Grenchen
Am Samstag erwacht das «Chappeli» aus seinem Dornröschenschlaf

Am Samstag öffnet das legendäre Grenchner Wirtshaus hinter der Kapelle Allerheiligen unter neuer Führung wieder seine Türen. Die neue Wirtsfamilie hat sich bereits gut in der Wohnung über der Wirtschaft eingelebt und hofft auf positive Reaktionen.

Oliver Menge
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Impressionen aus dem noch nicht eröffneten Gasthofs Chappeli in Grenchen
21 Bilder
Solarstrom vom Dach
So sieht es im Innern aus
Der Blumenschmuck ist besorgt
Für die ganz Kleinen
Kunst an den Wänden
Speisekarten
Glaskaraffen und Gläser
Bierzapfanlage
In der Küche
Kartoffeln liegen bereit
Draussen gibts einen kleinen Teich
Blick über das ganze Gelände

Impressionen aus dem noch nicht eröffneten Gasthofs Chappeli in Grenchen

Oliver Menge

Gestern früh um 9 Uhr erst wurden die Stühle geliefert. Die alten Holzstühle wurden durch eine Spezialfirma überholt und frisch gestrichen, passend zu den Tischbeinen in dezentem Grau.

Eine junge Mitarbeiterin in einem Fachgeschäft brachte die letzten Blumenarrangements, welche die Fensterbänke zieren. In der Küche wurden die letzten Vorbereitungen getroffen, man ist bereit für die Gäste.

Es sind keine Nobodys, die in dem altehrwürdigen Gasthof am Waldrand ihre Gäste bewirten werden, sondern Spitzenköche, ausgezeichnet mit 16 «Gault Millau»-Punkten und einem Michelin-Stern, allerdings an ihrem alten Wirkungsort, dem Restaurant Kunsthof im sankt-gallischen Uznach.

Christoph Köhli, ursprünglich aus dem bernischen Zollikofen, und Janine Hausmann aus dem Aargau haben beide bei Nik Gygax im bekannten «Löwen» in Thörigen gearbeitet, bevor sie den «Kunsthof « vor sechs Jahren übernahmen. Vor zwei Jahren kam ihr gemeinsamer Sohn Levin zur Welt – und das habe einiges verändert, erklärt Köhli.

«Wir wussten einfach, dass wir als Familie in Uznach keine Zukunft haben und so nicht weitermachen wollen.» Dass der Gasthof Chappeli von Ernst Thomke gekauft und wieder aufgebaut wurde, ist für die beiden ein Glücksfall, wie sie sagen.

«Ernst war auf der Suche nach einem Wirt für seine Wirtschaft und über einen gemeinsamen Bekannten, Andy Zaugg vom ‹Alten Stefan› in Solothurn, kamen wir schliesslich zusammen und wurden handelseinig.»

Bereits gut eingelebt

Die kleine Familie hat bereits die Wohnung über der Wirtsstube bezogen und sich in Grenchen gut eingelebt. «Für unseren Jungen ist es das reinste Paradies hier. Er kann draussen spielen und herumtollen, und wir können auch viel entspannter arbeiten.

Denn hier sind wir immer in seiner Nähe. Hier kann Levin am Abend in seinem eigenen Bett schlafen, in seinem Zimmer.» In Uznach seien oft die Grosseltern eingesprungen, um den Jungen zu hüten. Ihre Wohnung lag ausserhalb des Arbeitsorts.

Obwohl die beiden Spitzenköche ihren Gourmetstatus abgeben, das Kochen verlernt haben sie deswegen nicht. Will heissen, auch die Karte des «Chappeli» ist vielversprechend. «Wir wollen keinen gastronomischen Rückschritt, sondern eine Veränderung.

Das heisst, wir wollen mit einem kleinen Angebot an frischen, hausgemachten, saisonalen und delikaten Gerichten reüssieren.» Vorgesehen sind eine Mittagskarte und eine Abendkarte, bei welcher der Gast aus mehreren Vorspeisen, Hauptgängen – unter anderem Spezialitäten vom Holzkohlegrill – und Desserts auswählen kann.

Statt etwas Süsses soll es aber auch immer eine Auswahl an Käse zum Nachtisch geben. Die Detail-Planung steht diesbezüglich noch nicht, erst müsse man ein wenig Erfahrungen sammeln, so Köhli.

Aber: Wer es wünscht, dem zaubern die beiden Spitzen-Gastronomen auch einen Siebengänger auf den Tisch, inklusive Spitzenweine aus dem eigenen Keller, den die Wirtsleute mitgebracht haben.

Anfangsschwierigkeiten

«Es wird taff», sagt Köhli. Denn obwohl es im «Chappeli» an nichts fehlt, was des Spitzenkochs Herz begehrt, die offene und einsehbare Küche ist klein, aber fein, für das Mise en place muss man gut organisiert sein.

«Ich habe auch noch nie so ‹offen› gekocht, eine Herausforderung.» Ausserdem wisse man noch nicht, wie die Grenchnerinnen und Grenchner auf das «Chappeli» reagieren und welche Frequenzen man erreiche, so Köhli. Aus diesem Grund wurden auch noch keine festen Öffnungszeiten festgelegt.

Platz gibt es für rund 40 Personen. Im Sommer lädt die kleine Terrasse vorne und der grosse Garten neben dem neuen Gebäude zum Verweilen, ebenso ein kleiner Zoo, den Ernst Thomke persönlich zusammen mit dem kleinen Levin betreuen will.