In der Einfahrt vor dem Haus von Rudolf Feller hängt ein weisser Bolide an einem dicken Kabel. Hier steht der einzige, in Grenchen eingelöste Tesla, "Model S 85".

Sein erstes Auto sei ein sahara-brauner VW-Käfer gewesen, mit dem er nach Biel zur Schule gefahren sei, erzählt der 66-jährige Grenchner. Später habe er sich mit dem ersten Lohn einen Occasion-Porsche gekauft. «Aber das Vergnügen dauerte nur gerade ein halbes Jahr. Dann gab es einen Motorenschaden und ich hätte für den Ersatzmotor etwa so viel bezahlen müssen, wie vorher für das ganze Auto.»

Rudolf Feller – mittlerweile verheiratet und Vater von vier Kindern – hegte ein paar Jahre später den Wunsch, sich wieder ein schnittiges Auto zu kaufen. «Mein Traum wäre ein Triumph Spitfire gewesen. Aber meine Frau machte der Idee mit einer einzigen Frage ein Ende: ‹Und wohin willst Du die Kinder setzen?›». Also kamen danach in erster Linie familientaugliche Fahrzeuge zum Einsatz, meist Amerikaner mit viel Platz.

Inzwischen sind die Kinder ausgeflogen und Feller im Pensionsalter. Zeit, sich Träume zu verwirklichen und Ideen in die Tat umzusetzen.

Ökologisch und nachhaltig

Im letzten Jahrzehnt liess Feller sein Haus mit Solarpanels ausrüsten. Und auch auf das neue Firmengebäude der Feller Pivotages an der Lebernstrasse wurde eine Solaranlage montiert, noch bevor er die Firma an seine Nachfolger übergab. Gewärmt wird Fellers Haus oberhalb der Stadt mit einer Erdsondenheizung. «Mir schien die Idee der Selbstversorgung und der Unabhängigkeit schon immer sehr interessant.»

Überhaupt interessiere er sich sehr für den technologischen Fortschritt. «Allerdings gehört meine Solaranlage noch zu einer älteren Generation: Ich speise den Strom ins Netz ein und beziehe ihn auch wieder aus dem Netz. Die Investitionen für eine Anlage, mit der ich mich selber versorgen könnte, sind noch zu hoch. Aber die Preise fallen.» Wenn er schon fast 90 000 kw/h Strom selber produziere, habe sich auch irgendwann der Kauf eines Elektrofahrzeugs aufgedrängt.

Entschieden hat er sich zunächst für einen Elektro-Smart. «Damit kann ich nach Solothurn fahren, finde überall einen Platz und habe mit 100 Kilometern genügend Reichweite.» Dann kam Elon Musk, der bereits Paypal, die Weltraumfirma SpaceX und neu Tesla gegründet hatte. «Ein richtiger Zukunftsmensch. Der baut etwas auf, und wenns läuft, interessiert es ihn nicht mehr und er verkauft’s.»

Kauf übers Internet

Den Tesla habe er dann vor etwas mehr als drei Jahren übers Internet bestellt, so Feller. «Eine spannende Sache: Irgendwann habe ich die Anzahlung von 2000 Franken geleistet, dann wurde ich kontaktiert, der Wagen sei jetzt fertig, ob ich ihn immer noch haben wolle und ob die Farbe okay sei.» Dann habe er online verfolgen können, wo sich der Wagen grade befand, vom Schiff über den Atlantik über den Transport auf dem Landweg, bis er in Safenwil ausgeliefert wurde.

Er habe sich anfangs richtiggehend auf Neuland begeben, wenn er mit dem Tesla unterwegs gewesen sei, so Feller. «Man musste schon vor der Fahrt abwägen, ob es für Hin- und Zurück reicht.» Und hatte man in Egerkingen noch 10% Batterieleistung für die Heimfahrt nach Grenchen, sei er doch manchmal etwas kribbelig geworden. «Damals gab es erst eine einzige Schnell-Ladestation in der Schweiz. Die angegebenen 500 Kilometer Reichweite erreicht man vielleicht im flachen und warmen Kalifornien, aber nicht hier.»

Und doch kommt er so um die 380 Kilometer weit, im Winter etwas weniger. «Mittlerweile ist die Elektronik so schlau und das GPS so gut, dass auf dem Bildschirm, dem eigentlichen Armaturenbrett, schon zu Beginn der Reise alle Schnellladestationen auf dem Weg aufgezeigt werden und der Bordcomputer mir eine ideale Route unter Berücksichtigung aller Faktoren und sogar meines Fahrstils berechnet. Den hat er sich nämlich gemerkt.»

Rund 20 Updates der Bordelektronik habe es schon gegeben, seit er den Tesla besitzt. Alle komplett automatisch irgendwann in der Nacht installiert. «Das ist echt spannend: Plötzlich sieht der Tacho anders aus, moderner und übersichtlicher. Aber auch andere Dinge: So wurde eine Berganfahrhilfe softwaremässig installiert. Alles am Tesla ist sehr futuristisch – aber das ist die Zukunft.»

Noch kein Autopilot

Feller hat die erste Version des Model S, noch ohne Allradantrieb, ohne Kameras und folglich auch ohne Autopilot. Tesla war ja vor kurzer Zeit in die Schlagzeilen geraten, weil es damit einen tödlichen Unfall gab. «Alle anderen Autohersteller sind auch dabei, solche Selbstfahrsysteme in ihre Fahrzeuge einzubauen. Das ist die Zukunft und in ein paar Jahren auch wirklich ausgereift. Aber: die Software und Hardware wird ja wahrscheinlich von einem Anbieter entwickelt und vertrieben, bei dem alle, ob Peugeot, Nissan, BMW oder Tesla, das System beziehen.»

Der hohe Preis – über 100 000 Franken – für das Auto sei gerechtfertigt. Denn auf alles gelten acht Jahre Garantie, ausser auf den Reifen. Und «tanken» könne er theoretisch immer gratis, denn für den Strom an den Tesla-Schnellladestationen bezahlt man nichts. Innerhalb von 20 Minuten ist der Tesla zu Dreiviertel aufgeladen. Zu Hause dauert der komplette Ladevorgang an einer herkömmlichen Steckdose rund sieben Stunden.

Lautloses Schweben

«Ans Fahrgefühl ohne Motorengeräusch habe ich mich schnell gewöhnt. Man schwebt richtiggehend», so Rudolf Feller. Und was den Tesla besonders reizvoll mache, sei die durchgehende Beschleunigung des Wagens: in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h sei er noch nie gefahren. «Das ist sehr, sehr schnell. Selbst wenn das auf deutschen Autobahnen erlaubt ist: Wenn da plötzlich einer rausfährt, wenn man mit dem Tempo daherkommt ... Ich weiss nicht, ob ich das noch im Griff hätte.»

Etwas vom Schlauesten, was der Tesla mit sich bringe, sei die Rückgewinnung von Energie. Der 2,5 Tonnen schwere Wagen produziert abwärts Strom, mit dem die Batterien aufgeladen werden. «Wenn ich auf den Grenchenberg hochfahre und wieder runter, habe ich etwa gleichviel Strom verbraucht, wie wenn ich im Flachen 3-4 Kilometer weit gefahren bin. Tatsächlich waren es aber 20.» Schwieriger wird es bei den «normalen» Fahrten. Denn im Prinzip bestimmt man mit dem Gaspedal nicht nur das Tempo, sondern auch das Abbremsen. Und sobald abgebremst wird, wird auch Strom produziert. Allerdings nur dann, wenn die Batterien nicht zu 100% geladen sind. Dann fällt das Abbremsen durch die Elektromotoren nämlich weg. «Daran musste ich mich zuerst gewöhnen.»