Grenchen
Anwohner wollen an Tempo 30 festhalten

Heute entscheidet der Gemeinderat Grenchen über die Aufhebung von Tempo 30 an der Kastelsstrasse – im Quartier sind die Meinungen gemacht.

Oliver Menge
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Hanspeter Lehmann übergibt die Petition mit 140 Unterschriften der stellvertretenden Stadtschreiberin Anne-Cathérine Schneeberger.

Hanspeter Lehmann übergibt die Petition mit 140 Unterschriften der stellvertretenden Stadtschreiberin Anne-Cathérine Schneeberger.

Oliver Menge

Hanspeter Lehmann, der seit einiger Zeit daran ist, Unterschriften für eine Beibehaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung zu sammeln, wohnt im Kastelsquartier und ist ein Direktbetroffener. Als er erfuhr, dass Bestrebungen im Gang sind, Tempo 30 an der Kastelsstrasse und an anderen Orten wieder aufzuheben, beschloss er, aktiv zu werden. «Das geht einfach nicht, die Tempolimite wieder raufzusetzen. Viele Automobilisten halten sich nicht an Tempo 30 und fahren schon jetzt viel zu schnell. Wie soll das rauskommen, wenn wieder Tempo 50 eingeführt wird? Dieselben Autofahrer fahren dann auch zu schnell, also möglicherweise mit 60 oder 70 km/h, und das müssen wir verhindern.»

Postulanten täuschen sich

Angefangen hatte das Ganze mit einem überparteilichen Postulat von SVP, CVP, FDP und SP, welches verlangte, dass Tempo 30, das in einigen Quartieren bereits eingeführt ist, punktuell wieder abgeschafft werden soll. Unter anderem wurde behauptet, dass viele direkt betroffene Anwohner Tempo 30 nicht befürworteten. Daraufhin wurde ein Untersuchungsbericht in Auftrag gegeben, welcher nun heute Abend im Gemeinderat vorgestellt und beraten wird. Man will anschliessend das weitere Vorgehen beschliessen.
Für Lehmann ist inzwischen klar, dass sich die Postulanten mit ihrer Aussage, dass auch in den betroffenen Quartieren eine Mehrheit gegen Tempo 30 sei, im Fall der Kastelsstrasse gewaltig getäuscht haben: «Ich bin in unserem Quartier von Tür zu Tür gegangen und habe unser Anliegen vorgetragen. Rund 80 Prozent aller Anwohner konnte ich erreichen und praktisch alle haben meine Petition unterschrieben», sagt er. Nur etwa 10 Anwohner waren der Meinung, das sei nicht nötig.

Anwohner wussten von nichts

So sind inzwischen 140 Unterschriften zusammengekommen, die Lehmann gestern der Stadtverwaltung übergab. «Was mich aber beim Sammeln der Unterschriften am meisten überrascht hat, ist die Tatsache, dass viele Leute gar nicht wussten, dass gewisse Kreise Tempo 30 wieder abschaffen wollen.» Insbesondere im Bereich des Altersheims und der Schule sei das wirklich sehr bedenklich. «Nicht einmal die Verantwortlichen des Altersheims wussten etwas von der Petition der SVP.» Und gerade dort sei es doch wichtig, dass man den Verkehr beruhige. «Die alten Leute ‹hühnern› mit ihren Rollatoren über die Strasse und sind akut gefährdet, wenn zu schnell gefahren wird.» Besonders schlimm sei es abends zwischen 18 Uhr und 20 Uhr, da seien oft Raser unterwegs, die in der 30er Zone mit 50 km/h die Strasse rauf- oder runterbrettern, sagt Lehmann. «Und weil sozusagen keine Kontrollen gemacht werden, ändert sich daran auch nichts».
Die Kastelsstrasse sei an manchen Stellen nicht sehr übersichtlich und einige der Begleiterscheinungen von T-30 seien für viele Anwohner unverständlich: «Viele haben kritisiert, dass mit der Einführung von Tempo 30 Fussgängerstreifen an neuralgischen Stellen entfernt wurden, so zum Beispiel bei der Einmündung der Adolf-Furrerstrasse in die Kastelsstrasse. Dort hört erstens das Trottoir auf und zweitens handelt es sich um einen viel benutzten Schulweg. Da lehrt man die Kinder, die Strasse nur über den Fussgängerstreifen zu überqueren und plötzlich ist er weg. Die Strasse ist dort so unübersichtlich, das ist einfach nur gefährlich.»

140 Unterschriften

Unterstützung erhält Lehmann auch von politischer Seite: SP-Gemeinderat Urs Wirth begleitet ihn bei seiner Petition. Und da die Zeitspanne vom Einreichen bis zur Traktandierung von Lehmanns Petition zu kurz ist, damit sie noch im heutigen Gemeinderat behandelt werden kann, will Wirth anlässlich der Diskussion über das weitere Vorgehen darauf hinweisen, dass die 140 Unterschriften von Direktbetroffenen vorliegen. Sollte der Gemeinderat dann beschliessen, an der Kastelsstrasse T-30 beizubehalten, werde Lehmann seine Petition zurückziehen. Andernfalls werde sie für eine der nächsten GR-Sitzungen traktandiert.

Hanspeter Lehmann übergibt die Petition mit 140 Unterschriften der stellvertretenden Stadtschreiberin Anne-Cathérine Schneeberger.