«Si isch zwar nid so gross wie z Solothurn, het aber immer ei Chessler me», heisst es in Grenchens Fasnachtskreisen, wenn man sich nach der Teilnehmerzahl weisser Zipfelmützen an der Chesslete erkundigt.

Tatsache ist, dass wie erwartet wegen der Schulferien, aber sicher auch aufgrund des starken Schneetreibens, der diesjährigen Chesslete zahlreiche Narren fern geblieben sind.

Aus diesem Grund hat auch Oberchessler Yannick Zumstein für den Fasnachtsauftakt nur mit rund 400 Teilnehmern gerechnet. Halb so viele Narren wie in den vorderen Jahren. Letztlich wurden seinen Erwartungen insofern übertroffen, wenn man jene Chessler mitzählt, welche auf direktem Weg in die warmen Beizenstuben verschwunden sind. Laut Zumstein haben schliesslich rund 500 Fasnächtler im Morgengrauen durch Grenchens Strassen gelärmt und gekracht, um den Winter zu vertreiben.

Sternförmig ins Zentrum

Fünf verschiedene Chesslerzüge, immer vorab mit zwei Fackelträgern, zogen ab 5 Uhr morgens durch die Gassen in Richtung Postplatz. Gleichzeitig fielen immer noch grosse Schneeflocken vom Himmel und bedeckten die bereits weissen Strassen und Dächer. Es schien, als wollte der Winter den Chessler beweisen, dass er nicht so leicht zu vergraulen sei. Durch das bisschen Kälte – die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt – und die paar Haufen Schnee liessen sich die Zipfelmützen aber nicht aus der Ruhe bringen.

Kurz vor 6 Uhr versammelten sie sich auf dem Postplatz, wo Oberchessler Zumstein seine Ansprache hielt. Dabei forderte er seine Chessler auf, es jetzt nochmals richtig krachen zu lassen: «Aui parat, los jetz, so fescht und lut wie dr weit, jetz säge mir i dere Stadt wos düre geit.» Das liessen sich die Narren nicht zweimal sagen. Gemeinsam wurde abermalig gescheppert, mit allem was irgendwie Krach macht. Neben der XXL-Rätsche kamen auch Pfannendeckel, Kuhglocken und Konservenbüchsen zum Einsatz. Und so zogen die paar hundert Zipfelmützen durch Grenchens Innenstadt mit dem Ziel: «Mir finge euch Schlöfer, wo dir au ligget, denn s Motto z Gränche heisst, ‹es tigget›».

Um 6 Uhr endete der Umzug auf Grenchens Marktplatz mit einer Handvoll Zipfelmützen. Viele Chessler hatten sich bereits in eine der vierzehn verschiedenen Gaststuben verkrochen, welche für die knurrenden Mägen gratis Mehlsuppe bereithielten.

Und wo kriegt man die beste Mehlsuppe? Das spiele keine Rolle, bei der Zubereitung könne man so oder so nicht viel falsch machen, lautet der Insidertipp eines Chesslers. Und wer Mehlsuppe nicht mag, dem wird in der «Metzgerhalle» auch Gnagi oder Käsekuchen zum Frühstück geboten. Die eher kleine Teilnehmerzahl an der diesjährigen Chesslete trübte die gesellige Stimmung in den Beizen keineswegs. Diese Tatsache wurde mit einem Humpen Bier oder auch zweien heruntergespült und von einer Zipfelmütze mit einem lockeren Spruch kommentiert: «Es het hüt immer no 400-mau meh Lüüt gha aus bim Badifescht.»