Stadtführung
Auf den Spuren der Originalschauplätzen der Grenchner Tragödie vor 100 Jahren

Im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums des Generalstreiks wurden die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Stadt genommen und bekamen die Originalschauplätze der Grenchner Tragödie zu sehen.

Patric Schild
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Kulturvermittler Xavier Fabregas zeigt den Besuchern die Originalschauplätze der Grenchner Tragödie.

Kulturvermittler Xavier Fabregas zeigt den Besuchern die Originalschauplätze der Grenchner Tragödie.

Patric Schild

«An solch einem ruhigen und friedlichen Samstagmorgen bei schönstem Sonnenschein ist es besonders schwierig, sich in die grauen Novembertage von vor rund 100 Jahren zurückzuversetzen», sagte Xavier Fabregas zum Auftakt der Stadtführung.

Der Kulturvermittler des Kultur-Historischen Museum Grenchen nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise an die Originalschauplätze der Grenchner Tragödie, welche letztlich drei Tote forderte. Gestartet wurde beim Bahnhof Nord. Untermauert wurden die Ausführungen mit zeitgenössischen Fotografien.

Besonderes Augenmerk legte Fabregas auf ein Bild, welches Streikende und Landsturmtruppen beim Bahnhof Süd gemütlich nebeneinander zeigt und so gar nicht zur zelebrierten Konfrontation passte. Der Grund: Die aufgebotenen Ordnungstruppen stammten aus der Umgebung, und oft kannte man sich.

Die Folge war, dass die ortsunkundigen Waadtländertruppen unter dem Kommando von Major Pelet aus Biel in Grenchen für Ruhe und Ordnung sorgen mussten. Die Lage war aufgrund von gegenseitigem Misstrauen angespannt. Hinzu kam, dass niemand so recht wusste, wer das Platzkommando innehat – das Chaos war perfekt. Noch blieb die Situation allerdings ohne Zwischenfall. «Pour tirer – armes», anlegen, um zu schiessen. Die unmissverständliche Bewegung der Soldaten verfehlte ihre Wirkung nicht und reichte aus, um die Bevölkerung auf Abstand zu halten.

Lahmlegen der Kommunikationswege

An den Bahngleisen entlang wandelten die Besucher auf den Spuren der Soldaten in Richtung Stadtzentrum. Denn auch die Truppen des Majors patrouillierten diese Geleise entlang, um allfällige Sabotageakte zu verhindern. «Zum Streik gehörte nebst dem Niederlegen der Arbeit auch das Lahmlegen der Kommunikationswege. Dafür sind die Bahnhöfe natürlich auch prädestiniert», erklärte Fabregas. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde von den Streikenden auf Baustellen entwendet und auf die Schienen gelegt. Des Weiteren wurden die Weichen und Geleise mit Schmierseife eingerieben.

Die Gruppe hält an der Kirchstrasse, unweit der Viaduktunterführung. Hier habe es dann zum ersten Mal «geklepft», erklärt der Kulturvermittler. Protokolliert sind 15 Schüsse, welche zunächst noch in die Luft abgefeuert wurden. «Vor nicht allzu langer Zeit waren in den Fassaden sogar die Einschusslöcher noch sichtbar», sagte Fabregas. Weiter ging es zum Standort der alten Post. Von dort riefen die Streikführer der Arbeiterschaft ihre Parolen zu.

Nun folgte der Ort des Eklats: Das ehemalige «Stinkgässli» beim heutigen Centro-Hochhaus. Fabregas erzählte, wie Major Pelet den Schiessbefehl erteilte, und lässt die Besucher fassungslos den Kopf schütteln, während sie seinen Ausführungen lauschen. Den Abschluss des Rundganges bildete das Denkmal auf dem Zytplatz, welches 2008 eingeweiht wurde und der drei unschuldigen Toten des Generalstreiks gedenkt.

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