Schweiz-Albanien
Am Public-Viewing bangen und jubeln die Grenchner im Chor

Das Fussballspiel Schweiz-Albanien im «Baracoa» und im «Parktheater».

André Weyermann
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Public Viewing in Grenchen
18 Bilder
Parktheater: Das Schwenken mit der Schweizer Fahne hats gebracht.
Public Viewing im Parktheater
Public Viewing im Parktheater
Public Viewing im Parktheater
Public Viewing im Parktheater
Public Viewing im Parktheater
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa
Public Viewing im Baracoa

Public Viewing in Grenchen

Hanspeter Bärtschi

Bereits eine Stunde vor Spielbeginn sind die Plätze direkt vor der Leinwand in der Public-Viewing-Arena beim «Baracoa» besetzt. Das Wetter weiss nicht so recht, was es will. Die Zuschauer tröpfeln so nach und nach herein. Bis Spielbeginn werden auch die wenigen nicht regengeschützten Sitzgelegenheiten vergeben sein. Noch bleibt Zeit für ein wenig Fachsimpeln. Das Gerede der Experten im Fernseh-Studio scheint nur mässig zu interessieren. Auf den Bänken erfährt man eh ebenso Interessantes. Zum Beispiel, dass drei «Grenchner» bei den Spielen der Nationalmannschaft involviert sind: Physiotherapeut Christian Meissgeier gehört seit Jahren zum Staff, FCG-Trainer Silvan Rudolf amtet seit kurzem als Materialverwalter und Kommentator Sascha Ruefer muss wohl nicht mehr vorgestellt werden.

Rot ist Trumpf. Etwas öfter mit Schweizerkreuz, durchaus aber auch mit Doppeladler. Zur Sicherheit sind auch unverkennbar zwei Security-Mitarbeiter vor Ort. Es wird sie nicht brauchen. Wie auf dem Spielfeld auch, begegnet man sich mit Respekt. Vorteil bei der Nationalhymne für Albanien. Zu sperrig ist schlichtweg der Text des Schweizer Psalms. Dann schon früh Jubel über die Schweizer Führung. Entsetzen über die vergebenen Schweizer Chancen. Echte Unmutsbekenntnisse ernten aber nur jene, die es wagen, sich beim kleinsten Anzeichen von Regen mit einem aufgespannten Schirm schützen zu wollen. Die Schweizer sind zwar einer mehr, das zumeist fachkundige Publikum bemerkt aber, dass das Ding noch nicht gelaufen ist. Zu leicht lässt sich die helvetische Hintermannschaft ausmanövrieren. Die Stimmung ist gut, jedoch angesichts des Gezeigten bis zur Pause auch von Anspannung
geprägt.

Bangen bis ans Ende

Ab ins Parktheater: Hier ist man von den Wetter-Unbilden gefeit. Der Saal ist gut gefüllt. Die Sicht auf die Leinwand angesichts fehlender Licht-Schatten-Einfälle ausgezeichnet. Einige lassen sich ein «gemischtes Plättli» munden. Im Dunkeln des Saals ist zuerst kaum auszumachen, welche Fangruppe in der Überzahl ist. Das Geheimnis lüftet sich aber schon bald, die Enttäuschung über eine weitere verpasste Schweizer Chance wird von gefühlten 90 Prozent der Besucherinnen und Besucher mitgetragen. Es folgt eine Art gemeinsames Leiden über die Unfähigkeit der Eidgenossen, den Sack zuzumachen. Von Überzahl ist kaum mehr etwas spürbar. Ein einzelner spitzer Schrei noch, als ein Abschlussversuch der Schweizer im Aussennetz landet. Dann kommt es, wie es kommen muss. Plötzlich steht Gashi, ausgerechnet er, der ehemalige Torschützenkönig der Super-League, mutterseelenalleine vor dem schweizerischen Tor. Er wird doch nicht etwa! Kollektives Atem anhalten. Der kleinste Torhüter im Turnier hält mirakulös und rettet den durchzogenen Sommer-Tag. Abpfiff. Befreiter Jubel, aber kein grenzenloser. Wer war jetzt zuletzt mit einem Mann mehr auf dem Spielfeld, wird des Öfteren nachgefragt. Man ist sich wohl bewusst, dass diese talentierte Mannschaft noch Freude bereiten kann, die Fussball-Fans aber auch noch wird leiden lassen.

Im Kollektiv lassen sich diese Emotionen besser aushalten. Ein Besuch bei einem der beiden Public-Viewings lohnt sich schon deshalb. Gaumenfreuden und coole Drinks warten als Zugabe.