Ferienpass

79-Jähriger technisch am Ball: Er zeigt Grenchner Jugendlichen das 3D-Drucken

Die Jugendlichen werden in die Geheimnisse des 3D-Druckers (im Hintergrund) eingeführt.

Fürs Foto kurz ohne Maske (von links): Manfred Röthlisberger, Keanu Schlup und Simon Zimmermann

Die Jugendlichen werden in die Geheimnisse des 3D-Druckers (im Hintergrund) eingeführt.

Décolleteur Manfred Röthlisberger (79) zeigt Grenchner Jugendlichen, wie 3D-Drucken funktioniert. Seine Ferienpasskurse sind ausgebucht.

Normal ist es ja so, dass Teenager den Senioren erklären, wie das Internet oder ein Handy funktioniert. Dass es aber auch umgekehrt sein kann, beweist Manfred Röthlisberger. Er zeigt Jugendlichen, wie das trendige 3D-Drucken geht. Seine aktuellen Ferienpass-Kurse sind ein Renner.

Der ursprünglich aus Nidau stammende Röthlisberger, der sich in Grenchen niedergelassen hat, arbeitete und arbeitet als Décolleteur, zuerst als Angestellter, seit er 70 ist auch selbstständig. In der Garage des Einfamilienhauses fahren zwei ältere, aber solide, kurvengesteuerte Drehautomaten Geisterschichten und produzieren kleine Rohlinge für die Metall- und Uhrenindustrie. Nichts Aussergewöhnliches in Grenchen, aber auch nicht mehr so häufig anzutreffen wie früher.

Do it yourself für die Modellbahn

«Wenn es etwas neues gab, habe ich mich damit beschäftigt und so immer wieder neue Technologien und Prozesse kennengelernt», sagt Röthlisberger zu seiner bemerkenswerten Wissbegier. Vor vier Jahren hat er angefangen, sich mit der 3D-Drucktechnik zu befassen, besuchte Kurse im Fab Lab in Bern und Luzern/Horw und kann seither mit seinem eigenen 3D-Drucker fast alles anfertigen, das er für seine grosse, ebenfalls selbst gebaute Gartenbahn braucht: Ganze Lokomotivchassis samt Aufbauten, Gebäude und weitere Accessoires für die Modellbahn mit etwa 300 Meter Gleis im Garten seines Hauses am Heuweg. «Ich habe mich Schritt für Schritt mit den Möglichkeiten des Geräts vertraut gemacht und gelernt, was geht und was nicht geht.

Der Drucker surrt, die Schüler zeichnen

«Dabei zahlt man manchmal auch gehörig Lehrgeld», meint Röthlisberger. Beispielsweise als er feststellte, dass das Filament (Rohstoff des 3D-Druckers) nicht UV-Beständig war und sich die Gebäude auf der Anlage nicht hielten. «Heute benutze ich besseres Material», meint er.

Das so erworbene Wissen gibt er zurzeit an einem Ferienpass-Kurs an Grenchner Jugendliche weiter. Die drei Kurse waren im Nu ausgebucht. Denn 3D-Drucken, das ist heute sehr en vogue und gilt als Speerspitze der Industrie 4.0.

Der 3D-Drucker surrt im Wohnzimmer vor sich hin, als Röthlisberger Simon Zimmermann (14)und Keanu Schlup (12) zu ihrem zweiten Kurstag empfängt. Die Jugendlichen lernen vor allem, was es alles braucht, bis es surrt: nämlich allerhand Arbeit am Computer. Die Teile müssen zuerst mit einem 3D-Zeichnungsprogramm erstellt und danach mit einem weiteren Programm in CNC-Daten für die Ausgabe am Drucker umgewandelt werden.

Ferienpass Grenchen:  3 D Drucker in Aktion

Ferienpass Grenchen: 3D Drucker in Aktion

Alles beginnt mit Arbeit am Computer

«Zeichne ein Quadrat» - «Mach es fünf Millimeter hoch»- «Teile es in vier gleiche Flächen» - «Setze ein Sechseck in die Mitte», gibt Röthlisberger Anweisungen an «Lehrling» Keanu, der manche Handgriffe schon drauf hat, andere noch übt. «Ich habe einen 3D Drucker geschenkt erhalten und möchte lernen, wie es geht», meint der Zwölfjährige.

Unterdessen studiert Simon auf seinem Laptop weitere Anwendungen des Programmes. «Informatik und Technik interessieren mich», begründet er seine Kurswahl. Alle drei tragen Schutzmasken am Kurs, denn um sich gegenseitig Dinge zu erklären, muss man bisweilen zusammenrücken. Der Ferienpass hat ein Schutzkonzept erstellt. «Wenn du nun das Sechseck etwas in die Grundplatte versenkst, haben wir eine Fixierung für eine Schraubenmutter», erklärt Röthlisberger den letzten Schritt.

Die Technologie ist erschwinglich geworden

Die Programme, mit denen er und die Schüler arbeiten, gibt’s bereits gratis im Internet, beispielsweise «SketchUp», ein Tool fürs 3D-Design. Auch allerlei Objekte zum Ausdrucken gibts dort gratis oder zum Kauf der Daten.

Unten im Wohnzimmer druckt unterdessen der Drucker der Marke Mankati weiter. «Fast alle Geräte kommen aus China», erklärt Röthisberger. Was sie auch zunehmend bezahlbar macht. Für 1'000 Fr. gibts schon ordentliche Geräte für Hobby-Anwendungen wie Modellbau.

Solange Ausprobieren bis es geht

«Hier läuft etwas schief», stellt Röthlisberger fest. Die filigranen obersten Teile des Werkstücks sind zu einer grauen Masse zerflossen. Die Ursache des Problems erkennt er auf Anhieb. «Von diesen Teilen sollte man mehrere in einem Arbeitsgang drucken. Dann kann das Filament zwischendurch abkühlen und sich verfestigen.» Das nächste Mal wird es gelingen. «Und sonst pröble ich weiter, bis es geht», meint Röthlisberger lachend.

Seine Frau Jeannette nimmt in Kauf, dass aufgrund des Hobbys ihres Gatten im Wohnzimmer allerhand herumsteht. Sie selber kümmert sich um einen ganz speziellen Aspekt der Gartenbahn: Die Pflege von Bonsaibäumen, die sie so trimmt, dass sie zur Anlage passen.

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