüllungsgehilfen gefunden. Das Porträt als alte Gattung der Kunst erlebt damit einen überraschenden Boom und eine ungeahnte Popularisierung. Ausgehend von Andy Warhols «Goethe» (1981) aus der Sammlung des Kunsthauses Grenchen, zeigt die Ausstellung Porträts seit den 1960er- Jahren.

Fragen nach dem Verhältnis von Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung werden genauso Thema sein wie nach der Funktion von öffentlichen und privaten Bildnissen: unter anderem mit druckgrafischen Werken von Franz Gertsch, Urs Lüthi, Markus Raetz, Annelies Štrba und einem Video von Pipilotti Rist.

Philipp Glocker ist sich bewusst, dass die mutige Strategie auch (finanzielle) Risiken in sich birgt: «Neben dem Kanton beteiligt sich auch die Stadt Grenchen mit 60'000 Franken (wovon die Hälfte Defizitgarantie ist) an der Triennale. Aber natürlich sind wir auf Sponsoren angewiesen und darauf, dass wir auch Verkäufe tätigen können. Im schlimmsten Fall können wir aber auf einen Fonds zurückgreifen, den wir im Laufe der Jahrzehnte geäufnet haben.»

Noch Helfer gesucht

Das OK der Triennale (Philipp Glocker, Claude Desgrandchamps, Karin Wyss-Roth, Ernesto Gravino) sowie Reto Emch ist überzeugt, dass man mit dem neuen Fokus vermehrt auch junge Leute nach Grenchen locken wird. Die neuen Ausstellungsräume verlangen einiges an Improvisationsvermögen. Die Kunstgesellschaft ist deshalb auf Hilfe von Mitgliedern und Freunden für diverse Arbeiten angewiesen. Interessierte können sich auf der Homepage www.triennale.ch (ab Ende Januar) oder direkt bei philipp.glocker@sunrise.ch melden.

Meistgesehen

Artboard 1