Grenchen

Auch Uhrenfirma Fortis hat Liquiditätsprobleme – «Es ist nicht so schlimm, wie es tönt»

Die Fortis AG an der Lindenstrasse.

Die Fortis AG an der Lindenstrasse.

Der Grenchner Traditionshersteller von Uhren hat Liquidationsprobleme und erhält eine Nachlassstundung bis im kommenden Mai. «Es gibt keine Betreibungen und es wurden auch keine Entlassungen ausgesprochen», sagt der Sachverwalter.

Ein weiterer Grenchner Uhrenhersteller kommt ins Trudeln. In der Stadt kursierten schon länger Gerüchte, dass die traditionelle und über 100-jährige Grenchner Uhrenfirma Fortis AG ums Überleben kämpfe. Tatsächlich hat man ein Gesuch zur Nachlassstundung eingereicht. Wie in der aktuellen Ausgabe des Amtsblattes zu lesen ist, hat der Amtsgerichtspräsident von Solothurn-Lebern am 20. November 2017 eine definitive Nachlassstundung für die Dauer von sechs Monaten bis zum 20. Mai 2018 bewilligt. Als Sachwalter wird der bisherige provisorische Sachwalter eingesetzt, Fürsprecher Andreas Feuz, von Graffenried & Cie Recht, Bern.

Für eine Stellungnahme war am Montag in der Uhrenfabrik an der Lindenstrasse niemand erreichbar. Der Chef, Maximilian Spitzy sei an einer Sitzung in Hamburg und erst am Dienstag wieder zu sprechen. Sachwalter Andreas Feuz bestätigt diese Darstellung und stellt für Dienstag eine Medienmitteilung in Aussicht. «Es ist nicht so schlimm, wie es tönt», so Feuz weiter, denn es handle sich primär um ein Liquiditätsproblem. «Es gibt keine Betreibungen und es wurden auch keine Entlassungen ausgesprochen.» Feuz Aufgabe ist es nun, die Lieferanten bis zum Ende der Stundungsfrist bei Laune zu halten. Eine Besserung der Situation sei absehbar, erklärt Feuz. Für Detailinformationen zur Situation sei allerdings der Firmenchef zuständig, betont er.

Zu wenig Reserven

Diese erinnert etwas an die Turbulenzen des Herstellers Eterna. Dort kam es allerdings zu etlichen Betreibungen, welche eine weitere Finanzspritze des chinesischen Besitzers erfordert hatten. Wie es um Fortis wirklich steht, darüber kann man zurzeit nur spekulieren. Tatsache ist, dass die markante Abkühlung im Uhrenbusiness verschiedene kleinere Hersteller, die nicht über entsprechende Reserven aus den goldenen Nullerjahren nach der Jahrtausendwende verfügen, in Schwierigkeiten gebracht hat. Auch die kürzlich bekanntgewordene Redimensionierung der Uhrenmesse Baselworld ist auf diese Entwicklung zurückzuführen.

Die 1912 von Walter Vogt gegründete Uhrenmarke Fortis hat einige Pioniertaten in der Uhrenentwicklung vorzuweisen, beispielsweise in der Verbreitung des automatischen Aufzugs, wo die Serienproduktion für den englischen Erfinder Harwood bereits 1926 aufgenommen wurde. Bekannt war Fortis immer für ihre sportlichen Uhren, die sowohl als Taucher- als auch als Fliegeruhren spezialisierte Dienste verrichteten. Unter anderem wurde 1969 die erste Plastikuhr produziert, als Taucheruhr konzipiert und bis 200m Tiefe wasserdicht.
1994 stiess man sogar in den Weltraum vor und kann sich seither des Umstands rühmen, die einzige Automatikuhr zu liefern, welche im Weltraum getragen wird. (Die legendäre Omega Speedmaster der Apollo-Missionenfunktionierte mit Handaufzug.)

Anlässlich der Baselworld 2015, wo Fortis seine Produkte in einem Hotel neben dem Messegelände präsentierte, wurde Fortis (wieder einmal) neu lanciert. 2013 hatte der Österreicher Maximilian Spitzy die Führung der Marke mit rund 15 Mitarbeitenden übernommen. Zuvor hatte der Deutsche Peter Peter während 20 Jahren bei Fortis das Sagen gehabt.

In Stiftungsbesitz

Laut der Branchenübersicht «Uhrenland Schweiz» des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» fertigte Fortis bis vor einigen Jahren rund 20'000 Uhren. Seit 2012 sank die Zahl auf unter 10'000 Stück. Noch heute ist ein Teil der Aktien in den Händen der Gründerfamilie Vogt. Die Mehrheit besitzt eine Stiftung mit dem Namen Kingsland und Sitz in Liechtenstein. Fortis ist mit einem Exportanteil von über 90 Prozent fast vollständig von ausländischen Märkten abhängig. «Wir mussten im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch um 15 Prozent hinnehmen», vermeldete Fortis-CEO Spitzy im Frühjahr 2016 gegenüber dieser Zeitung.

Die Marke blieb allerdings an der Marketingfront weiterhin umtriebig. In diesem Sommer wurde beispielsweise eine Kooperation mit Air Glaciers gestartet.

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