Geschichte
Alte Holzfigur gesucht: Die Geschichte der Staader Eiche geht weiter

Die Staader Eiche existiert nicht mehr. Der Zahn der Zeit, die Witterung und die Zersetzung hatten ihr den Garaus gemacht. Und doch scheint es noch ein Überbleibsel zu geben.

Rainer W. Walter
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Roger und Lily Kuriger beobachten ihre Schwester, die kleine Irène, wie sie das Urtier aus Holz der Staader Eiche «füttert»

Roger und Lily Kuriger beobachten ihre Schwester, die kleine Irène, wie sie das Urtier aus Holz der Staader Eiche «füttert»

Zur Verfügung gestellt

Kürzlich berichteten wir an dieser Stelle von den drei arbeitslosen Männern, die mithilfe der Staader Bevölkerung im Jahr 1937 einen uralten mächtigen Eichenstamm aus der Aare gezogen hatten. Im Laufe der Zeit und von der Witterung beeinträchtigt, zerfiel die Sehenswürdigkeit bis 1970. Wir glaubten, nie mehr etwas von dieser Eiche erfahren zu können, bis vor einigen Tagen die Grenchnerin Iréne Steuri-Curiger mit einer Geschichte überraschte.

Geschnitzt von Anton Kuriger

Mit einer Geschichte, die ihren Ursprung der Staader Eiche verdankte. Und die geht so: Irène Steuris Vater, Anton Kuriger, war ein gelernter Holzbildhauer. Wir wissen, dass er beispielsweise für die römisch-katholische Pfarrkirche in Grenchen einen sogenannten Heiratsstuhl schnitzte.

Dieser Betstuhl wurde nur bei Hochzeiten und nur für das Hochzeitspaar verwendet und dürfte heute in der Kapelle Allerheiligen stehen. Von Anton Kuriger (er signierte seine Arbeiten stets mit dem ursprünglichen Familiennamen) dürften in Grenchen noch einige Holzbilder, Truhen und weitere Arbeiten vorhanden sein.

Eines Tages erhielt Anton Kuriger einen ganz besonderen Auftrag. Die Stadt beauftragte ihn, aus einem Stück der Staader Eiche ein Urtier zu schnitzen. Das tat Anton Kuriger dann auch. Es sei besonders hartes Holz gewesen, habe der Vater damals gesagt, weiss Irène Steuri zu berichten.

Als er seine Arbeit abgeschlossen hatte, liess er das Bildwerk vom Fotografen Müller ablichten, und zwar zusammen mit einer Truhe, die er zur gleichen Zeit im Auftrag des Käse- und Milchhändlers Oberli gebaut und mit Darstellungen von Bergen, Senn, Tieren und Alpenblumen kunstvoll verziert hatte. Nun bleibt die grosse Frage – wo befindet sich heute das «Urtier», geschnitzt von Anton Kuriger im Auftrag der Stadt aus Holz der berühmten, uralten Staader Eiche?

Wo ist das Urtier?

Auf unserem Bild, das uns Irène Steuri-Curiger zur Verfügung gestellt hat, sitzt die etwa fünfjährige Irène rechts auf der Truhe, die für Käsehändler Oberli bestimmt war, und füttert das Urtier. Sorgfältig achtete sie darauf, die Truhe nicht mit den Füssen zu berühren. Dabei wird sie von ihren Geschwistern Lily und Roger beobachtet. Die Truhe, eine Arbeit des Holzbildhauers Anton Kuriger, befindet sich noch immer im Besitz der Familie. Vom Urtier hingegen fehlt jede Spur.

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