Ganz unger üs

Angeregte Diskussion um CD-Verkäufe und «Taktgefühl»

Smalltalk mit Kurt Gilomen, Patrick Züst, François Scheidegger und Dagobert Cahannes (von links)

Smalltalk mit Kurt Gilomen, Patrick Züst, François Scheidegger und Dagobert Cahannes (von links)

Musiker «Pät von QL» und Stadtpräsident François Scheidegger waren Gäste an der Grenchner Talk-Veranstaltung «Ganz unger üs».

Wie immer waren es zwei recht unterschiedliche Welten, die an der Talkshow von Kurt Gilomen und Dagobert Cahannes aufein­ander trafen. Zum einen diejenige des Musikers «Pät von QL», Sänger, Gitarrist, Bassist in verschiedenen Bands und Eishockey-Fans bekannt als Animator während der Heimspiele des EHC Biel.

110 Konzerte Solo gespielt

Er erzählte, wie er die Musik von seinem Vater in die Wiege gelegt bekam, von seinen Engagements in verschiedenen Formationen und neuerdings auch Solo und von den alltäglichen Klippen, die man im Musikgeschäft heutzutage meistern muss. Wenig Spektakuläres passiere bei den Konzerten Backstage, meinte Züst auf die entsprechende Frage Gilomens. Denn Backstage heisse für eine Schweizer Band in der Regel Turnhallen-Garderobe. «Der Charme solcher Plätze hält sich eher in Grenzen», meinte "Pät" schmunzelnd. Umso erhellender waren andere Backstage-Einblicke Züsts, nämlich diejenigen hinter die Kulissen der Schweizer Musikjournalisten-Szene. «Auch wenn heute eigentlich niemand vom Musikpublikum mehr eine CD kauft – von Musikkritikern wird man ­ignoriert, wenn man ihnen keine CD schicken kann.» Und so wird auch QL «– eigentlich spricht man das aus wie Cool, aber das hat bis jetzt nicht funktioniert» – heuer wieder eine CD herausgeben, wie «Pät» ankündigte. Daneben werde er schwergewichtig als Solomusiker unterwegs sein, wie das schon im vergangenen Jahr der Fall war, als er nur schon als Solist 110 Konzert gegeben habe.

Auch Stadtpräsident François Scheidegger vermittelte verschiedene «Backstage»-Einblicke aus seinem beruflichen Werdegang. Der Rechtsanwalt und Notar erzählte, dass er sich als junger Mann auch eine Laufbahn als Zahnarzt oder im di­plomatischen Dienst habe vorstellen können. Realiter bekam er seinen ersten Job bei der damaligen BDO Visura in Solothurn, gefolgt von einer Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei.

Vom Stadtschreiber zum Stadtpräsidenten

Als der einstige Stadtschreiber Thomas Stierli, ein ehemaliger Studienkollege, ihn auf die frei werdende Stadtschreiber-Stelle in Grenchen aufmerksam machte, habe er sich am letzten Tag der Bewerbungsfrist gemeldet – und den Job erhalten. Auch wenn es 2008 als Amts­gerichtspräsident weiterging, habe die Zeit als Stadtschreiber eine solide Basis gelegt für das spätere Stadtpräsidenten-Amt, in das Scheidegger 2013 gewählt wurde.

Erhellend waren seine Schilderungen zum Grenchner Dreifachmord, über den er als Amtsgerichtspräsident zu richten hatte. «Die Angeklagten hatten mit allen Wassern gewaschene Advokaten und das Medieninteresse war gewaltig», erinnert sich Scheidegger.

Trotz dieser unterschiedlichen Welten haben "Pät" (der bürgerlich Patrick Züst heisst) und Scheidegger etwas gemeinsam: «Taktgefühl». Züst als Musiker und Scheidegger als ehemaliger Tambour. Beide dürfen sie vor – mitunter grossem – Publikum auftreten. «Als Musiker war ich mich das ja gewohnt, aber als ich im Stadion Biel erstmals als Animator aufs Eis geschickt wurde, stand mir der Schweiss auf der Stirn», berichtete Pät. Die Auftritte als Stadtpräsident an allen möglichen Anlässen bedeuteten demgegenüber für Scheidegger vor allem ein eingeschränktes Familienleben.

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