Projekt
Ältere Menschen erhalten Briefe von jüngerer Generation: Grenchnerin lanciert Aktion gegen Vereinsamung

Die Aktion «Ich schenke einen Brief» richtet sich an jedermann: Ältere Menschen in Alters- und Pflegeheimen erhalten von der jüngeren Generation Briefe mit persönlichen Gedanken, Zeichnungen, Gedichten oder Geschichten, um ihnen die schwierige Zeit zu erleichtern und ihnen eine Freude zu bereiten.

Oliver Menge
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Farah Rumy lanciert das Projekt "Ich schenke einen Brief" in Grenchen

Farah Rumy lanciert das Projekt "Ich schenke einen Brief" in Grenchen

Oliver Menge

Farah Rumy hat sich schon immer für Generationenprojekte interessiert. Als jemand, der seinen Background im Gesundheitswesen hat und bereits in diversen Bereichen gearbeitet hat, habe sie Gespräche mit älteren Menschen immer sehr geschätzt. «Diese Menschen haben ihr Leben lang gearbeitet und eigentlich die Grundvoraussetzungen für unser aller jetziges Leben geschaffen.»

Umso mehr sei sie betroffen gewesen, wie ihr manche dieser Menschen erzählt hätten, wie sie im Verlauf der aktuellen Coronapandemie manchmal regelmässig diskriminiert worden seien. Sei es auf der Strasse oder beim Einkaufen. «Dabei müssten wir doch eigentlich eher solidarisch sein.»

Eine spontane Idee wird jetzt rasch umgesetzt

Ihr sei selber auch während des Lockdown im letzten Frühling so richtig bewusst geworden, wie einsam die Menschen werden können, in Alters- und Pflegeheimen oder zu Hause, wenn sie auf Pflege angewiesen sind, sagt die 28-Jährige. «Die Angehörigen können oder dürfen sie nicht mehr besuchen und das Personal, das sein Allerbestes tut, um die Situation für die Klienten und Bewohner so angenehm wie möglich zu gestalten, hat nicht immer die zeitlichen Ressourcen, konstant Gesellschaft zu leisten.»

Eine Kollegin aus Zürich habe ihr von einem Projekt erzählt, das dort in Zusammenarbeit mit Institutionen erfolgreich durchgeführt wurde und den älteren Menschen unglaublich viel Freude gemacht habe. Und jetzt, da die Alters- und Pflegeheime erneut mit einem Besuchs- und Ausgangsverbot belegt worden sind, sei der ideale Zeitpunkt.

Brief, Zeichnung, Gedicht oder Kurzgeschichte

Also beschloss Farah Rumy, in Grenchen und Umgebung etwas Ähnliches zu lancieren. Ihre Idee: Menschen, die sich am Projekt beteiligen und etwas Gutes tun wollen, schreiben einen Brief, malen eine Zeichnung, verfassen ein Gedicht oder schreiben eine Kurzgeschichte. «Dabei ist es einem wirklich freigestellt, was man schreibt, Hauptsache man kann der älteren Generation zeigen, dass jemand an sie denkt.» Auch Kinderzeichnungen seien immer gerne gesehen.

Auf das frankierte Couvert wird nebst der Adresse der Institution nur gerade deutlich und gross der Vermerk «Ich schenke einen Brief» geschrieben, sodass man dort weiss, dass es sich um eine Zusendung im Rahmen dieses Projekts handelt.

In Zürich seien regelrechte Brieffreundschaften aus dem Projekt heraus entstanden, zwischen Menschen, die sich nicht gekannt hatten zuvor, sagt Farah Rumy. Und das Beste daran: es koste nur gerade das Porto, mehr nicht. Keine aufwendige Projektorganisation, keine Werbung, ausser der auf den sozialen Medien und Artikeln, wie diesem hier. Ein Selbstläufer sozusagen.

Jedermann kann sich hinsetzen und etwas schreiben oder malen, das Werk in ein Couvert packen, frankieren, adressieren und abschicken. So einfach ist es, Freude zu bereiten. «Ich möchte einfach auch die jüngere Generation dafür sensibilisieren, den älteren Menschen so ihre Wertschätzung zu zeigen.»

Sie nahm mit den Verantwortlichen der drei Institutionen Alterszentren Grenchen, Sunnepark und Baumgarten Bettlach und Selzach sowie dem Spitexverein Grenchen Kontakt auf und rannte förmlich offene Türen ein. Alle fanden die Idee gut und sind bereit, mitzumachen. «Genau das Richtige in der Weihnachtszeit und eine schöne Idee, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern etwas Gutes zu tun», meinte beispielsweise Sonja Leuenberger, die Leiterin der Alterszentren Grenchen. Sie werde die Briefe in die Aktivierung geben, wo sie den Gruppen vorgelesen und gezeigt werden. «Jetzt bin ich gespannt darauf, wie viele Briefe wir erhalten», sagt Leuenberger. Sie freue sich darauf, denn für die Bewohnerinnen und Bewohner sei die Situation alles andere als einfach.

Übrigens: Das Projekt macht Schule, bevor es gestartet ist: Das Leuenmatt in Bellach macht mit, vielleicht bald auch Solothurner Häuser? hofft Farah Rumy.

Nützliche Adressen

Alterszentrum am Weinberg, Däderizstrasse 106, 2540 Grenchen

Alterszentrum Kastels, Kastelsstrasse 31, 2540 Grenchen

Sunnepark, Wissbächlistrasse 48, 2540 Grenchen

Alterszentrum Baumgarten, Dorfplatz 3, 2544 Bettlach

Spitex Grenchen, Girardstrasse 17, 2540 Grenchen

Zentrum Leuenmatt, Allmendgasse 20, 4512 Bellach