Fährt man an einem der Tage durch die Grenchner Quartiere, an denen der Kehricht entsorgt wird, findet man ab und zu grössere Gegenstände und Möbel, wie kaputte Sofas, die von ihren Besitzern rausgestellt wurden, damit sie die Müllabfuhr mitnehme. Meist kleben keine Sperrgutvignetten daran und oft liegt noch zusätzlicher Müll darum herum oder darauf, weder in den vorgeschriebenen und kostenpflichtigen Kebag-Säcken noch mit Gebührenmarken versehen.

«Eine Sofa-DNA können wir leider nicht ermitteln», sagt Jakob Bräker, Verantwortlicher für die Administration des Werkhofs und der Kehrichtabfuhr. Aber grundsätzlich möchte man doch diese Abfallsünder ausfindig machen und ihnen dann die Rechnung stellen: 100 Franken mindestens für die Entsorgung und zusätzlich die Kebag-Gebühr, also den Preis für die nicht aufgeklebte Sperrgutvignette.

Für Bräker ist das Verhalten dieser Illegal-Entsorger ziemlich unverständlich. Denn im Werkhof gibt es die Multi-Sammelstelle, bei der jeder Grenchner alles hinbringen kann und zwar – ausser Kehricht, Sperrgut und grösseren Mengen Bauschutt – alles gratis. «Unsere Multi-Sammelstelle ist schweizweit an der Spitze», ist Bräker überzeugt. An fünf Tagen die Woche und sogar einmal am Samstag können hier Dinge gratis entsorgt werden, für die man in anderen Städten unter Umständen schon tief in die Tasche greifen muss.

Und doch ist gerade rund um den Glascontainer unmittelbar vor dem Werkhofeingang öfters das grösste «Puff» anzutreffen. «Manche Leute sind sogar zu faul, in den Werkhof hineinzufahren, also laden sie ihren Müll gleich dort ab», erzählt Bräker. Und das nicht nur nachts, sogar tagsüber, wenn die Multi-Sammelstelle eigentlich geöffnet wäre.

Neuralgische Punkte in der Stadt

Auch sonst gibt es ein paar neuralgische Punkte in der Stadt, etwa an der Viaduktstrasse oder im Lingerizquartier, an denen öfters mal Zeugs rausgestellt werde, das dort nichts verloren hat – zumindest nicht ohne die entsprechende Gebührenmarke. Ebenfalls «beliebte» Abladestationen sind die Kleidercontainer diverser Hilfsorganisationen, wie der beim Denner beim Monbijou-Kreisel. Und da festzustellen, wer die ursprünglichen Besitzer sind, sei meist unmöglich, so Bräker. «In Grenchen gibt es keine ‹Abfall-Detektive› wie in anderen Städten, zum Beispiel in Biel.»

Tatsächlich fahren dort mehrere Mitarbeiter der Stadt mit einem kleinen Lieferwagen herum und sammeln die Abfallsäcke ein, die nicht am richtigen Tag oder zur richtigen Zeit rausgestellt wurden. Der Müll wird auf Adressen hin untersucht und die «Sünder» erhalten nach einer erstmaligen Verwarnung dann bald einmal empfindlich hohe Bussen.

«Auch in Grenchen versuchen wir herauszufinden, wer den Abfall rausgestellt hat, ohne seine Gebühren zu bezahlen, nur fehlen uns die personellen Ressourcen für eine systematische Detektivarbeit, auch wenn manchmal Handlungsbedarf bestünde. Unsere Mitarbeiter schauen in der Regel kurz nach, ob sich ein Hinweis auf den Verursacher in seinem Kehricht befindet, eine Adresse oder dergleichen. Bei Sofas oder ähnlichen grossen Gegenständen lassen sich meist keine Rückschlüsse ziehen.» Also lässt man die sperrigen Teile erst einmal stehen. Und spätestens ein paar Tage später müssen sie dann doch eingesammelt werden. Wirklich teuer käme es nicht, ein Sofa für die Entsorgung richtig zu «frankieren»: Pro Sitzplatz ist lediglich eine Sperrgutmarke à Fr. 2.65 nötig.

Weniger Probleme wegen Tieren

Auch zu früh oder am falschen Tag herausgestellte Kehrichtsäcke sind ärgerlich, insbesondere darum, weil sich nachts Tiere darüber hermachen, die auf der Suche nach Nahrung die Säcke aufreissen und den Inhalt weiträumig verteilen. «Das Problem ist zwar nicht mehr so schlimm wie vor ein paar Jahren, da die Anzahl der Füchse in letzter Zeit markant abgenommen hat. Aber es gibt auch ziemlich viele Dachse auf dem Stadtgebiet, die genauso die Säcke zerreissen können», erklärt Bräker.

Im Stadtzentrum stellten Ladenbesitzer ihre Säcke oftmals auch schon am Freitagabend raus, wo sie dann das ganze Wochenende lang vor sich hin stinken und erst am Montag abgeholt würden. «Eigentlich war die Abmachung, dass die Kehrichtabfuhr erst am Montagnachmittag die Säcke abholt, damit Ladenbesitzer, die am Montagmorgen geschlossen haben, den Müll noch am selben Tag rausstellen können, aber das scheint auch nicht überall zu klappen.

Abhilfe verspricht sich Bräker von schwarzen Plastikcontainern mit 240 Liter Fassungsvermögen, analog der grünen Plastikcontainer, in denen das Grünzeug entsorgt werden kann. «Diese Container stellen eigentlich kein Problem dar, wenn sie etwas früher rausgestellt werden.» Das ist zwar im Gegensatz zum Grünabfall kostenpflichtig, die Preise sind aber verhältnismässig günstig (siehe Kasten). Auf Bestellung kommt die Kehrichtabfuhr nicht, erklärt Bräker. Bei Wohnungsräumungen oder Ähnlichem kämen andere Institutionen zum Zug, die man privat buchen könne.