Grenchen
90-jähriger Edi Fiechter:«Biologisches Alter nicht im Vordergrund»

«Uhregrübler» Edi Fiechter (90) hat bisher in allen Grenchner Freilichttheater-Aufführungen mitgespielt. Am Samstag steht er das letzte Mal in seiner Rolle als «Peter» auf der Bühne.

André Weyermann
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Das «Uhregrübler»-Ensemble liess anlässlich des 90. Geburtstages von Edi Fiechter Ballone mit guten Wünschen steigen.

Das «Uhregrübler»-Ensemble liess anlässlich des 90. Geburtstages von Edi Fiechter Ballone mit guten Wünschen steigen.

Zur Verfügung gestellt

Am 21. Juni ist Edi Fiechter 90 Jahre alt geworden. Am kommenden Samstag steht er nach 15 Aufführungen bei der Derniere im Singspiel «Uhregrübler» zum letzten Mal als Peter auf der Bühne des Freilichttheaters im Eichholz.

Als er 2003 für den Dölf im Stück «Die Eule» zusagte, hat Edi Fiechter Autorin und Regisseurin Iris Minder versprochen, auch beim 10-Jahr-Jubiläum noch mitzutun. Er hat Wort gehalten. Iris Minder hat ihm im Gegenzug das neue Stück gewidmet. Und das passt. Fiechter – bevor er Unternehmer wurde, einst selber «Uhregrübler» – spielt den philosophierenden Bauern Peter mit der ihm eigenen Würde und Gelassenheit.

«Hirntraining»

Angesprochen auf seine 90 Lenze, meint er: «Das biologische Alter steht nicht im Vordergrund. Wichtig ist, wie man denkt.» So bereitet ihm denn auch das Lernen des jeweiligen Textes keine Schwierigkeiten. «Zum einen habe ich Glück gehabt. Andererseits übe ich mich auch in Hirntraining», gibt er zu Protokoll.

Er rezitiert in Gedanken zum Beispiel Lyrik von Hesse, Rilke oder Nietzsche, liest selbstverständlich Zeitungen und schreibt selber Gedichte. Eine Kostprobe seines Erinnerungsvermögens, aber auch seines Schalks, durften seine Mitspieler anlässlich einer der Proben erfahren, als er in der Rolle des Peter den Text von Häuptling Scharfes Messer rezitierte, einer Figur, die er vor zwei Jahren gespielt hatte. Dieser Schalk hat dem langjährigen Gemeinderat und Kommissionsmitglied in früheren Jahren auch ein Rencontre mit dem Uhrenfabrikanten Adolf Schild eingetragen. Dieser fand nämlich einige Verse über sich in Fiechters Fasnachtszeitung «Grenchner Schnurre» gar nicht lustig. Solche und etliche weitere Anekdoten sind übrigens in seinem Buch «Der Fluss der Erinnerungen» nachzulesen.

Einmal Theater, immer Theater

Aber kehren wir zurück zum Theater. Erste Erfahrungen hatte Edi Fiechter damit bereits vor dem Krieg im Theaterverein gemacht. Danach hat ihn die Theaterbühne lange Zeit nicht mehr gesehen. Sein Talent jedoch hat er sich bewahrt, wie die Auftritte als Dölf in «Die Eule», Erwin Triebold in «Giigerain», Toni in «Chräjeruef», Onkel Hans in «Frömdi Herre – Frömdi Dienschte, Häuptling Scharfes Messer in «Ich glaub mich tritt ein Pferd» und eben jetzt als Peter in «Uhregrübler» eindrücklich unter Beweis stellen.

Im jetzigen Ensemble fühlt er sich äusserst wohl. «Es ist schlicht wunderbar. Wir sind wie eine Familie mit Personen zwischen 16 und 90», meint er dazu. Eine Familie, welche sich seit Januar in über fünfzig Proben immer wieder getroffen hat. Die letzte Zeit vor der Premiere sei schon happig gewesen mit dem Durchspielen des ganzen Stückes zwei Mal pro Probetag. Als Belohnung winke am Sonntag nun ein gemeinsames Nachtessen. «Und natürlich dürfen wir vorher noch Abprotzen», fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

Und wie sieht seine (Theater-) Zukunft aus? «Da muss man sachlich bleiben. In meinem Alter plant man vielleicht noch für ein halbes Jahr», erklärt er. Der Wille, weiterzumachen, sei da. Aber die körperlichen Baustellen eben auch. Und «alt werden ist nun Mal lebensgefährlich», fügt er bei.

Am Samstag gibt Edi Fiechter also zum letzten Mal den Peter. Ob wir ihn auch zum letzten Mal auf einer Theaterbühne gesehen haben, darf hingegen offenbleiben.

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