Stadtbummel Grenchen

Ach Du schöne, neue Welt

Mit DAB+ will die Radio-Branche in Zukunft überleben.

Mit DAB+ will die Radio-Branche in Zukunft überleben.

Über den K(r)ampf mit neuen Technologien, die einem das Leben alles andere als einfacher machen.

Haben Sie zu Hause auch noch ein ganz normales Radio, das Ihre Lieblingssender per UKW empfängt? Beispielsweise einen Radiowecker, der Sie pünktlich jeden Morgen mit Musik weckt? Oder ein kleines Radio, das mit Batterie betrieben wird und das als ständiger Begleiter auf Reisen mit dabei ist? Oder eine klassische Stereoanlage mit Tuner und gigantischen Boxen, die nicht am Internet-Kabel hängt?

Zeit, sich davon zu verabschieden! Laut einer internen Mitteilung an ihre Mitarbeitenden will die SRG alle UKW-Sender für immer abstellen, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Und zwar nicht, wie im Mai kommuniziert, per Ende 2024, nein, schon zwei Jahre früher. Am 1. August 2022 werden diese «alten» Radios nur noch Rauschen produzieren. Sechs Monate später werden auch die Frequenzen für Privatsender eingestellt. Radiohören in der Schweiz wird dann nur noch digital möglich sein – übers Internet oder über DAB+, was die Anschaffung neuer Geräte erfordert, die den digitalen Radioempfang ermöglichen.

 Laut dem Pressebericht spart die SRG dadurch jährlich 15 Millionen Franken ein. Nicht so die Kunden, von denen immerhin noch 36% Radio über UKW hören. Nur 33% der Sendeminuten werden über DAB+ und 31% übers Internet empfangen. Die 36% werden sich ein neues, DAB+-taugliches Gerät kaufen müssen. Ich zum Beispiel werde mich nach einem neuen Auto umsehen müssen, da eine Um- oder Aufrüstung der komplett integrierten und vollverbauten Audioanlage nicht möglich ist. So wie mir wird es wohl noch vielen gehen.

 Oder ich höre einfach nicht mehr Radio, so wie die Norweger, wo die Hörerzahlen innerhalb eines Jahres nach der Umstellung auf DAB+ – Norwegen ist bislang das einzige Land, das komplett auf UKW verzichtet – um mehr als ein Drittel abgestürzt sind.

 Alljährlich werden in der Schweiz sämtliche Sirenen getestet. In einem Ernstfall, also wenn die Sirene ausserplanmässig losgeht, soll man das Radio einschalten und den Anweisungen folgen. Wir leben in unruhigen Zeiten. Nicht nur der Klimawandel könnte mehr Naturkatastrophen nach sich ziehen als bisher. Auf der weltpolitischen Bühne tummeln sich eine ganze Reihe von narzisstischen Wichtigtuern, die darum buhlen, den «grössten Knopf» für den Big Bang zu haben. Die «ännet em Teich» können uns schon jetzt das GPS abschalten, mit dem Internet hätten sie leichtes Spiel. Und weil alles miteinander vernetzt ist, werden auch DAB+ und andere moderne Technologien immer wie verwundbarer. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Sirene losgeht und Sie das Radio einschalten – falls Sie noch Strom haben – und nichts aus dem Gerät kommt als Stille. Denn DAB+ rauscht nicht.

 Aber vielleicht könnte man ja die Stadtverwaltung dazu bringen, einen der ausrangierten UKW-Sender günstig zu erwerben? Grenchen ist ja immer gut für verrückte Ideen. Dann könnte Radiomacher Daniel Wisi Wisard lokal über UKW gute Musik zur Hörerschaft bringen und darüber informieren, wenn irgendwo der Blitz einschlägt, statt übers Internet wie jetzt. Das wäre echter Fortschritt und würde für positive Schlagzeilen sorgen.

Und ich müsste kein DAB+-taugliches Auto kaufen.

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