Velodrome Suisse

Andy Rihs: «Das Velodrome ist noch imposanter, als ich es mir vorgestellt habe»

Andy Rihs freut sich auf die Velodrome-Eröffnung.

Andy Rihs freut sich auf die Velodrome-Eröffnung.

Am Freitagabend ist es so weit: Das Velodrome Suisse wird eröffnet. Unternehmer und Initiator Andy Rihs freut sich sehr, dass das 17-Millionen-Projekt nach fertig gestellt ist. «Es ist ein ‹Wahnsinns-Bauwerk›», sagt er im Interview.

Das Velodrome soll am Freitagabend eingeweiht werden. Es sieht aber noch sehr nach Baustelle aus. Sind Sie rechtzeitig bereit?

Andy Rihs: Es gibt nichts anderes, wir müssen bereit sein. Es ist wie bei einer Ausstellung. Noch eine Stunde zuvor sieht es völlig chaotisch aus, aber für die Eröffnung ist alles parat. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

Wenn Sie jetzt vor dieser Riesenhalle stehen, was löst das bei Ihnen für Gefühle aus?

Es sieht noch imposanter aus, als ich es mir vorgestellt habe. Es ist ein «Wahnsinns-Bauwerk», vor allem wenn man an die Rahmenbedingungen bezüglich Zeit und Kosten denkt. Es ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Projekt, das wir innerhalb von drei Jahren durchziehen konnten – und dies mit anhaltender Begeisterung. Das ist für die Schweiz wohl eher untypisch . . .

Was bedeutet das Velodrome für den Radrennsport in der Schweiz?

Der Schweizer Radrennsport muss auf neue Beine gestellt werden. Die Grundschulung für den Strassenrennsport erfolgt heute auf der Bahn. Die Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber bisher hat sie niemand umgesetzt. Ich rechne damit, dass wir die ersten Früchte bereits an den Olympischen Spielen 2016 ernten können. Bis dann können wir neue Teams aufstellen und Rennfahrer aufbauen, die hier in Grenchen von Profis trainiert werden. Die Bahn erlaubt eine exzellente Feinsteuerung des Trainings unter voll kontrollierten Rahmenbedingungen und den nötigen technischen Hilfsmitteln. Wir können mit dem Velodrome den Radrennsport auch viel medienwirksamer inszenieren – alle Fahrer bleiben stehts im Blickfeld.

Und wer trainiert hier?

Alle Radsportbegeisterten! Erwachsene, Buben und Mädchen. Für olympische Disziplinen und Weltmeisterschaften können sieben verschiedene Disziplinen auf der Bahn trainieren: Verfolgung, Sprint, Teamrennen und so weiter. Überall gibts Medaillen zu gewinnen. Das heisst, es gibt viel mehr Profilierungsmöglichkeiten als auf der Strasse. Und wer auf die Strasse wechselt, hat durch das Training hier eine ideale Grundlage gelegt. Es wäre doch toll, wenn wir wieder einmal einen Tour-de- France-Sieger stellen könnten, oder einen Weltmeister . . .

Unternehmer Andy Rihs freut sich auf die Eröffnung des Velodromes

Unternehmer Andy Rihs freut sich auf die Eröffnung des Velodromes

Wie profitiert Ihre Firma BMC davon?

Es ist klar, dass das für uns Synergien gibt, denn unsere Firma ist in Grenchen zu Hause. Wir können die Bahn als Testcenter nutzen, um unsere Velos weiterzuentwickeln. Wir sind froh, dass die Stadt Grenchen mitgezogen hat, denn hier haben wir ideale Voraussetzungen. Sonst hätten wir anderswo bauen müssen.

Wie haben Sie das Engagement der Stadt und der Bevölkerung erlebt?

Sehr positiv. Die lokale und auch die kantonale Unterstützung war da, insbesondere von Boris Banga. Stellen Sie sich vor: die Gemeindeversammlung hat fast einstimmig, mit nur einer einzigen Gegenstimme, Ja gesagt. Das zeigt, dass der Support da ist. Die Stadt hat realisiert, dass sich BMC zu einer Weltfirma entwickelt hat. Die Grenchner Behörden und Politiker haben den Ball aufgenommen und gemerkt, dass sie Grenchen nicht nur als Uhrenstadt positionieren können, sondern auch als Velostadt.

Welchen Einfluss hatte die Stadt auf die Planung.

Wir konnten von Anfang an nicht zig Millionen in die Anlage stecken, wie das zum Teil im Ausland gemacht wird. Zuerst planten wir einfach einen grossen Kubus. Nicht zuletzt auf Anregung von Stadtbaumeister Claude Barbey wurde die Architektur interessanter.

Gab es bange Momente bei der Umsetzung?

Das Wetter während der Bauphase war teilweise eine Katastrophe. Im Winter konnte wegen der Kälte oft nicht betoniert werden. Es wurde unter grossem Stress und unter schwierigen Rahmenbedingungen rasch gearbeitet. Dafür haben alle Beteiligten meinen Respekt. Jetzt sind wir alle Stolz darauf.

Die Finanzierung war ja nicht so einfach. Wie viel haben Sie selber bezahlt?

Man muss unterscheiden zwischen Grundinfrastruktur, also Bahn und Halle und den Firmen, die hier angesiedelt sind. Ich selber habe ein Startkapital von zwei Millionen gegeben. Dazu kommen die Gelder für den Ausbau der übrigen Infrastruktur: Hotel, Restaurants, Shops und Büros für rund fünf Millionen. Von den Endkosten von 17 Millionen fehlen zurzeit noch etwa 20 Prozent. Wir brauchen also noch einige namhafte Sponsoren – genauer gesagt Donatoren, die gewillt sind, ohne direkte Gegenleistung in die Förderung des Radsport-Nachwuchses zu investieren. Es wird aber noch einige Monate dauern, bis wir diese Mäzene präsentieren können. Das Velodrome strebt als Stiftung eine Steuerbefreiung an.

Wie hoch ist das Jahresbudget für den Betrieb?

Die Stiftung hat ihrerseits eine Betriebsgesellschaft, welche die Kosten von jährlich 1,2 bis 1,4 Millionen Franken decken sollte.

Wie werden diese Einnahmen erzielt?

Das Velodrome ist das Trainingscenter des Schweizer Radsportverbandes Swiss Cycling, der hier auch seine Büros hat. Auch Clubs können hier trainieren. Sogar Einzelpersonen können ihre Runden auf dem Oval drehen. Dafür wurden schon 70 Abos vorreserviert. Dann die Anlässe selber: Velorennen jeder Art, ein Sechstage-
rennen dürfte entstehen, nationale und internationale Ausscheidungen – warum nicht auch eine Bahn-WM? Natürlich eignet sich die Halle auch für Grossveranstaltungen, Konzerte, Generalversammlungen von grossen Firmen wie der Swatch Group. Es gibt in der Schweiz wenige Hallen, die 3000 bis 4000 Leute aufnehmen können. Wir können es. Ein wichtiger Beitrag sind auch die vermieteten Werbeflächen sowie die vermieteten Räumlichkeiten. Und natürlich ist auch die mia weiterhin willkommen.

In Aigle (VD) existiert auch eine relativ moderne Bahn. Wie ist da die Konkurrenzsituation?

Es gibt überhaupt keine. Sie sind einerseits schon gut ausgelastet und haben lediglich eine 200-Meter-Bahn. Wir haben mit 250 Metern das olympische Mass für authentisches Training. Wir sind in Grenchen auch besser gelegen.

Es soll auch noch eine BMX-Strecke entstehen. Wie weit sind Sie da?

Am liebsten würden wir sie auch hier realisieren, haben aber keinen Platz. Zurzeit sind wir in Verhandlungen über ein geeignetes Grundstück in Arch. Das wäre ja nicht weit von hier. Zusätzlich dazu wird am Grenchenberg demnächst in Zusammenarbeit mit Grenchen Tourismus eine erste Mountainbike-Strecke eröffnet.

Wie oft fahren Sie selber Velo?

Ich bin etwa an 150 bis 180 Tagen pro Jahr im Sattel und mache dabei etwa 8000 bis 9000 km.

Bundesrat Ueli Maurer kommt an die Eröffnung Haben Sie ein Velo für ihn parat?

Selbstverständlich!

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