Sechs Mann des Lehrverbandes Genie-Rettung der Armee haben derzeit einen schmutzigen Job. Sie stellen die Strasse instand, die zum leer stehenden Bauernhaus auf dem Bettlachstock führt, damit dieses abgebrochen werden kann. Ein kleiner Erdrutsch zwei Tage nach dem Beginn der Arbeiten zeigte der Truppe, dass mit dem Berg nicht zu spassen ist.

«Schuld war die Sonne»

«Schuld war nicht etwa der Regen, sondern die Sonne. Wir hörten die Felsen knirschen, als die Sonne darauf schien. Am nächsten Morgen war auf der frisch planierten Strasse an dieser Stelle kein Durchkommen mehr», erzählt Wachtmeister Gerhard Frank. Der Gruppenführer nimmt den Zwischenfall gelassen. Es sei nur ungefähr ein Kubikmeter Material heruntergekommen. Ein Bagger habe es rasch aus dem Weg geräumt. Die Männer wussten bereits vorher, dass ein Teil des Weges, den sie bearbeiten, durch ein instabiles Felsband führt. Von den drei Kilometern sind das ungefähr 400 Meter. Seit dieser Erfahrung werden die vier Bagger und der Kompaktlader, die im Einsatz stehen, über Nacht an der Talseite des Weges parkiert, damit sie besser vor rollenden Steinen geschützt sind.

Kurz nach der Abzweigung von der Bettlachbergstrasse wird die Fahrt mit dem Vorderrad betriebenen Auto schwierig. Die Grasnarbe ist im Weidegebiet zwar unverletzt, doch von einer Strasse kann kaum mehr die Rede sein. Deshalb erwartet Gerhard Frank den zivilen Besuch bei den ersten Bäumen mit dem Puch. Im Schritttempo rumpelt das Armeefahrzeug den Berg hinauf. Auf dem Rest des Weges bis kurz vor dem Haus wähnt man sich in einer Tongrube. Die obersten zehn Zentimeter Erde wurden abgehoben, die losen Steine weggeräumt.

Mit dem Puch auf den Bettlachstock

Mit dem Puch auf den Bettlachstock

Naturschutzgebiet

Das Material dient dazu, auf der Talseite das Trassee anzuheben. «Das Ziel ist, dass wir mit dem Duro durchkommen. Lastwagen werden hier nie auf und ab fahren», erklärt der Gruppenführer, nachdem er beim ersten Bagger angehalten hat. An dieser Stelle hat die Truppe die Abschlusssteine freigelegt, die vor Jahrzehnten zur Stabilisierung der Strasse eingebaut wurden. Bis das verbarrikadierte Bauernhaus abgerissen ist, ist vom Wandern auf diesem Weg abzuraten. Ohne Kampfstiefel oder zumindest Wanderschuhe ist man hier aufgeschmissen. Selbst mit solidem Schuhwerk fordert der glitschige Boden volle Konzentration – und später einigen Aufwand beim Schuheputzen.

Bei einem Halt in Sichtweite des Hauses deutet Roger Kocher auf dunkelbraune Schlieren in den hellen Profilspuren der Bagger. «Das ist Erde von weiter unten am Berg», erklärt der zuständige Administrator des Lehrverbandes Genie-Rettung. «Grundsätzlich gilt, dass wir den Weg ausschliesslich mit dem Material ausbessern, das wir hier finden. Schliesslich ist der Bettlachstock ein Naturschutzgebiet.»

Ausbildungs- und Trainingseffekt im Vordergrund

Noch steht das Haus. Die Soldaten haben sich bei der Feuerstelle unter der Tennzufahrt gemütlich eingerichtet. Eine Blache schützt sie vor dem Wind. Bis Ende Mai arbeiten sie von halb acht Uhr morgens bis sieben Uhr abends am Weg. Da wollen sie es wenigstens in der Mittagspause trocken und warm haben. Gruppenleiter Gerhard Frank ist froh um den attraktiven Auftrag am Bettlachstock, zumal die Kompanie am Beginn ihrer Dienstzeit steht. «So lernt man die Leute schnell kennen und merkt, wie sie arbeiten.» Auch für Roger Kocher steht der «Ausbildungs- und Trainingseffekt im Vordergrund. Die Leute sind sehr motiviert. Sie haben Freude daran, etwas zu tun, was der Zivilbevölkerung nützt.» In diesem Fall nützt der Einsatz vor allem den Pflanzen und Tieren. «Ein Rudel Gämsen ist vor kurzem aufgetaucht und hat uns zugeschaut. Von den Baggern haben sie sich nicht stören lassen», sagt Gerhard Frank und lacht.