Nachruf
Abschied von einer prägenden Persönlichkeit: Die Kunst war Toni Brechbühls grosse Passion

Der Grenchner Kulturvermittler Toni Brechbühl ist im 99. Lebensjahr verstorben. Ein Nachruf.

Thomas Schärli
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Toni Brechbühl anlässlich seines 90. Geburtstags
13 Bilder
Toni Brechbühl im Künstlerarchiv Grenchen
Toni Brechbühl an der Vernissage zur Ausstellung des Künstlers Walter Peter in der Kunstvitrine Grenchen
Toni Brechbühl vor Bildern des Turnvereins Grenchen
Stadtpräsident Boris Banga übergibt an dieser Vernissage alte Postkarten von Grenchen an Toni Brechbühl.
Toni Brechbühl am Einweihungsfest der renovierten Kapelle Allerheiligen im 2001
Toni Brechbühl (mitte) und Jürg Rüegsegger (rechts) und Peter Straumann 2010 im Künstlerarchiv Grenchen
Toni Brechbühl im von ihm mitbegründeten Künstlerarchiv Grenchen an der Wiesenstrasse.
Toni Brechbühl zeigt Fotografien von Arthur Girard in seinem Atelier, dort, wo heute das Kunsthaus steht.
Toni Brechbühl war Gründungsmitglied der Triennale
Toni Brechbühl mit einem Bild von Max Kohler
Toni Brechbühl an einem Podium im Kunsthaus Grenchen. Eva Inversini, Joseph Marti, Toni Brechbühl und Hanspeter Rentsch im Gespräch.
2002 erhielt Toni Brechbühl den «Chappeli Tüfel». Hier ist er mit Peter Messerli zu sehen, der das Komitee leitet.

Toni Brechbühl anlässlich seines 90. Geburtstags

Patrick Furrer

Kunst in Grenchen hat einen Namen: Toni Brechbühl. Nun ist die Person verstorben, ein reiches Lebenswerk bleibt aber. Der Kulturvermittler Toni Brechbühl hat diese Welt nach einem kurzen Spitalaufenthalt in den Morgenstunden des Sonntags, 18. November, in seinem 99. Lebensjahr verlassen. Es gilt von einer prägenden Persönlichkeit, einem lieben Freund Abschied zu nehmen.

Es ist traurig, kann Toni Brechbühl nicht mehr dabei sein, wenn sein «Künstler Archiv Grenchen», seine immense Kunst- und Kulturgütersammlung, an einem neuen Ort im nächsten Jahr eröffnet werden kann. Trost ist aber: Er hat erst vor anderthalb Monaten noch nach einer Vorstandssitzung (!) abends um 21 Uhr die neuen Lokalitäten in der ehemaligen und nicht mehr genutzten Zivilschutzanlage beim Werkhof besuchen und einen ersten Eindruck gewinnen können.

Das Künstler Archiv war ihm eine Herzensangelegenheit; Ja, es war ihm seine zweite Heimat. Wie strahlte er, als in diesem Frühjahr klar wurde, dass zusammen mit der Stadt eine Lösung zum Weiterbestand dieser Fundgrube an regionalen Kulturgütern gefunden wurde, nachdem die bisherigen Räumlichkeiten wegen einer Neunutzung gekündet worden waren.

Stets im Dienst der Kunst

Seine Sammlung «Künstler Archiv» ist aber nur ein Teil eines langen, reichen und erfüllten Lebens ganz im Dienste der Kunst. Die Erwähnung einzelner Stationen kann hier nur lückenhaft und unvollständig sein. Die Erinnerung jedes Einzelnen, der ihn kannte, wird diese Lücken aber immer wieder aufs Neue füllen.

Toni Brechbühl führte während über 40 Jahren erfolgreich Galerien in Grenchen, in Solothurn, Biel, organisierte parallel dazu Ausstellungen in Paris, Berlin, Düsseldorf, Heidelberg oder Sélestat, in Stuttgart, Wien und nahm regelmässig an europäischen Kunstmessen teil.
Das war quasi das Fundament, auf dem er in Grenchen ein breites kulturelles Leben mitaufbauen half und prägte. Er gehörte zu den Initianten der 1958 gegründeten Internationalen Triennale für Druckgrafik und stand dieser gleich auch mehrmals als Präsident des Organisationskomitees vor. Er war die treibende Kraft bei der Gründung der Gesellschaft für ein Kunstmuseum, der späteren Kunstgesellschaft. Und als das Kunsthaus nach langer Zeit realisiert war, hiess der erste Kustos – natürlich – Toni Brechbühl.

Locker gesagt, so nebenbei wirkte er im Vorstand des Kleintheatervereins mit, half bei der Literarischen Gesellschaft und rief 1987 auch den «Chappelitüfel» ins Leben. Und: Selbstverständlich war er lange Jahre Mitglied im Kantonalen Kuratorium für Kulturförderung. Verschiedene Auszeichnungen als Kulturvermittler durch die Stadt Grenchen und den Kanton Solothurn (zum 95. Geburtstag Anerkennungspreis fürs Lebenswerk) sind die äusseren Zeichen von Wertschätzung für sein breites Engagement.

Der herzliche Gastgeber

Das ist der Organisator, der Kunstbesessene, der Umtriebige. Dann gab es da aber auch noch, nicht minder wichtig in seinem Leben, die Gastgeberfamilie Brechbühl. Nicht nur, dass viele Künstler immer wieder bei Brechbühls logieren konnten, zum Teil gar während Wochen, nein, Toni Brechbühls Ehefrau Claire führte während der Triennale zum Beispiel gleich noch eine Cafeteria. Natürlich ein beliebter Treffpunkt.

Bei Toni, dem Geselligen, traf man sich stets gerne. Auch die Künstlerinnen und Künstler. «Er ist très gentil, ich habe ihn immer comme un père erlebt», charakterisierte ihn der Elsässer Künstler Daniel Dyminski. Toni Brechbühl trat stets für die Künstler ein; er war ein guter Zuhörer, liebte ihre Geschichten, diskutierte gerne – nur am Telefon war er knapp angebunden. Alles auch nur annähernd Unpersönliche, Indirekte war nicht sein Ding.
Deshalb soll hier zum Schluss, stellvertretend für alle, die Toni Brechbühl kennenlernen durften, ihm auch ein persönliches «Danke Toni!» nachgerufen werden.

Stimmen zum Tod von Toni Brechbühl

Grenchen verliert eine grosse Persönlichkeit, die massgeblich prägend für das kulturelle Leben in der Stadt war», sagt Stadtpräsident François Scheidegger. Toni Brechbühl habe durch seine Tätigkeit als Sammler und Galerist viel für das regionale Kunstschaffen getan und die Stadt Grenchen habe nicht zuletzt auch ihm den Stellenwert innerhalb der schweizerischen Kunstszene zu verdanken.

André Weyermann, Präsident der Kulturkommission: «Die Verdienste von Toni Brechbühl für das kulturelle Leben in Grenchen können nicht genügend gewürdigt werden: ‹Wo es in Grenchen nach Kunst stinkt, da steckt Brechbühl drin›, drückte es einst Peter Travaglini aus. Tatsächlich war der Galerist und Kunstvermittler bei den meisten Projekten, die Grenchen ausmachen, mitbeteiligt. Als blutjunger Journalist machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit Toni Brechbühl, der damals schon 60 Lenze zählte, sich aber einen jugendlichen Elan bewahrt hatte. In Erinnerung werden mir immer sein untrügliches Gespür für Kunst, die Bestand hat, bleiben. Dafür brauchte der Autodidakt aus einfachen Verhältnissen keine akademische Ausbildung. Er mochte einfach seine Künstler, war für sie da, setzte sich für sie ein. Seine gutmütige Bescheidenheit zeichnete ihn ebenso aus wie seine Gastfreundschaft. In seinen diversen Galerien wurde nie eine Kehle trocken, sie waren Treffpunkt für Künstler ebenso wie für interessierte Laien, Freundschaften fürs Leben wurden geschlossen. Man wird Toni Brechbühl, der wohl unzählige Male die Gemeinde durchschritten hat, im Stadtbild vermissen. Sein Vermächtnis jedoch wird noch Generationen erfreuen, nicht nur in Grenchen.

Anna Messerli, Kulturvermittlerin und ehemalige Leiterin des Amtes für Kultur sowie ehem. Präsidentin des Vereins Künstlerarchiv: «Er war eine wichtige Persönlichkeit für die Stadt. Ich kenne Toni seit seiner Zeit als Kurator des Kunsthauses, wo eine sehr familiäre Atmosphäre herrschte. Die regelmässigen Apéros in seiner Galerie an der Kirchstrasse, an denen sich Künstler oft Streitgespräche lieferten, bleiben mir in bester Erinnerung. Toni stritt nie mit, sondern hörte zu und schmunzelte bloss. Toni Brechbühl war stets der stille Schaffer im Hintergrund. Er war bis vor wenigen Jahren auch praktisch täglich in ‹seinem› Künstlerarchiv anzutreffen – Kunst war sein Leben». (om)