Büren
Am 50-Jahr-Jubiläum des Ländtifestes werden alte Traditionen wiederbelebt

Das Ländtifest in Büren an der Aare feiert 2014 sein 50-Jahr-Jubiläum. Im Jubiläumsjahr werden alte Traditionen wiederbelebt und ehemalige Organisatoren reaktiviert.

Oliver Menge
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Heinz und Ella Witschi sowie Winfried Ulrich (r.), OK-Chef Ländtifest Büren.

Heinz und Ella Witschi sowie Winfried Ulrich (r.), OK-Chef Ländtifest Büren.

Oliver Menge

Von Donnerstag, dem 7. August bis Samstag, 9. August wird die Bürener Ländti einmal mehr zur Festmeile. Aber nicht alles verläuft dieses Jahr im gewohnten Rahmen, denn just 2014 wird der Anlass 50-jährig. Und dazu hat man sich seitens des Vereins OK-Ländtifest rund um Präsident Winfried Ulrich einiges einfallen lassen.

Man will einen grossen Teil des Festes der Tradition widmen und an die «guten alten Zeiten» erinnern, ohne die aktuellen Trends und Angebote zu vernachlässigen. Zu diesem Zweck wurden auch ehemalige Organisatoren reaktiviert, die Jahrzehnte lang für die Durchführung zuständig waren.

Früher anderes Publikum

Rückblende: Vor 51 Jahren, im März 1963, hatte Hans Wagner vom Männerchor Harmonie die Idee, an der Ländte ein Sommernachtsfest durchzuführen. Der Frauen- und Männerchor stimmte diesem Vorhaben an der Generalversammlung zu und man plante das Fest für den 8. und 9. Juni, bei schlechtem Wetter für den 15. und 16. Juni. Beide Wochenenden waren aber total verregnet und man verschob das Fest um ein Jahr. Die eigentliche Geburtsstunde des auf «Ländtifest» getauften Anlasses war also vor genau 50 Jahren.

Jahrzehntelang organisierten die beiden Chöre das Fest in Eigenregie, wie Heinz Witschi und seine Frau Ella berichten. Sie selber waren bis vor wenigen Jahren ebenfalls im Organisationskomitee, haben 20 oder 25 Jahre aktiv mitgeholfen, das Fest auf die Beine zu stellen, so genau wissen sie es nicht mehr. «Früher hatten wir ein ganz anderes Publikum: Man kam, setzte sich an einen der Tische in einem Beizli, ass und trank und feierte den Höhepunkt des Jahres für das Stedtli. Jetzt laufen die Festbesucher viel mehr umher, wollen von einem grösseren Angebot profitieren, wollen unterhalten werden», meint Ella Witschi.

In früheren Jahren fand das Ländtifest jeweils von Freitag bis Sonntag statt. Irgendwann beschränkte man sich am Sonntag auf einen gemeinsamen Brunch. Und als die Konkurrenz durch Chilbi und Feste in anderen Gemeinden immer grösser wurde, wurde das Ländtifest um einen Tag vorverlegt.

Andere Vereine helfen mit

In den letzten Jahren hatten die beiden Chöre – wie fast alle Chorgemeinschaften – einen herben Mitgliederschwund zu verzeichnen. «Es war einfach nicht mehr möglich, das Fest in Eigenregie durchzuführen. Schon alleine die Aufbauarbeiten nahmen jeweils fast eine Woche in Anspruch», so Heinz Witschi. Denn man baute alles selber auf, wie vor dem Schlachthaus, dem jetzigen Restaurant «Il Grano», einen massiven Dachaufbau aus Holz, der mit einer Plane bedeckt war und vorne zur Aare hin auf Holzpfählen ruhte. Das Fischerstübchen hatte eine eigens entworfene Konstruktion aus Alu als Dach. «Einmal kam ein heftiger Sturm auf, wir hatten regelrecht Hochbetrieb. Und plötzlich sah ich, wie sich das Dach zu heben begann. Alle Helfer rannten nach vorne und hielten sich an der Dachkonstruktion fest, so konnten wir gerade noch verhindern, dass uns alles davonflog», erzählt Heinz Witschi.

Inzwischen helfen fast alle Vereine des Stedtlis beim Ländtifest mit. Sie bezahlen etwas für die Infrastruktur, gemeinsam wird auf- und abgebaut. Die Preise sind überall gleich, man konkurrenziert sich nicht, auch wenn doch alle in die eigene Kasse wirtschaften.

Das kulinarische Angebot ist ebenfalls grösser geworden: Nebst dem grossen Grillzelt mit Bratwurst, Steaks und Hamburgern werden wie alle Jahre Fisch und Raclette angeboten. Das Pub, das Il Grano und der Ochsen mit Thaifood sind präsent und in der Kaffeestube werden zum Teil selbst gebackene Kuchen serviert.

Vergangenes aufleben lassen

Vieles aus den alten Zeiten will man in diesem Jahr wieder aufleben lassen, erklärt Winfried Ulrich, OK-Präsident seit 2011. Highlights wie das Flaschenfischen, für das Preise gebastelt wurden, das Werfen von selbst gestrickten Bällen auf Köpfe, Büchsenwerfen und anderes werden von den ursprünglichen Organisatoren zum Preis von anno dazumal angeboten – für nur 50 Rappen. Mit einem Eisenschmied aus Lüterkofen wird den Besuchern das alte Handwerk demonstriert und das Hagen-Glas-Team bläst Schluckenten, gefüllt mit Whisky. In der Dampfbar wird Kaffee wie früher üblich mit einer dampfbetriebenen Maschine erzeugt.

Was leider fehle, sei «das Redlet wie anno dazumal», erklärt Ulrich. Man habe einfach niemanden gefunden, der sich zur Durchführung bereit erklärt habe. «Eigentlich schade», meint Ella Witschi. Denn gerade das Redlet habe sich in der Vergangenheit grosser Beliebtheit erfreut. « Wir hatten jedes Jahr eine Familie aus Rüti ZH, die haben für Hunderte von Franken Lose gekauft und immer die besten Preise abgeräumt. Hatten sie jeweils das Gefühl, es gebe nichts Interessantes mehr zu gewinnen, sind sie wieder weggefahren.» Aber sie verstehe schon, dass sich jetzt niemand mehr um die Durchführung reisse, seit sie diesen Posten abgegeben hat: «Man muss schon früh damit beginnen, Preise einzukaufen. Wir haben früher immer nur nützliche Preise beschafft, die muss man dann auch irgendwo lagern können.»

Nebst dem «Althergebrachten» steht eine Gratis-Kletterwand an der Ländte, ein Show Mixer wird coole Drinks mixen und DJ Bruno sorgt am Abend für gute Stimmung auf der Ländti.

Familien- und Dampftag

Samstag ist Familientag: In der Ludothek können viele Spiele gespielt werden und es findet ein Cervelat-Bräteln für die ganze Familie statt. Samstag ist auch Dampftag: Am Bahnhof können Fahrten im nostalgischen Zug mit Dampflok gemacht werden, auf der Aare verkehren einige Dampfboote und Dampfschiffe, auf denen Fahrten gebucht werden können.