Hilari
«Ä wüudi Sach»: Grechner Stapi übergibt die Macht den Narren

Die Regierungsgewalt über die Stadt Grenchen liegt seit Hilari in den Händen einer Schar Wilden – «ä wüudi Sach».

Oliver Menge
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Hilari Grenchen mit Obernarr Diego Kummer und Stapi François Scheidegger
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Scheidegger hat die Macht abgegeben und macht sich für einen Fallschirmsprung bereit
Hilari Grenchen
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Die Schuelschwänzer spielen auf
Hilari Grenchen
Hilari Grenchen
Guggenmusik Cocoloris

Hilari Grenchen mit Obernarr Diego Kummer und Stapi François Scheidegger

Oliver Menge

Eigentlich sei es ein schlechter Zeitpunkt, jetzt vor den Wahlen die Macht den Narren zu übertragen, meinte Stadtpräsident François Scheidegger beim Hilari vor dem Stadthaus am Freitagabend. Aber er musste wohl oder übel – nun schon zum vierten Mal – die Plakette an Obernarr Diego Kummer abtreten. Und pünktlich zu Beginn des ersten der zahlreichen Fasnachtsanlässe setzte das Schneetreiben erneut ein.

«Ä wüudi Sach», so das Motto der heurigen Fasnacht. Der Obernarr griff es, nach dem Dank an diverse Helfer, Plakettengestalter und -verkäufer, in seiner Hilarirede auf: «Hüür isch Plagette ganz wüud coloriert – dä Löi mitem Chröndli isch schön frisiert – Gugge löh d’Musig ganz wüud loh erklinge – Und d’Narre chöi wüudi Schnitzubänk singe – a dä Umzüg zeigt mä prächtigi Wäge – ‹ä wüudi Sach› chan ig nur no säge».

Entgegen der Gepflogenheit, sich nicht zu aktuellen, politischen Themen zu äussern, warnte Kummer davor, den Sparhebel auch noch bei den Fasnächtlern anzusetzen: «Mir stöi do obe uf üsem Podest – ha eigentlich dänkt, ’s gäb wüude Protest – denn öbbis het dä Narre ir Letschti nid gfaue – das Budget bi dä Kulturlüt so wüud go abbaue – wäg Defizit sig spare wichtig – doch bir Kultur fing igs nid richtig. S’eint oder angere Milliönli au ir Kasse – brüchtis haut zum Gäud zverprasse – s’Credo heisst spare, spare, spare, spare – zwar d Hundestüür ufe- – dr Räst abefahre – d’Narre wärde’s imfau nid goutiere – würd mä d’Fasnacht ähnlich brüskiere.»

Aber der Stadtpräsident gab Entwarnung: «Hebet ke Sorg, das würd nie passiere – wot mi ar Fasnacht doch au amüsiere – sisch Wahljohr, drum zeig i mi nur vor allerbestä Sitä – und sueche drumm hüt sehr ungärn jetze s’ Witä.» Gesagt, getan – Scheidegger sollte auf seine Kosten kommen: Nach den eher einfachen Aufgaben in den letzten Jahren – einmal wurde er mit der Ambulanz abtransportiert, einmal zum Trommeln verdonnert und letztes Jahr regelte er den Verkehr – musste er in diesem Jahr seinen ganzen Mut zusammennehmen.

Denn, eingekleidet in ein Fliegerkombi mit Helm und Brille und ausgerüstet mit Fallschirm und farbigen Ballonen, absolvierte Scheidegger sozusagen seinen Erstabsprung: «Auso guet, due mi ganz Muet zäme näh – due mi as Gländer füre begäh – do höch über dä Wolke umehange – wott nüm länger uf mi Gump do plange - denn dr richtig Absprung darfi nid verpasse – süsch chumi ar Fasnacht schwär ad Kasse – d’Macht muesi öich Narre hüt glich übergäh – drum chasch do d Plagette vo mir übernäh.»

Er überreichte dem Obernarren den grossen Gönner, Symbol der Macht über die Stadt. «Ä wüudi Sach düe mir proklamiere», meinte der Obernarr. «Für Di heisst das vom Podest abeschmiere – dr Countdown, mir zöue, er startet ab jetz – machsch vorwärts, mi Liebe, s git haut es Ghetz. Dr Bode unger dinä Füess wirsch nüm gspüre – die gränzelosi Freiheit öffnet dir hoffentlich d’Türe – ä wüudi Sach wird d Fasnacht hür gäh.» Anschliessend verkündete der Obernarr kurz und bündig: «Das wärs de scho gsi ... go s’Apéro näh.» Das Publikum zählte mit und Scheidegger sprang behende vom Podest. Cocolori und Schuelschwänzer untermalten den Hilari mit ihren Klängen.

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