Ob es der Brasilianer Alberto Santos Dumont oder die Brüder Wright aus Indiana waren, die als erste mit einem Flugzeug abhoben, bleibt wohl für immer ein ungelöster Streit. Aber eines ist sicher: Das erste Elektroflugzeug, dass auf dem Flugplatz Grenchen gelandet ist, war am vergangegen Freitag eine e-Genius. Und das fast ohne Lärm und ohne Aufsehen zu erregen.
Die Landung des e-Genius war der Auftakt zur ersten Smartfly Challenge in Grenchen. «Wir wollen die noch überschaubare Szene der Elektrofliegerei dem breiten Publikum bekannt machen», sagte Peter Brotschi im Namen der Organisatoren. Und der Grenchner Experte betonte: «Es tut sich etwas, in wenigen Jahren werden die mit Elektormotoren angetriebenen Flugzeuge die Flugplätze erobern, so wie derzeit gerade die Elektroautos das Strassenbild.»

Wetter machte Fliegen unmöglich

Doch dann wurde aus dem für Samstag angekündigte Fly-in der E-Flugzeuge nur ein Roll-out. Wegen des schlechten Wetters war nicht aus Fliegen zu denken und die vielen Schaulustigen mussten sich die neue Technik im Hangar anschauen. Da sah man in den Motorräumen neben hochentwickelter Elektronik auch improvisierte Bastellösungen wie eine Petflasche als Druckausgleichsgefäss. Neben dem wacklig ausschauenden Hängegleiter mit winzigem Propeller stand ein futuristischer Zwitter, halb Drohne halb Helikopter.

Sanftes Summen statt lautes Brummen gab es erst am Sonntag. Zwischen den schwarzen Wolken über dem Jura und dem blauen Himmel über dem Seeland öffnete sich in Grenchen ein perfektes Wetterfenster. Während man sich beim Start eines Motorflugzeuges manchmal fast die Ohren zuhalten muss, hört man von den Elektromotoren gar nichts. Einzig die Verwirbelung der Luft durch die Propeller produzierte ein Geräusch, das ein wenig an den Flug einer fetten Hummel erinnert.

Allerlei verschiedene Maschinen

Einige der modernen Elektroflugzeuge sind auf den ersten Blick kaum von üblichen Motorflugzeugen zu unterscheiden. Andere sind fliegende Kisten, in welche sich wirklich nur tollkühne Männer wagen. Bei einem motorisierten Flugdrachen musste der Pilot zunächst ein paar Meter rennen, bis sich das seltsame Gerät ein wenig vom Boden abhob und der Elektromotor angeworfen werden konnte.

Bereits in drei Jahren möchte nun die Grenchner Firma Smartflyer mit einem eigenen Hybrid-Elektroflugzeug abheben. «Gestartet und gelandet wird rein elektrisch. Erst wenn wir auf der Strecke sind, setzt der Motor ein, der den Strom für die Reise produziert», erklärt Rolf Stuber (Gründer und CEO Smartflyer) die Funktionsweise des Vierplätzers. «Der Propeller befindet sich hinten, oberhalb des Seitenruders, der Motor ist vorne und die Batterien finden in den Flügeln Platz. Das sorgt für eine ausgeglichene Balance und einen deutlich höheren Wirkungsgrad.»

Bei Segelfliegern top

Eine Prognose darf nach dem Smartflyer Challenge in Grenchen getrost gewagt werden: Den Segelfliegern, die dank einem eingebauten Elektomotor selber starten können, gehört die Zukunft. Vom Modell Archaeopteryx, das durch die Familie Ruppert im Zürcher Oberland zur Serienreife entwickelt worden ist, wurde bereits einige Modelle nach Australien verkauft. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ohne Schleppflugzeug erfolgt der Start fast geräuschlos und es können erst noch Kosten gespart werden.

Muss ein Archaeopteryx vor der Landung noch einen kühlen Wald mit Abwinden überqueren, hilft der Elektromotor nochmals ein paar Minuten aus, damit eine sichere Landefläche erreicht werden kann. Er empfiehlt sich aufgrund der herausragenden Steigleistung und dem guten Geschwindigkeitsbereich auch bei schwachem Wetter für Rückkehrflüge.