«Ich hoffe ihr seid nicht enttäuscht», begrüsst alt Bundesrat Samuel Schmid die 140 Teilnehmer des dritten «Treff.Buechibärg». «Ihr werdet keinen Teufel sehen und auch keine Burg – sondern einen Erdhügel.» Gemeint ist die Tüfelsburg im Rütiwald.

Dorthin führen Schmid und Ueli Sieber, Betriebsleiter des Forstreviers unteres Bürenamt, die Erlebniswanderer. «Dieser Erdhügel hat vermutlich eine Bedeutung. Welche, kann ich Ihnen auch nicht sagen», erklärt Schmid. Er berichtet jedoch von verschiedensten Legenden, die sich um die Erdburg und ihren Ursprung ranken: «Eine Variante ist, dass die Tüfelsburg eine vorchristliche Kultstätte war.» Lange Zeit sei ein grosser Stein vor der Burg gelegen. «Möglicherweise war das ein Schalenstein für Opfergaben.»

Wozu die Erdwälle dienten, welche rund um die Burg angelegt sind, werde auch verschieden ausgelegt. Manche würden darin ein geozentrisches Planetensystem erkennen. «Eine andere Möglichkeit ist, dass die Tüfelsburg eine alemannische Fliehburg war.» Dann hätten die Erdaufschüttungen um die Burg als Schutzwälle gedient. Was diese Version fraglich mache, sei, dass die Burg keinen Zugang zum Wasser hat, so Schmid. «Da hätten sich die Schutzsuchenden bald ergeben müssen – aus Gefahr, zu verdursten.»

Attilas Grab im Rütiwald?

Sogar als Grab des Hunnenkönigs Attila werde die Tüfelsburg in einer weiteren Legende bezeichnet. Wirklich überzeugt ist Schmid von dieser Variante nicht. Sie mit Sicherheit abtun könne er jedoch nicht: «Immerhin sucht man das Grab seit 1700 Jahren», schmunzelt er.

Unklar ist auch, woher der Name der Tüfelsburg stammt. «Wenn die Anlage tatsächlich eine Kultstätte war, liesse sich der Name durch die Christianisierung der Gegend erklären», so Schmid. Eine andere Möglichkeit sei, dass der Geschlechtsname eines früheren Besitzers der Burg «Diebold» war. «Mit den Jahren könnte aus ‹Diebolds Burg› Teufelsburg entstanden sein.»

Noch mehr Legenden

«Die Tüfelsburg befindet sich mitten in einem weissen Loch auf der Bestandskarte der 1000 Hektaren Wald der Burggemeinde Rüti bei Büren », erklärt Ueli Sieber den Erlebniswanderern. «Das sind die 42 Hektaren Wald der Burggemeinde Solothurn, auf welchen sich auch die Tüfelsburg befindet.» Wie das Land mitten im Rütiwald in Solothurner Besitz kam? Eine Überlieferung besage, dass es einst einer Dame gehörte, welche im Alter Fürsorge von Solothurn erhielt. «Bei ihrem Tod habe sie den Wald und damit die Tüfelsburg Solothurn vermacht.» Ob diese Geschichte wahr sei, sei eben so unsicher wie alle übrigen Legenden über die Burg.

Vielleicht könne man in einigen Jahren mehr sagen: «Der Grenchner Elias Meier hat in seiner Maturaarbeit Forschungen betrieben zur Tüfelsburg und ähnlichen Anlagen in der Gegend», so Schmid. In Zusammenarbeit mit der ETH wolle er nun herausfinden, welche Gesetzmässigkeiten sich hinter Bau und Lage der Tüfelsburg verbergen. «Lassen wir die Legenden so lange weiter leben», empfiehlt Schmid. Denn vielleicht sei die Wahrheit ernüchternd im Vergleich zu den bunten Erzählungen.

Mit seinem «Treff.Buechibärg» will der Verein Pro Buechibärg «den Leuten den Bucheggberg näher bringen». Vorstandsmitglied Ulrich Stebler erklärt, weshalb der letzte diesjährige Treffpunkt in Rüti bei Büren stattfindet: «Wir schauen gerne etwas über die Grenzen des Buechibärgs hinaus.» Und auch hier seien – ganz im Sinne der Legenden um die Tüfelsburg – Interpretationen möglich: Aus geografischer Sicht könne Rüti zum Bucheggberg gezählt werden.

Am 15. August zeigt der Verein Pro Buechibärg den Film «Zum Beispiel Suberg». Der Regisseur Simon Baumann wird in den Film einführen. Treffpunkt ist der Zieglerhof in Brunnenthal. Um 19 Uhr öffnet die Küche, Filmstart ist um 21 Uhr. Weitere Informationen unter: www.buechibaerg.ch