Astronomie
An der Jurasternwarte nagt der Zahn der Zeit

In der Sternwarte geht es um Idealismus, nicht ums Geldverdienen – nun stehen aber dringende Investitionen an. Grund sind altersbedingte Defekte und veraltete Einrichtungen.

Patrick Furrer
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Solothurner Zeitung

Heuer ist ein aufregendes Jahr für die Astrogruppe der Jurasternwarte Grenchen. Einerseits können die rund 20 Mitglieder das 35-Jahr-Jubiläum feiern, andererseits kommt der Stiftungsrat nicht mehr darum herum, in die überfällige Reparatur und Modernisierung der Geräte zu investieren. Ganz abgesehen von kleineren Sanierungsarbeiten an Gebäude und Zaun. Mehrere 10000 Franken müssen in den nächsten Jahren aufgeworfen werden.

Für eine Institution mit jährlichen Betriebskosten und Einnahmen von rund 7000 Franken keine Kleinigkeit. Stiftungsratspräsident Hugo Jost beunruhigt das trotzdem nicht. Er vertraut auf die Gönner und die stabilen Besucherzahlen. «Nötigenfalls werden wir auch auf anderem Weg versuchen, Geld zu erhalten. Beispielsweise durch den Lotteriefonds oder durch die Stadt», blickt er voraus.

Mehrere kostspielige Posten

Was alles muss getan werden? «Einerseits haben wir mit altersbedingten Defekten zu kämpfen, andererseits verlangen die heutigen Beobachtungstechniken und Fototechniken nach neuen Einrichtungen», schreibt Jost dazu in einem aktuellen Kurzbericht. Konkret ist der für die Beobachtung der Protuberanzen der Sonne unentbehrliche Spezialfilter komplett unbrauchbar geworden.

Die Sternwartenleute können deshalb momentan dieses Sonnenphänomen ihren Besuchern nicht präsentieren. Der Ersatz wird rund 10000 Franken kosten. Bis im Herbst, wenn die Sternwarte zu ihrem Jubiläum Tage der offenen Tür organisieren wird, soll das Gerät aber geliefert werden, hofft Hugo Jost. Den Filter kann die Sternwarte noch knapp aus eigenen Mitteln bezahlen. Ebenso eine neue Steuerung für das so genannte Cassegrain-Teleskop.

1000 Stunden Fronarbeit

Doch es wartet noch ein weitaus happigerer Posten: Die Kamera des grossen Teleskops müsste auf digital umgerüstet werden, da sich die analogen Filme kaum mehr auftreiben lassen. «Das kann zwischen 50000 und 90000 Franken kosten», schätzt Jost. «Geld, das wir noch irgendwie auftreiben müssen.»

Die Erneuerung der Instrumente sei äusserst wichtig. «Als einzige Sternwarte im Kanton Solothurn wollen wir nach wie vor zu den am besten ausgerüsteten der Schweiz gehören.» Nur so sei es möglich, Astronomie auf zeitgemässe Art und Weise zu vermitteln. Die Sternwarte tut viel, um für seine Besucher attraktiv zu sein. Wobei es nicht ums Geld geht, erklärt Jost. Einen eigentlichen Eintrittspreis gibt es nicht, die Arbeiten am Haus, die Führungen und alles andere werden von den Mitgliedern der Astrogruppe ehrenamtlich erledigt. «Wir kommen sicher auf gut 1000 Stunden Fronarbeit pro Jahr.»

Jubiläumstage im Herbst

Ein besonderes Anliegen ist es Jost und seinen Kollegen, die Astronomie auch den Kindern näher zu bringen. Spielerisch können diese beim Besuch Spannendes über die Himmelgestirne erfahren. Im Jahr 2009 – dem internationalen Jahr der Astronomie – hatten die Sternwartenmitarbeiter rund 200 Sternkarten sowie unzählige Sonnenuhren und Faltblätter gratis abgegeben.

Auch die Bilder und Flyer auf der Homepage der Sternwarte dürfen kostenfrei heruntergeladen und genutzt werden. «Wir verzichten auf ein Copyright», erklärt Jost, «wichtiger ist es uns, die Astronomie mit allen Mitteln weiter- zuverbreiten.» Die Homepage wird derzeit speziell für Kinder noch interessanter gemacht, etwa mit interaktiven Puzzles und Legespielen.

Im Herbst wird die Sternwarte konzentriert Tage der offenen Tür organisieren. Passend zum 35-jährigen Bestehen. Eventuell will man sich auch wieder am Ferienpass beteiligen.

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