Ufaufäu gehe ich niemals ins Altersheim. «Uf ke Fau». So tönt es, wenn man mit so manchen älteren Menschen spricht am allermeisten. Für die Jungen ist das Denken ans Älterwerden sowieso kein Thema und das ist auch gut so. Aber wie mein Vater jeweils zu sagen pflegte, «mit zunehmendem Alter kommen die Einschusslöcher näher» und ob man will oder nicht, irgendeinmal sehen sich alle gezwungen, über die allerletzte Wohnstation Altersheim doch zumindest nachzudenken. Am liebsten möchte jeder so lange wie irgend möglich in seinem gewohnten Umfeld bleiben, umgeben von allen über die Jahrzehnte liebgewordenen Gegenständen. Die Umgebung, die Sicherheit und Vertrautheit vermittelt, die eigene Wohnung, in der Stolpferfallen praktisch ausgeschlossen scheinen. Und wenn alles schwieriger wird, so kommt die Spitex und schaut zum Rechten. Und wenn man nicht mehr kochen mag, seinen Haushalt im Griff hat, kann man auf den Mahlzeitendienst zählen und gilt es einen Termin wahrzunehmen, gibt es Rotkreuzfahrten, die dies ermöglichen.

In Grenchen sind alle diese Dienstleistungen nicht nur möglich, sondern werden dankbar in Anspruch genommen. Ein Kränzlein, nein einen grossen Kranz möchte ich allen in diesen Institutionen tätigen Menschen winden. Ein Kranz allein reicht nicht, eine Schleife dazu auch nicht, denn was am Allerwichtigsten ist, alle jene, die alten Menschen ihren Alltag leichter machen, sie pflegen und umsorgen, die sich die sehr bemessene Zeit nehmen für einen kleinen Schwatz mit den Betagten, haben auch eine angemessene Bezahlung mehr als nur verdient.

Wenn ein Angehöriger im Altersheim lebt, bekommt man als Besucher mehr als nur einen kleinen Einblick in den Alltag der Bewohner. Das eigene Älterwerden wird konkreter und bei so manchem Besuch erlebt man Eindrückliches und Bewegendes, Trauriges und Fröhliches. Ich durfte an einer Weihnachtsfeier teilnehmen, die mir in unvergesslicher Erinnerung bleiben wird. Auch an Silvester konnte man zusammen mit seinen Angehörigen an einem Apéro teilnehmen und ufaufäu waren auch dieses Jahr die Fasnächtler zu Besuch in den Altersheimen. Viele Bewohner hatten, so liess ich mir sagen, grossen Spass. Für die festlichen Dekorationen wird zusammen mit den interessierten Bewohnern gebastelt und gemalt.

Aber jeder, der im Altersheim lebt weiss auch, dass seine Zukunft bemessen ist, dass er sein Heim aufgegeben hat, manchmal freiwillig, manchmal nicht. Viele rückwärts-gewandte Geschichten habe ich mir angehört, jedes Detail von früher ist gespeichert, für Zukunft bleibt da kein Platz mehr, für Gegenwart nur wenig. Viele Bewohner erhalten regelmässig Besuch, manche nur ganz selten. Man ist alt geworden, müde, gebrechlich, sturzgefährdet. Man lebt in einer Gemeinschaft und ist doch manchmal ganz allein. Man wird vielleicht ein Pflegefall oder ist bereits pflegebedürftig und angewiesen auf die vielen helfenden Hände. Ich ziehe meinen Hut vor dem Pflegepersonal und habe die grösste Hochachtung für diesen Beruf. Ich kann mir vorstellen, in einem Altersheim in Grenchen meine letzte Zeit zu verbringen. Aber ufaufäu noch nicht so bald!