Mitten in Lengnau, unweit des Bahnhofs, liegt die Firma Genge & Thoma AG. Sie entwickelt und produziert ein Objekt, das früher meist mit Computerspielen in Verbindung gebracht wurde. In der heutigen Arbeitswelt werden aber immer mehr Apparate, Einrichtungen und auch schweres Gerät mit Steuerknüppeln, sogenannten Joysticks gesteuert. Solche stellt Genge & Thoma her. Und weil es da um professionelle Anwendungen geht, sind die Qualitätsprodukte aus der Region weltweit gefragt.

Alles «im Griff»

«Joysticks oder Steuerknüppel werden heute für die unterschiedlichsten Anwendungen eingesetzt», erklärt Alex Grete, der das Unternehmen seit 2006 zusammen mit seiner Frau Yvonne besitzt und leitet. Die Mensch-Maschine-Schnittstellen ermöglichen die gleichzeitige Kontrolle mehrerer Achsen mit einer Hand und je nach Ausführung auch diverser Zusatzfunktionen.

Sei es die Steuerung eines Schiffes, eines Krans, eines Rollstuhls, eines Operationsroboters oder einer Erdölplattform: Intuitiver geht es eigentlich nicht, als mit dem Joystick. Sie existieren in unterschiedlich komplexen Ausführungen, je nach Anwendung.
«Jede Joystick-Serie, die wir herstellen, ist ein zusammen mit dem Kunden massgeschneidertes Produkt», erklärt Grete anlässlich eines Rundganges durch die Räume der Fabrik an der Bürenstrasse, wo inzwischen rund 30 Personen, darunter acht Ingenieure, beschäftigt werden.

Zulieferer auch im Inland

Hier werden die Joysticks entwickelt, montiert, kalibriert und getestet. Die Produktion der dafür benötigten Teile wird von Zulieferbetrieben übernommen, von denen Genge & Thoma eine ganze Menge braucht. «Wir kaufen kaum Standardteile, sondern lassen sie nach unseren Zeichnungen von unseren Zulieferern herstellen», erklärt Grete.

Etwa die Hälfte der Zulieferer sind im Ausland, die andere Hälfte in der Schweiz, auch in der Region Grenchen. «Ich bin immer wieder positiv überrascht, wie konkurrenzfähig die Schweizer Zulieferer sind», so der Geschäftsinhaber. In Lengnau entsteht aus der Fülle der Teile durch das entsprechende Know-how ein Präzisionsprodukt für die tägliche Anwendung.

Entwickeln statt produzieren

Heute wird die Technologie weltweit eingesetzt und massenproduziert, was für ein Schweizer KMU nicht interessant ist, beziehungsweise für die Mikrochip-Fertigung hunderte Millionen an Investitionen erfordern würde. Genge und Thoma habe sich in der Folge auf komplexe und hochwertige Produkte spezialisiert, erläutert Grete weiter. Man habe sich von einem Fertigungsbetrieb zu einem Entwicklungs- und Montagebetrieb gewandelt und vom Sensorhersteller zum «Sensor-Integrator.» «Wir haben rund 800 Endprodukte für die unterschiedlichsten Anwendungen», erklärt der Firmenchef, der selber unter anderem studierter Elektroingenieur ist und vor 2006 in einem Schliesstechnik-Konzern gearbeitet hat.

In den heutigen Anwendungen gehe es in erster Linie darum, den Joystick intelligenter zu machen, durch Einbau von Schnittstellen, Sicherheitsfeatures und durch Feedback- Elemente.
Ein Thema ist je nach Produktionszahlen auch die rationelle Fertigung. So wird in Lengnau in diesen Tagen erstmals eine Produktionslinie in Betrieb genommen, in der nach dem Zusammenbau die Kalibrierung und Qualitätskontrolle im gleichen Arbeitsschritt erfolgt. Letztere beansprucht nämlich je nach Produkt mehrere Minuten. All das erfolgt in einer moderaten Reinraum-Atmosphäre.

30 Jahre dabei

In der Entwicklungsabteilung im Dachgeschoss treffen wir Franco De Martin. Der Chefentwickler konnte diese Woche das 30-Jahre-Jubiläum bei der Firma feiern. Am CAD-Bildschirm entwirft er gerade eine neue Generation von Joysticks, die auf Erdöl-Bohrplattformen eingesetzt werden. «Wir machen zuerst ein Formenmodell aus dem 3D-Drucker» erläutert er den aktuellen Arbeitsgang. Diese Technologie ist aus dem Prototypenbau schon nicht mehr wegzudenken. Im gleichen Labor werden auch die Produkte durch die Qualitätssicherung malträtiert. Eingespannt in Apparaturen werden die Joysticks über Millionen Zyklen beansprucht und die Abnützung protokolliert. Werden Fehler entdeckt, gibts Saures für die Zulieferer oder das eigene Team.

97 Prozent Export

Sei es für die Fernbedienung einer Rangierlok, die Steuerung einer Landwirtschaftsmaschine, eines Schneemobils oder einer Luxusjacht: 97 Prozent der in Lengnau gefertigten Joysticks werden ins Ausland exportiert. Davon sei Europa der wichtigste Markt, gefolgt von den USA und China. In Arizona habe man kürzlich auch eine Zweigniederlassung eröffnen können. Bei der angekündigten Re-Industrialisierung des Landes könnte auch für die Lengnauer etwas abfallen.

Die Exportabhängigkeit ist aber nicht nur ein Segen, gar nicht zu sprechen vom Frankenkurs. «Während wir in der Schweiz unter der schlechten Zahlungsmoral der Kunden (sic!) leiden, machen uns beim Export oft die Zollformalitäten zu schaffen», erklärt Alex Grete. Der Papierkrieg bei den Zolldeklarationen sei nicht zu unterschätzen. «Und er ist wachsend, trotz der unzähligen Freihandelsabkommen.»

Für die Entwicklung, Produktion, Kontrolle und Verschiffung von rund 250 000 Produkten pro Jahr ist die Liegenschaft allmählich eng. «Wir halten die Augen offen nach einem neuen Standort», verrät Grete, wobei man aber in der Region bleiben wolle, wie er betont.