Die rund 70 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bildung zeigten sich beeindruckt vom Besuch André Blattmanns. Im Hangar auf dem Regionalflughafen Grenchen referierte der Chef der Armee unter anderem über die Weiterentwicklung der Armee, den Wert von Sicherheit und die Armee als Kaderschule. Der Korpskommandant verkaufte sich «hervorragend», fand beispielsweise Ständerat Roberto Zanetti. Lobby- und PR-Arbeit auf hohem Niveau, mit der Blattmann auch bei Nationalrat Kurt Fluri punkten konnte: «Hauptadressat der Veranstaltung war die Wirtschaft. André Blattmann hat den Dialog gesucht und, wie ich finde, gefunden.»

In Bezug auf das Verhältnis zwischen Unternehmen und Armee plädierte André Blattmann dafür, dass militärischen Aus- und Weiterbildungen in der Privatwirtschaft wieder mehr Wertschätzung zukommen sollte. Grundsätzlich sorge die Armee für Sicherheit, was die Grundlage für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand sei, wobei es Sicherheit nicht zum Nulltarif gebe. Blattmann bezeichnete die Armee als beste praktische Führungsschule der Schweiz, da sie sowohl methodisches und fachliches Können wie auch Sozialkompetenz vermittle. Schützenhilfe erhielt er von Esther Gassler, Militär- und Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons Solothurn. Die Wirtschaft übe vielfach Zurückhaltung gegenüber militärischer Ausbildung, obwohl sich Armee und Wirtschaft gegenseitig nicht ausschliessen würden. Auch auf die volkswirtschaftliche Bedeutung des Grenchner Flughafens und die gut funktionierende Solothurner Wirtschaft kam die Regierungsrätin kurz zu sprechen.

Gripen «trotzdem beste Lösung»

Obwohl nur am Rande Thema, machte sich der Chef der Armee auch für den Tiger-Teilersatz stark. Gänzlich risikofrei sei die Beschaffung des Gripen zwar nicht, «über alle Punkte betrachtet ist es aber die beste Lösung.» Dies aus mehreren Gründen. So seien die 22 Kampfjets des Typs Gripen für die Schweizer Bedürfnisse geeignet, finanzierbar und – da es sich bei der Anschaffung zu 100 Prozent um Kompensationsgeschäfte handle – positiv für die Entwicklung des Werkplatzes Schweiz. Widerworte gab es von den offensichtlich mehrheitlich «armeefreundlichen» Wirtschaftsvertretern erwartungsgemäss keine.

«Gut, eine Versicherung zu haben»

Gastgeber der Veranstaltung war die Territorialregion 2 mit ihrem Kommandanten Andreas Bölsterli. Er hob den gewaltigen Transformationsprozess hervor, den die Armee seit der Armee 95 hinter sich hat. Es sei nicht erstaunlich, wenn selbst der Armee nahestehende Personen heute «ihre» Armee nicht mehr kennen würden: «Diese Entfremdung zwischen Privatwirtschaft und Armee hat Erklärungsbedarf verursacht.» Umso wichtiger sei es, Bedeutung und Aufgaben der Armee verlässlich zu definieren.

Zur Zukunft der Armee machte sich auch Armeechef André Blattmann seine Gedanken. Zum einen erklärte er anhand von Zahlenbeispielen, dass nicht die Armee der Grund für den Spardruck des Bundes sei, zum anderen rechtfertigte er das Weiterbestehen (und die Kosten) der Armee und des Milizsystems durch den Vergleich mit einer Versicherung. «Wird die Leistung nicht benötigt, sind alle zufrieden. Wenn ein Schadensfall eintritt, sind letztlich aber alle froh, eine Versicherung zu haben. Ruhe und Sicherheit sind nicht selbstverständlich.» Weniger Geld bedeute weniger Leistung. Es sei wichtig, dies anzusprechen, damit die Politik in Kenntnis dessen entscheiden könne.

Stellvertretend für die vielen Wirtschaftsvertreter erklärte Reto Kohli, Präsident Industrie- und Handelsverein Grenchen, die Ausführungen des Armeechefs seien eindrücklich gewesen. Ein zentraler Aspekt für den Industrievertreter war die Feststellung, dass die Armee keinem Selbstzweck dient, sondern stark in den Staat eingebunden ist. Dass die militärische Führungsausbildung in der Wirtschaft wieder anerkannt werden sollte, ist zumindest für Kohli ein Vorschlag, der eine Prüfung verdient.