Bereits Mitte Jahr soll die Bibliothek vom Schulhaus I in die Alte Turnhalle umziehen. Nur 100 Meter entfernt wird sie dort ungleich bessere Bedingungen vorfinden, als bisher. Doch bis es soweit ist, gibt es noch einiges zu tun. Das zeigt ein Augenschein auf der Baustelle an der Lindenstrasse.

Sie ist in zweifacher Hinsicht speziell. Zunächst kommt es wohl eher selten vor, dass eine Turnhalle zu einer Bibliothek umgebaut wird. Das geschieht hier. Und weil die Alte Turnhalle ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1906 ist, sind Architekt und Handwerker gefordert.

Angehängte Galerie

Mit dem Umbau beauftragt wurde Jürg Thommen vom Büro Kurt Stalder Architekten in Solothurn. Das Büro wurde gewählt aufgrund seiner Erfahrung mit denkmalgeschützten Bauten, wie Christian Egli von der städtischen Baudirektion erläutert.

Es kam denn auch gegenüber dem Vorprojekt zu bedeutenden Änderungen. Klar war, dass in die Kubatur der Turnhalle eine Galerie einzubauen ist. Diese ist aber jetzt in der Achse des Gebäudes gehalten und nicht mehr schräg, wie im Vorprojekt. Um die Stützen im Kellergeschoss nicht verstärken zu müssen und im Erdgeschoss stützenfrei und damit flexibel möblieren zu können, entschied sich der Architekt für eine «freischwebende» Galerie. Sie sieht auf den ersten Blick aus, wie an die hölzernen Dachbalken angehängt.

An der Mauer befestigt

Was natürlich nicht der Fall ist. «Die Metallkonstruktion ist mit je fünf Querträgern pro Seite in der Aussenmauer des Gebäudes verankert», erläutert Jürg Thommen. «Das bedingte eine genauere Untersuchung der Tragfähigkeit der Bruchsteinmauer». Die Galerie ist somit mittels einer Stahlkonstruktion (von Witschi Metall AG, Büren) in die Halle hineingehängt. Die Tragkonstruktion ist quasi um die Dachbalken herum gebaut, hebt sich farblich aber klar ab. «Alt und neu soll klar unterscheidbar sein», meint Architekt Jürg Thommen.

Darauf wurde der Boden aus Holz verlegt. Die Galerie ist rundum abgeschlossen mit fest eingebauten Bücherregalen (Fluri Holz AG, Bellach). Der Boden wird mit Teppichen belegt, die auch schallschluckende Funktion haben. Die Unterseite der Galerie ist zudem mit einer gelochten Schallschutzoberfläche ausgestaltet. «Messungen werden zeigen, ob noch weitere Massnahmen nötig sind», meint Egli.

Wandgemälde erhalten

Denkbar wären Segel oberhalb der Galerie, nicht hingegen an den Wänden. Denn die 13 Wandgemälde von Ferdinand Kaus mit Sujets aus der Sportwelt bleiben alle erhalten. Sie seien in einem recht guten Zustand und mussten lediglich für die Bauarbeiten abgedeckt werden. Farblich nimmt die Aussenseite der Galerie das Grau im unteren Bereich des Erdgeschosses auf. Wände, Decke und Gebälk bleiben in den Originalfarben, die auch der letzten Renovation von 1985 entsprechen.

Ein Lift wird eingebaut

Was gibts sonst noch? - Im Gebäude wird ein Lift eingebaut, der auch den Keller erschliesst und ein Behinderten WC. Weil keine Belüftungsanlage mehr nötig ist, gibt es im Obergeschoss Platz für Büro und Archiv. Die Bücherausleihe befindet sich im Parterre links neben dem Eingang.

Zeitplan und Kosten habe man im Griff, versichern Thommen und Egli. Es seien beim Umbau auch keine nennenswerten Schadstoffe zum Vorschein gekommen. Bewilligt wurde der Betrag von 1 Mio. Fr. Zwar seien die Reserven jetzt ausgeschöpft und gewisse Abstriche nötig geworden. So wird vorerst auf eine Bücher-Rückgabeklappe verzichtet, die eine Rückgabe auch ausserhalb der Öffnungszeiten erlauben würde. «Dies wäre unter Umständen ein Projekt für private Sponsoren», meint Thommen. Denn dass die Bibliothek mit ihrer neuen, attraktiven Heimbasis in Grenchen neuen Schub erhalten wird, hoffen sowohl Thommen wie auch Egli. Es sei auch angedacht, künftig vermehrt Events in der Bibliothek durchzuführen, weshalb sich Synergien mit dem Eventlokal im Untergeschoss aufdrängen würden.