Grenchen
Alpine Hundeführer müssen hart im Nehmen sein

Bei einem Vortrag im Eusebiushof stellte Wendel Odermatt die Arbeit als Rettungshundeführer vor. Hitze, Kälte und die bis zu 18 Kilo schwere Ausrüstung verlangen den Hundeführern alles ab. Hinzu kommt die psychische Belastung.

Nadine Schmid
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Wendel Odermatt mit seiner Hündin Cora bei der Demonstration. nsg

Wendel Odermatt mit seiner Hündin Cora bei der Demonstration. nsg

Es ist kein Zuckerschlecken, dies stellte Wendel Odermatt, Landwirt aus Wolfenschiessen (Nidwalden) und alpiner Rettungshundeführer beim Verein Alpine Rettungshundeführer Engelbergertal (ARHFE), gleich zu Beginn seines Vortrags klar.

Eingeladen waren er und seine Hündin Cora von der römisch-katholischen Pfarrei St. Eusebius Grenchen im Rahmen ihrer Erwachsenenbildung, die an jedem Vierten des Monats einen Anlass anbietet.

«Man rettet als Hundeführer Menschenleben, aber wer in diesem Beruf tätig ist, muss physisch und psychisch belastbar sein», führt Odermatt aus. Einsätze finden in Winterkälte und Sommerhitze statt und könnten mehrere Tage dauern.

Dazu komme die Ausrüstung, die bis zu achtzehn Kilo wiege, und die Tatsache, dass man nicht immer Erfolg hat. Odermatt: «Wir finden leider auch viele Vermisste, die bereits tot sind.»

Suche ist auch gefährlich

Die Ausgangssituation ist oft dieselbe: Jemand kommt nicht nach Hause, worauf die Rettungshundeführer eingeschaltet werden. Wenn jemand vermisst gemeldet wird, ist es meistens bereits gegen Abend oder nachts und damit dunkel. Im Winter hängt auch Nebel an den Berghängen. «Wenn möglich sollten mindestens zwei Hundeführer zusammen gehen», erläutert Odermatt. Nicht nur ist es langwieriger, allein ein Gebiet abzusuchen, oft kann es ebenfalls gefährlich sein.

Die Hunde übernehmen eine sehr wichtige Rolle und sind unverzichtbar. «Meine Cora riecht dreitausend Mal besser als ein Mensch», so Odermatt. Je länger die Nase, desto mehr könne ein Tier wahrnehmen. Die Rasse des Hundes spiele für diesen Beruf keine Rolle, es müsse sich lediglich um einen kräftigen Hund handeln.

Es ist Freiwilligenarbeit

Der Verein ARHFE deckt das Gebiet in der Innerschweiz ab. Ein grosses Einzugsgebiet. Momentan gibt es in diesem Verein nur sechs alpine Rettungshundeführer.

Wer auf diesem Metier arbeiten will, muss sich perfekt gegenüber dem Hund durchsetzen können und zusammen mit dem vierbeinigen Freund über Jahre hinweg geschult werden. Der Hund darf sich beispielsweise nicht fürchten, wenn er mit seinem Herrchen aus einem Helikopter heruntergelassen wird. Auf der anderen Seite muss der Hundeführer sportlich fit sein und über breites Wissen rund um den Berg verfügen.

Es ist Freiwilligenarbeit: Bezahlt werden die Einsätze und Teile der Ausrüstung. Odermatt, der ausserdem als Instruktor wirkt, wird als Ausbildner nicht entlohnt. Dazu kommt, dass ein Hundeleben mehr als zehntausend Franken kostet und auch das müsse man aus eigener Tasche bezahlen.

Cora gehorcht aufs Zeichen

Der Anlass bot viel Abwechslung: Odermatt zeigte seine Ausrüstungsgegenstände vor und beschrieb nach einer Einführung einen Lawinenunfall, der sich vor ein paar Jahren ereignete.

Anschliessend führte er zusammen mit seinem Labrador Cora auf der Wiese des Bezirksschulhauses bei strömendem Regen einige Kniffe vor. Dabei zeigte er dem zwanzigköpfigen Publikum, dass die fast dreijährige Hündin bereits auf ein Handzeichen hin gehorcht, und wie diese seinen versteckten Rucksack finden konnte.