Grenchen
Auch für Fremdsprachige soll Chancengleichheit gelten

In Grenchen gibt es mehrere Angebote, welche Frühförderung unterstützen, darunter sind unter anderem mehrere Kindertagesstätten, Spielgruppen und der Volkskindergarten. Über dessen Fortführung entscheidet der Gemeinderat am Dienstagabend.

Nadine Schmid
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«Mit der Frühförderung lernen die fremdsprachigen Kinder Deutsch und bekommen die gleichen Chancen wie Muttersprachler.» - Maya Karlen, Leiterin Schulverwaltung Grenchen

«Mit der Frühförderung lernen die fremdsprachigen Kinder Deutsch und bekommen die gleichen Chancen wie Muttersprachler.» - Maya Karlen, Leiterin Schulverwaltung Grenchen

Keystone

In Grenchen leben Menschen aus fast 100 Nationen und 55 Prozent der Kinder in Kindergärten sind Fremdsprachler. Durch die Angebote der Frühförderung soll Chancengleichheit geschaffen werden: «Alle Kinder haben ein Anrecht auf Chancengleichheit», erklärt Maya Karlen, Leiterin der Schulverwaltung Grenchen.

«Mit der Frühförderung lernen die fremdsprachigen Kinder vor Kindergarteneintritt Deutsch und erhalten somit die gleichen Chancen wie Muttersprachler.» Auch die Schulen werden entlastet: Sie müssten sich nämlich an den Lehrplan halten und mit dem Stoff vorankommen. «Das Unterrichten ist erschwert, wenn von 20 Kindern im Kindergarten mehrere keine oder ungenügende Deutschkenntnisse aufweisen», schliesst Karlen.

In Grenchen gibt es seit Jahren mehrere Angebote, die die Frühförderung unterstützen: Unter anderem mehrere Kindertagesstätten, Spiel- sowie Krabbelgruppen und den Vorkindergarten. Über dessen Fortführung entscheidet der Gemeinderat am Dienstagabend.

Die Sprachförderung erfolgt mit dem Programm «Konlab», das fremdsprachigen Kleinkindern hilft, die deutsche Sprache zu lernen. Vermittelt wird mit Bildkarten und sprachrhythmischen Spielen.

Auch kleinere Städte unterstützen

Ein Vernetzungstreffen für diese Angebote wurde inzwischen eingeführt. Das Nächste findet am Mittwoch statt. Sowohl die Eltern wie die Betreuer und Betreuerinnen können dadurch Erfahrungen gewinnen und ein Feedback in ihren Erziehungsmethoden erhalten.

Gemeinderat entscheidet

Vorkindergarten, Berichterstattung über den Pilotbetrieb und Antrag auf Weiterführung des Angebots: Darüber hat der Gemeinderat an seiner Sitzung vom Dienstagabend zu befinden. Die frühe Förderung steigere die Chancen für eine erfolgreiche Frühlaufbahn und es würden später weniger sonderpädagogische Massnahmen nötig, heisst es in der Vorlage. Die Kosten von 2283 Fr. pro Jahr und Kind seien gering im Vergleich zu Kosten von zusätzlichen Schuljahren (9000 Fr. pro Kind) oder gar für Anschlusslösungen des RAV für arbeitslose Schulabgänger (sogar über 2000 Fr im Monat). «Eine Weiterführung ist unbedingt zu empfehlen», wird auch Sozialamtschef Kurt Boner zitiert. Dem Bericht der Schulverwaltung ist zu entnehmen, dass seit dem Start des Pilotprojekts im Jahr 2010 170 Kinder aus 26 Nationen den Frühkindergarten besucht haben. Im Durchschnitt seien es 29-32 Prozent eines Jahrgangs. Bei Vollausbau (60 Plätze) kostet der Frühkindergarten die Stadt maximal 137 000 Franken im Jahr. Dazu kommen Elternbeiträge von 12 000 Fr. (at.)

Was heisst angemessene Förderung? Auf diese Frage wird Leo Gehrig unter anderem in seinem Referat «Frühe Förderung für Chancengleichheit von Kindern» eingehen. Dabei wird er die Über- und Unterforderung ansprechen und die damit verbundenen Gefahren aufzeigen.

Der Pädagoge will ebenso informieren, welche erzieherischen Aufgaben bei den Eltern liegen und wie die Gesellschaft eine Familie unterstützen soll. Gehrig ist Fachpsychologe für klinische Psychologie sowie Lehrer, Vater und Grossvater.

Vor dem Referat sollen die Anwesenden beim dritten Vernetzungstreffen auch über den Zwischenstand des 2012 lancierten Projekts Primokiz informiert werden. Dieses wurde von der weltweit führenden, gemeinnützigen Stiftung Jacobs Foundation ins Leben gerufen, die sich mit der Förderung von Kinder- und Jugendentwicklung beschäftigt.

Primokiz ist das erste Projekt, das mittlere und kleinere Schweizerstädte in der Frühförderung unterstützt. Es befasst sich mit frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung.
Das dritte Vernetzungstreffen findet am Mittwoch, 26. Februar in der Aula des Schulhauses IV in Grenchen statt.

Beginn: 18.30 Uhr, Ende: 20.30. Der Eintritt ist kostenlos.

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