Bis auf den letzten Platz war der Museumssaal zum Auftakt der Gastausstellung zum Fabrikanten Adolf Michel besetzt. Die Vernissage fand just an seinem 91. Todestag statt. Urs Roth, Urenkel des Grenchner Uhrenpatrons, war aus Ins angereist, um das Publikum mit der Persönlichkeit und dem Werk seines umtriebigen Vorfahren bekannt zu machen. Damit unterstützt er die Stadtgeschichte, indem eine Wissenslücke geschlossen wird. Allzu oft stand die Familie bisher im Schatten von Industriegrössen wie Schild und Baumgartner.

Für Urs Roth, Bauingenieur und Finanzplaner von SBB-Grossprojekten (Bahn 2000) im Ruhestand, ist der Weg das Ziel, wann immer er sich auf den Spuren seines U(h)rgrossvaters (1865– 1928) bewegt. Seit zehn Jahren befasst Urs Roth sich mit der Ahnenforschung. Die aufwendige Recherche führte ihn von der Durchsicht von Firmen- und Fachzeitschriften bis zum Internet-Marktplatz e-bay, vom Stadtarchiv bis zur Swatch Group. Geduldig hat er Briefe, Patente, Bilder und Uhren zusammengetragen. Fertig ist er noch lange nicht.

Vitrinen nach Mass

Die Frucht der Arbeit präsentiert das Kultur-Historische Museum bis am 14. April im dritten Stock in Tischvitrinen und einer Fotoschau an den Wänden. «Da das Museum nicht über Tischvitrinen verfügte, haben wir sie kurzerhand selbst gemacht», erzählte Urs Roth bei seiner kurzweiligen Präsentation. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und dürfte auch später noch rege Verwendung für Ausstellungen finden.

«Zu Adolf Michel selbst ist aus seiner frühen Zeit wenig bekannt», sagte der Referent. Dafür zitierte er vergnügliche Passagen aus Michels Briefen von der zweimonatigen USA-Reise 1919: sein Staunen über ein Hotel mit 2000 Zimmern – jedes mit Bad wohlgemerkt, das Heimweh nach der kleinen Schweiz, wo es nicht so dreckig ist, dass man Kragen und Hemd ständig wechseln muss.

Suche geht weiter

Zu den Trouvaillen der Gastausstellung gehören zwei kleine Maschinen der Firma Michel: Leihgaben aus dem Bestand der ETA, welche die Apparate «schnell und unbürokratisch zur Verfügung gestellt habe, wie es am Rande der Ausstellung hiess. Während die Michel-Uhrwerke sich in die USA und Osteuropa verbreiteten, waren sie in der Schweiz fast unbekannt. Rund 300 Kaliber umfasste die Kollektion, die mit der robusten und erschwinglichen Roskopf-Uhr ihren Anfang nahm.

Den Zufallsfund eines ihm zuvor unbekannten Fotos im Buch der neuen Stadtgeschichte nahm Urs Roth zum Anlass, die Öffentlichkeit um Unterstützung für die Forschung zu bitten. Zur Sammlung des Wissens hat er ein Gästebuch aufgelegt, in dem neben Feedback für die Ausstellung auch Fundstücke (Schriftsachen, Fotos usw.) mit Bezug zu Adolf Michel vermeldet werden können.

Bei null begonnen

Beim Apéro verriet Urs Roth, dass er die Recherche «praktisch bei null» beginnen musste. Die Familiengeschichte sei daheim so etwas wie ein Tabu gewesen, seit sein Grossvater Walter Roth (Schwiegersohn von Adolf Michel und Geschäftsführer der Firma) sich 1934 das Leben genommen hatte. Ein Suizid im Rahmen der Krise, der im Rückblick umso tragischer anmutet, als es kurze Zeit später mit der Uhrenindustrie wieder aufwärtsging.

Wie Stiftungsratspräsident Lukas Walter erklärte, macht das Museum dieses Jahr wegen Umbauten eine verlängerte, dreimonatige Sommerpause und eröffnet Ende September wieder mit einer Feier zum 20-Jahre-Jubiläum.

Am 17. März und 14. April finden öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt (15 Uhr). Das Museum ist mit Ausnahme 3. März (Fasnacht) jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 14–17 Uhr geöffnet.