Während es in der Stadt nur regnete, blies einem auf dem Grenchenberg Wind und Schnee mit bis zu 70 km/h um die Ohren: auf den ersten Blick kein ideales Wetter für eine Schneeschuhtour. «Keine Angst, wir haben bis jetzt noch nie jemanden verloren, denn spätestens im Frühling ist jeder wieder aufgetaucht», witzelt Tourführer Roland Hert.

Gerade einmal vier Personen, wovon zwei Guides, fanden sich an diesem Abend ein, um an der nächtlichen Schneeschuhwanderung, die von Grenchen Tourismus organisiert wird, mitzumachen. Die anderen Teilnehmer hatten aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse abgesagt.

Vier Kilometer durch den Winter

Dabei gibt es für diese eisigen und stürmischen Temperaturen ein einfaches Rezept. «Mit der richtigen Ausrüstung und genügend warmer Kleidung stellt dies alles keinerlei Probleme dar», erklärt Urs Brotschi von Bro-Sport Selzach und Haupttourführer an diesem Abend. Insgesamt wurden auf dem Grenchenberg für solche Schneeschuhtouren drei verschiedene Routen angelegt, welche unterschiedlich lang und anspruchsvoll sind.

Die vier Kilometer lange Route von diesem Abend startete am Untergrenchenberg und führte, über gut 80 cm feinsten Pulverschnee, zuerst am Skilift Bergstation vorbei zum Obergrenchenberg, danach den Längschwang hinab zum Skilift Talstation und von dort aus wieder hinauf zum Untergrenchenberg.

Die Tour dauerte rund eineinhalb Stunden und präsentierte, auch dank einer Besserung des Wetters, wundervolle Einblicke in die Naturlandschaft des Grenchner Juras. Dabei wird auch grossen Wert auf den Schutz der Tierlandschaft gelegt. «Um Wildruhezonen und Wildschutzgebiete wird ein grosser Bogen gemacht», erklärt Brotschi. «Damit die Tiere nicht gestört werden.»

Anekdoten und Geschichten

Die Schneeschuhwanderung wurde auch dank lustigen Anekdoten und Geschichten der beiden Tourführer zu einem Erlebnis. Beispielsweise über die Geschichte der ehemaligen Langlaufloipe auf dem Grenchenberg. Denn die beiden Guides können auf eine jahrelange Erfahrung zurückgreifen, da sie seit nunmehr acht Jahren zusammen Schneeschuhwanderungen durchführen.

Wobei Brotschi das Schneewandern noch einige Jahre länger praktiziert. Nach einem schlimmen Unfall vor einigen Jahren wurde ihm zuerst prognostiziert, dass er nie wieder werde Ski fahren können. «Da musste ich mich nach etwas Neuem umschauen und kam auf diese Weise zum Schneeschuhwandern», so der Schneesportbegeisterte. Heute kann ich glücklicherweise aber auch wieder problemlos Ski fahren wie früher.»

Roland Hert wurde dann durch Brotschi auf dieses neue Hobby aufmerksam. «Für einen Familienanlass wollten wir einmal etwas Neues ausprobieren und so buchten wir eine Wanderung bei ihm», sagt Hert, der ebenfalls ein grosser Schneesportfan ist. Grenchen Tourismus nahm solche Wanderungen in dieser Saison zum ersten Mal ins Programm auf und kann sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

Von Jung bis Alt scheint das Interesse gross zu sein. So werden beispielsweise speziell für die älteren Generationen Ü60-Wanderungen angeboten. Aber ebenfalls für Wanderungen mit Jugendlichen gibt es immer wieder Nachfragen. «Sogar mit Kinderspielgruppen habe ich bereits Schneeschuhwanderungen durchgeführt», erklärt Brotschi.