Lengnau
Auf der Baustelle der CSL Behring ist alles ein bisschen grösser

Augenschein auf der Baustelle der «Recombinant Facility» von CSL Behring in Lengnau.

Andreas Toggweiler
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So sieht die Baustelle von CSL Behring in Lengnau heute aus
24 Bilder
Und so soll es einmal aussehen
Visualisierung des Fabrikationsgebäudes
Voll konzentriert.
Ein Findling aus dem Wallis, welches der Rhonegletscher hier abgelegt hat.
Pfeiler mussten teilweise neben tief im Boden liegenden Findlingen vorbeigetrieben werden.
Schalung wird vorbereitet.
Im tiefsten Niveau wurden Pfähle in den Boden gerammt. Darauf kommt die Fundamentplatte zu liegen.
Rundgang auf der Baustelle von CSL Behring in Lengnau
Kräne zieren den blauen Himmel
Gerüste, soweit das Auge reicht.
Im Vordergrund die Pumpe, welche das Wasser aus der Baustelle pumpt.
Hier arbeitet man bereits am Obergeschoss
Luftaufnahme vom 21.3.2016
Hier wird gebohrt.
In diesem Absetzbecken wird das abgepumpte Wasser gereinigt.
Hier sieht man, wie mächtig die Fundamentplatte ist.
Erdgeschoss des Fabrikationsgebäudes
Die Schalung fürs Obergeschoss ist fertig.
Der Verbindungsgang zum Lagergebäude von oben.
Armierungseisen.
Der letzte Teil der über einen Meter dicken Fundamentplatte wird betoniert.
Diese Spuntwände wurden nachträglich eingetrieben und werden nun wieder entfernt.
Spuntwände werden wieder entfernt.

So sieht die Baustelle von CSL Behring in Lengnau heute aus

Oliver Menge

Ab zweitem Halbjahr 2020, nach umfangreichen Audits der US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) und Swissmedic, sollen die ersten Medikamente (rekombinante Blutgerinnungsfaktoren FVIIa, FVIII und FIX) aus der Produktionsanlage von CSL Behring Recombinant Facility AG in Lengnau weltweit vertrieben werden. Damit dieser Zeitplan eingehalten werden kann, arbeiten die Bauarbeiter der Arbeitsgemeinschaft im Lengnaumoos auf Hochtouren.

«Tempo Teufel ist angesagt», meint Walter Läderach. Der langjährige CSL Behring-Mitarbeiter am Standort Bern amtet weiter als Bauherrenvertreter des Konzerns am Neubaustandort. Immer wieder werden auch Gäste empfangen, die die Grossbaustelle besichtigen möchten.

Eindrückliche Zahlen

Dann kann Läderach jeweils mit eindrücklichen Zahlen aufwarten: 130 000 Kubikmeter Baugrubenvolumen wurden seit dem Frühjahr 2015 ausgehoben. Die zukünftigen Gebäude umfassen eine Fläche von 52 500 Quadratmeter, was gut sieben Fussballfeldern entspricht; die Spundwände um den Bauplatz, welche das Grundwasser zurückhalten, sind 841 Meter lang. Täglich werden bis zu 2000 Kubikmeter Wasser abgepumpt, in einem Absetzbecken gereinigt und danach in die Leugene entlassen. Rund 2700 Pfähle, jeder zwischen 12 und 17 Meter lang, wurden in den ziemlich anspruchsvollen Baugrund getrieben. «Immer wieder sind wir auf Felsblöcke gestossen, es sind Findlinge aus der Zeit des Rhonegletschers», erklärt Läderach.

Zurzeit werden in der Südostecke die letzten Stücke der 1,20 Meter dicken Bodenplatte betoniert. Bis jetzt wurden 66 000 Tonnen Beton und 3400 Tonnen Stahl (Armierungen) verarbeitet. Die Kellergeschosse sind mehrheitlich unter Dach, mancherorts auch das Parterre und sogar schon Teile des ersten Stockes.

Dreistöckiger Gang

Die Fabrik umfasst drei Gebäude, die durch einen durchgehenden, dreigeschossigen Gang von gegen 300 Meter Länge in Nord-Süd-Richtung verbunden sind. «Im ersten Stock zirkulieren die Menschen, im Parterre das Material und darunter verlaufen alle Leitungen, die Energievorbereitung sowie Wartungszugänge», umreisst Läderach das Konzept. Der Gang beginnt im Büro- und Laborgebäude, das auch Garderoben und das Personalrestaurant enthält. Südlich davon folgen die Produktionsanlagen samt Abfüllung; in einem dritten Komplex sind Infrastrukturanlagen für Dampf, Wasser und Elektrizität untergebracht und im Osten ein Lagerhaus. Ganz im Norden befinden sich die Mitarbeiterparkplätze (inkl. Velos), die (An)Lieferung durch den Schwerverkehr erfolgt durch eine separate Zufahrt an der Südseite.

Gebäude wird aufgestockt

Kürzlich wurden noch Anpassungen des Bauprogramms bekannt. Da jetzt drei Produktionslinien (für jeden Gerinnungsfaktor eine) gebaut werden, wird das Labor- und Verwaltungsgebäude einen Stock höher. Die Kubatur des Produktionsgebäudes bleibt gleich. Voraussichtlich im November wird zudem ein zusätzliches Baugesuch eingereicht für ein Verpackungs- und Logistikcenter, wo sich heute die Aushubdeponie befindet (wir berichteten).

Projektänderungen

Wie Läderach betont, bleibt man auch mit den Erweiterungen noch deutlich unter den Vorgaben der kantonalen Überbauungsordnung. Sowohl Verwaltungs- als auch Produktionsgebäude könnten noch weiter aufgestockt und/oder nach Westen erweitert werden. «Die Fundamente sind bereits für diese Möglichkeit dimensioniert.»

Zurück auf der Baustelle: Zurzeit sind etwa 60 Bauarbeiter am Werk. Diese Zahl wird nächstes Jahr auf ein Mehrfaches (400-500 Personen) ansteigen, wenn mit dem Aufbau der Fassaden und mit der Montage der Produktionseinrichtungen für die biotechnologische Herstellung der Medikamente begonnen wird.

Die Fassadenelemente - Glas im Verwaltungsbau und Metall in der Produktion - werden vorgefertigt und inklusive Storen angeliefert. «Damit können wir uns spezielle Montageöffnungen für die Anlagen sparen. Wir können einfach das entsprechende Fassadenelement abmontieren, wenn etwas Neues installiert wird.»