Eterna

Aufatmen bei der Uhrenmanufaktur Eterna: Obergericht hebt Konkurs erneut auf

Uhren aus der Anfangszeit von Eterna. Die Marke bleibt bis auf weiteres erhalten.

Uhren aus der Anfangszeit von Eterna. Die Marke bleibt bis auf weiteres erhalten.

Das Solothurner Obergericht hebt den vom Amtsgericht verhängten Konkurs gegen die Grenchner Eterna erneut auf. Der Besitzer geht für 2019 von einem guten Jahr aus.

Kurz vor Weihnachten hat das Solothurner Obergericht den vom Amtsgericht verhängten Konkurs über das Uhrenunternehmen aufgehoben. Dies nicht ganz überraschend, nachdem das Obergericht zuvor der Einsprache der Firma stattgegeben und aufschiebende Wirkung erteilt hatte. Eterna-Chef Jérome Biard zeigte sich im Dezember in einem Interview mit dieser Zeitung optimistisch und machte verschiedene Gründe geltend für das Schlamassel - nur nicht, dass man zu wenig Geld habe.

Dies bekräftigt der Umstand, dass die Eterna am 5. November einen Betrag in der Höhe der Forderungen von inzwischen rund 554 000 Fr. bei der Gerichtskasse deponierte und damit ihre Zahlungsfähigkeit unter Beweis stellte. Dies ist einem (anonymisierten) Urteil des Obergerichtes vom 19. Dezember zu entnehmen, das offensichtlich dem Eterna-Dispositiv entspricht. Das Gericht spricht in seinem Urteil von einer «Hinterlegung als bedingte Erfüllung.»

Mutter der Grenchner Uhrenfirmen

Ähnliches ist im vergangenen August schon einmal abgelaufen, was bei Brancheninsidern den Verdacht nährte, da wolle sich jemand einen klingenden Namen der Uhrengeschichte billig unter den Nagel reissen. Immerhin ist die 1856 gegründete Eterna die Mutter aller Grenchner Uhrenfirmen. Aus ihr ging später auch die heutige Marktleaderin ETA als Spin Off hervor (die heute zur Swatch Group gehört). Auch Eterna ist schon lange nicht mehr selbstständig. Nach verschiedenen Handwechseln in den Jahren der Uhrenkrise übernahm 1995 der Porsche-Konzern das Steuer und investierte massiv.

Es wurden weiterhin eigene Uhrwerke entwickelt. 2004 machte Eterna mit dem «Indicator» von sich reden, einem spektakulären Zeitmesser der «Porsche Design»-Linie mit vier Federhäusern und (unter anderem) mechanisch getriebener Digitalanzeige. Er ist dem höchsten Luxussegment zuzuordnen und galt mit rund 800 Einzelteilen als komplizierteste Armbanduhr der Welt, die in Serie gebaut wird. Doch 2011 hatte Porsche genug und verkaufte das Unternehmen nach China an eine Gruppe, die sich Citychamp Watch & Jewelry Group (CWJ) nennt. Sie ist auch Eigentümerin von Corum im La Chaux de Fonds. Die beiden Marken werden gemeinsam geführt.

Ziel der Chinesen war unter anderem, die zum Teil noch unter Porsche-Ägide entwickelten hochwertigen Uhrwerke in grösseren Stückzahlen industriell herzustellen und damit auch Dritte zu beliefern, welche von den Werken der Swatch Group abhängig waren. Dazu wurde die Firma EMC (Eterna Mouvement Company) gegründet. Die Folgen der Finanzkrise durchkreuzten aber diese Pläne und Eterna geriet in Schwierigkeiten.

Chefs geben sich optimistisch

Nach dem Konkurs-Hin-und-Her wurde die nationale Wirtschaftspresse auf die Situation an der Schützengasse aufmerksam. In der «Handelszeitung» vom 20. Dezember hatte CEO Biard Optimismus versprüht: «Unser Geschäftsbetrieb funktioniert, wir haben ein Auftragsvolumen von 1 Mio. Franken.» Auch CWJ-Eigentümer und Präsident Hon Kwok Lung äussert sich: «Die Eterna hat bei strategischen Überlegungen seine eigenen Kapazitäten überschätzt», doch gehe er für 2019 von einem guten Jahr für Eterna aus, äussert sich der Besitzer gegenüber der grössten Schweizer Wirtschaftszeitung.

Diese bleibt allerdings skeptisch. 46 Mio. Fr. hätten die Chinesen bisher in Eterna investiert, doch die Zeit der grossen Geldflüsse sei vorbei. Biard verbleibe ein Budget von jährlich 2 Mio. Fr. «Die Uhr tickt gegen Eterna», titelt das Ringier Axel Springer-Blatt.

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