Projekt
Auf der «Jurasonnenseite» lässts sich auch gut wohnen

Grenchen und Bettlach ziehen mit Lengnau und dem Handels- und Industrieverband an einem Strick. Mit einem Projekt wollen die Gemeinden die Gegend für Familien attraktiv machen.

Oliver Menge
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Die Sonne verdrängt zusehends den Nebel. Damit machen Grenchen (Bild), Bettlach und Lengnau jetzt Werbung.

Die Sonne verdrängt zusehends den Nebel. Damit machen Grenchen (Bild), Bettlach und Lengnau jetzt Werbung.

Andreas Toggweiler

Bisher legte man am Jurasüdfuss das Augenmerk in erster Linie auf die Ansiedlung neuer Firmen, die Arbeitsplätze und Steuererträge in die Region bringen sollen. Dabei standen sich die benachbarten Gemeinden oft auch als Konkurrenten gegenüber – ganz zu schweigen von der Konkurrenzsituation über die Kantonsgrenze hinweg.

Umso bemerkenswerter ist nun ein Projekt, das von der Stadt Grenchen und den benachbarten Gemeinden Bettlach und der Berner Gemeinde Lengnau lanciert wird. In Zusammenarbeit mit dem Industrie und Handelsverband Grenchen und Umgebung IHGV will man die Menschen, die in den Projektgemeinden arbeiten, dazu ermuntern, auch hier mit ihren Familien Wohnsitz zu nehmen. Mit einem gemeinsamen Auftritt sollen die Vorzüge der Wohnregion aufgezeigt werden.

Das macht Sinn, denn in absehbarer Zeit werden Hunderte von neuen Arbeitsplätzen geschaffen, alleine 300 sollen es bei CSL Behring in Lengnau werden. Aber auch die Mitarbeitenden anderer Firmen, die in die Region pendeln, sollen angesprochen werden.

Vom Nebelloch zur Sonnenseite

«Obwohl der Region nachgesagt wird, ein Nebelloch zu sein, werden die Gemeinden aufgrund der vorteilhaften Lage am Jura-Südfuss nachweislich länger von der Sonne beschienen als der Schweizer Durchschnitt», schreiben die Projektverantwortlichen. Damit will man werben und die Menschen hierher locken. Der Slogan lautet: «Geniessen Sie die Sonnenseiten des Lebens in den familienfreundlichen Gemeinden Grenchen, Bettlach und Lengnau.» Im sonnenarmen Januar 2017 habe Grenchen beispielsweise fast doppelt so viele Sonnenstunden aufzuweisen als Aarau und auch deutlich mehr als der Raum Zürich.

Das sei gemäss Studien der Uni Bern und Meteo Schweiz unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass Nebeltage im Schweizer Mittelland seltener geworden seien. Insbesondere seit 1971 verzeichne man einen starken Rückgang der Nebelhäufigkeit im Winter. 1971 - 75 zählte man im Schnitt 41 Nebeltage. Von 2000 bis 2004 waren es nur noch 25, also pro Jahrzehnt 5 Tage weniger.

Auf der geplanten Webseite «www.jurasonnenseite.ch» werden den Interessierten die regionalen Trümpfe, wie Familienfreundlichkeit, Naherholung und Verkehrsanbindung attraktiv aufgezeigt. Sie beinhaltet auch rund 40 Ausflugsziele und diverse Aktivitätsangebote. Angeboten für Familien soll besonders viel Platz eingeräumt werden.

«Mit Tagesstrukturen, Krippenplätzen ab dem ersten Lebensjahr, Unterstützungsangeboten und zahlreichen Spielplätzen gelten die drei Trägergemeinden als vorbildlich», schreiben die Projektinitianten.

Man wolle aber auch lokale Einkaufsmöglichkeiten, Angebote für Senioren, Sportler und Kulturinteressierte abbilden sowie den lokalen Wohnungsmarkt miteinbeziehen, sodass Interessierte auch gleich nach einer Wohnung suchen könnten.

Der Weg übers Holz

Um die Menschen für die neue Webseite zu interessieren, hat man sich etwas Besonderes überlegt: Neuangestellte und Pendler sollen durch einen eleganten und individuell gestalteten Holzflyer auf die Webseite aufmerksam gemacht werden. Das 4 Millimeter dicke Holzbrett symbolisiert einerseits die Naturnähe der Region, ist auf der Rückseite aber auch mit QR-Code und Weblink versehen und verweist so auf die Webseite.

Weitere Informationen können aufgedruckt oder gebrannt werden. Man könne dem Holzbrett, das beispielsweise Einrichtungsgegenstand am neuen Arbeitsplatz sein kann, auch Pflanzensamen beilegen, wie zum Beispiel Sonnenblumenkerne, «die in dieser Gegend angeblich besonders prächtig gedeihen.» Firmen können den Holzflyer bei Bedarf für ihre Angestellten personalisieren oder individualisieren.

Die Kosten sind bewilligt

Für die Projektumsetzung sind 15 000 Franken veranschlagt. Sie werden entsprechend der Einwohnerzahlen auf die drei Gemeinden aufgeteilt. Darin enthalten sind die Programmierung der Webseite und der Druck der Flyer. Umgesetzt wird das Projekt durch die Grenchner Firma KommFort Kommunikation Granig in Zusammenarbeit mit der Grenchner SevenBit GmbH.
Wie die definitive Gestaltung aussehen wird, ist noch nicht klar.

Die ersten Entwürfe wurden bereits gemacht, aber eine definitive Version liegt noch nicht vor. Das Projekt wurde im Januar durch die Trägergemeinden verabschiedet, Ende April soll die Webseite online gehen und die Holzflyer an die Firmen verteilt werden.