Fast wäre sich der TV Grenchen noch selbst in die Parade gefahren, als vor zwei Wochen ein Vorstandsmitglied des Vereins auf seiner Facebook-Seite postete, der Stadionneubau sei jetzt gesichert. Als diese Zeitung beim Vorsitzenden der Geschäftsleitung diesbezüglich nachhakte, zeigte sich dieser ahnungslos. Es gebe nichts Neues zu berichten. Am Donnerstag publizierte dann die «Weltwoche» eine Story, wonach ein reicher Lebemann namens Peter Buser dem TV Grenchen das fehlende Geld für den Stadionneubau gespendet habe. «Ja, die 1,5 Millionen sind soeben auf unserem Konto eingetroffen», wird TVG-Vorstandsmitglied Theo Schild zitiert.

Vergleich geschlossen

Die Strippen zum Deal verliefen über die Redaktion, welche unter derselben Rubrik über den schillernden Millionär wie auch über Elias Meier und seinen Kampf gegen die SWG berichtet hatte. Das Blatt machte die Liaison selber publik und berichtet, dass Meier sich auch mit SWG-Chef Per Just versöhnt habe, sodass dieser seine Strafanzeige zurückgezogen habe. Per Just präzisiert: «Wir haben einen Vergleich geschlossen.» Über den Inhalt werde Stillschweigen bewahrt.

Gestern trat die TVG-Spitze zusammen mit dem gemäss Schild «facettenreichen» Investor (vgl. Kasten) und dem Stadtpräsidenten vor die Medien. Das Sportstadion des Turnvereins Grenchen TVG soll also neu während 30 Jahren «Res Ubique/Peter Buser Stadion» heissen. Dank der grosszügigen Zuwendung habe der TVG inzwischen 95 Prozent der finanziellen Mittel zur Realisierung des Projekts mit Kosten von 3,5 Mio. Fr. beisammen, hiess es.

«Dr. Buser ist leidenschaftlicher Dichter und Poet sowie Stifter der Res Ubique Foundation, nach welcher das neue Stadion benannt wird», schreibt der Verein. Im Gegenzug soll das neue Stadion auch für kulturelle Zwecke genutzt werden. Dort wird für die Stiftung ein Raum eingerichtet, in welchem sich die Besucher über die Stiftungsaktivitäten informieren können. Des Weiteren werden im Stadion auf mehreren Schildern «zum Ort passende Aphorismen aus der Hand von Dr. Buser präsentiert, dessen lyrisches Werk unter anderem vom deutschen Schriftsteller Martin Walser gelobt wird», so die TVG-Mitteilung.

Insbesondere sollen Konzerte im Stadion stattfinden. Seit einem Jahr führe Buser «Anlässe mit weltbekannten Künstlern durch, so 2018 im Beisein von Königin Silvia von Schweden.» Eines soll im Herbst im Parktheater stattfinden. Im Stadion sind danach «einmal jährlich renommierte Konzerte geplant», wie es heisst. Dies wurde gestern bereits relativiert. Das Turnerstadion sei wohl kaum für Kammermusik geeignet.

Mit der erweiterten Nutzung seien die Ansprüche an das Stadion zwar etwas gewachsen, dennoch sei der TVG «nun sehr nah am Ziel». Man werde nach den Sommerferien eine «abschliessende Finanzierungskampagne starten». Die Vereinsleitung ist zuversichtlich, dass Firmen und Private das Projekt «im Hinblick auf die nun definitiv feststehende Realisierung nochmals mit grosszügigen Beiträgen unterstützen werden.» Denn bisher, so wurde eingeräumt, habe die Sammelaktion des TVG nicht das gewünschte Resultat gebracht.

«Gelöster Rückbau»

Wie Elias Meier berichtete, sei die Entsorgung des alten Stadionuntergrunds entgegen ersten Befürchtungen ohne zusätzliche Kosten möglich. Der Anteil des tatsächlich problematischen organischen Kohlenstoffs sei gemäss Proben klein. «Der Aufwand für die Entsorgung des gesamten Materials ist nicht mehr erdrückend gross.» Somit könnten nun auch die Umweltauflagen, die das Projekt während längerer Zeit faktisch blockiert hatten, mit vertretbaren Kosten erfüllt werden.

Der TVG schliesse in den kommenden Monaten die Detailplanung ab, sodass der Spatenstich noch im laufenden Jahr 2019 erfolgen könne. Die kulturelle Nutzung erfordere kein neues Projekt, sagte Stadtpräsident François Scheidegger. «Es ist das Stadion des TVG.» Man werde seitens der Stadt keine Beiträge an Anlässe leisten. So konnte zum Schluss «männiglich» zum Sektkübel greifen.