Als Dr. Anton M. Meier am 28. Dezember 1968 zum Heimleiter gewählt wurde, betrat er kein unbekanntes Neuland: Der in Obergösgen heimatberechtigte und in Malters aufgewachsene Priester kam nach seiner Priesterweihe als Vikar nach Grenchen.

Eine seiner Aufgaben war es, den katholischen Kindern im Kinderheim die Beichte abzunehmen. Als er sein Amt als Heimleiter antrat, war er mit der ihm wartenden Aufgabe vertraut. Allerdings hatte er die Absicht, seine Habilitation zu schreiben, doch fügte er sich dem Befehl seiner Obern – was sich für das Kinderheim, eigentlich in besonderem Masse auch für Grenchen und dessen Ansehen als Ort der Institution sehr positiv erweisen sollte.

Anton M. Meier wurde 1968 zum Heimleiter gewählt.

Anton M. Meier wurde 1968 zum Heimleiter gewählt.

Weltoffene Ordensfrauen

Die wichtigen Chargen im Kinderheim wurden von Ordensfrauen besetzt. Im Nachblick auf die Ereignisse in der über hundertjährigen Geschichte erwiesen sich diese Frauen nicht nur als tüchtige Fachfrauen und versierte Kennerinnen in ihren Spezialgebieten, sie waren weltoffen und trugen die Umgestaltung des reinen Kinderheimes zu einem fachspezifischen und sehr leistungsfähigen heimpädagogischen Unternehmen im Erziehungswesen.

Zu jener Zeit wurde Silvio Crivelli Präsident des Heimvereins. Mit ihm zusammen begann der Heimleiter (er lehnte den Titel Direktor ab) die Umgestaltung des Heimes voranzutreiben. Das Kinderheim wurde zu einer Erziehungsinstitution für verhaltensauffällige Jugendliche. Dieser klare Orientierungswechsel hatte zur logischen Folge, dass das von Grund auf neue Heim auch in neuen Häusern wirken sollte.

Mit den umfangreichen Bauarbeiten wurde der Oltner Architekt Roland Wälchli beauftragt. Die Gesamtkosten für die Neubauten (Schulhaus und Gruppenhäuser) beliefen sich auf 22 Mio. Franken. Im Anschluss an diese Arbeiten wurden die zum Teil historischen Altbauten unter der Leitung des Grenchner Architekten Ernst Schreiber und seinem Partner Roland Staub renoviert. Hier bewegen sich die Investitionen auf rund 6,3 Mio. Franken.

Ausbau Schritt für Schritt

Einen weiteren Höhepunkt erlebte die Heimgemeinschaft, als am 14. April 1986 die Lehrlingsgruppe eröffnet werden konnte. 1994 erfolgte der Umzug der Gruppe in das Lehrlingsfoyer Ermitage an der Däderizstrasse in eine Liegenschaft, die durch die ‹Stiftung der Freunde des Kinderheims Bachtelen gekauft wurde. Hand in Hand mit dem äusseren Umbau des Kinderheims Bachtelen erfolgte auch der innere pädagogische Ausbau.

1972 beschloss der Regierungsrat, die kantonale Sprachheilschule im Kinderheim Bachtelen zu verwirklichen. 1974 wurde diese Spezialschule mit zehn Schülern eröffnet. Es folgte dann ein Sprachheilambulatorium im Kinderheim mit Aussenstationen in Grenchen, in Bettlach und in Selzach. 1972 wurde im Garten des offenen Hauses Breidenstein ein provisorischer Schulpavillon mit zwei Schulzimmern errichtet.

Die Lernheilschule erfuhr eine personelle und fachliche Ausweitung, der psychologische Dienst und die umfassende therapeutische Betreuung der Kinder wurden ausgebaut. 1974 wurde die renovierte Kapelle mit den Glasfenstern und dem Altargemälde von Peter Wullimann sowie den Holzarbeiten des Heimschreiners Paul Böhi durch Bischof Hänggi eingeweiht. Nach Bezug des neu erbauten Schulgebäudes erfolgte der weitere Ausbau der Sprachheilschule mit Kindergarten und fünf Klassenlehrerinnen und -lehrern. Die Lernheilschule wurde auf zehn Klassen ausgerichtet.

Diethelm leitet seit 1994

Im Mai 1987 trat Oskar Looser von seinem Amt als Präsident zurück. Vierzig Jahre lang diente er dem Kinderheim und dem Heimverein als Revisor, Finanzberater, Präsident der Baukommission für die Neubauten und schliesslich als Präsident. Als Nachfolger wurde Carlo Crivelli gewählt. Am 1. Dezember 1994 wählte der Vorstand des Heimvereins Dr. phil. Karl Diethelm zum Nachfolger von Dr. Anton M. Meier.

Im Kultur-Historischen Museum Grenchen ist zurzeit eine Ausstellung 125 Jahre Kinderheim Bachtelen, das 100 Jahre in Grenchen daheim ist, zu sehen.