Der Erlös kommt den Musikschulen Grenchens, Bettlachs und Lengnau-Bürens zugute. Das az Grenchner Tagblatt sprach mit Tony Broghammer, Leiter der Raiffeisenbank Wandflue, Grenchen, der den Rotary Club Grenchen im Jubiläumsjahr präsidiert.

Tony Broghammer, was ist eigentlich der Rotary Club und wer steckt dahinter?

Tony Broghammer: Der Rotary Club ist ein Service Club, der sich verpflichtet, gemeinnützig tätig zu sein und die Freundschaft zu pflegen. In Grenchen zählen wir 64 Mitglieder, vornehmlich Führungspersonen aus Wirtschaft und Gewerbe aus verschiedenen Branchen, darunter sind sogar noch fünf Gründungsmitglieder.

Können Sie etwas über die Ursprünge des Rotary Club sagen und wie der Grenchner Club entstanden ist?

Ein Anwalt aus Chicago gründete im Jahr 1905 zusammen mit Freunden den ersten Rotary Club und sie setzten sich zum Ziel, sich für gemeinnützige Projekte einzusetzen. Der Rotary Club Grenchen wurde 1965 gegründet – übrigens gegen den Willen der Solothurner Rotarier – zu einer Zeit, in der es im industriellen Sektor auch hier so richtig boomte. Der Gedanke, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, hat in Grenchen Tradition: Industrielle haben schon früher Institutionen und Projekte unterstützt, beispielsweise das Schwimmbad, das Spital oder die Ingenieurschule gebaut respektive finanziert. Wir setzen uns für die Region, für Schwächere und für spezielle Projekte ein – auch im kulturellen Bereich.

Wie hoch ist der Betrag, den der Club einsetzt?

Darüber geben wir keine Auskunft. Wir definieren uns nicht über die Beträge, die wir spenden, sondern über das, was wir tun. Vom Rotary Club fliessen weltweit jährlich Milliardenbeträge in Projekte in der ganzen Welt. Auch wir liefern Beiträge ab, die in weltweite, europaweite oder schweizweite Projekte fliessen. Dazu kommen die Projekte, die wir hier in unserer Region unterstützen.

Können Sie Highlights aus der Vergangenheit des Rotary Club Grenchen nennen? Projekte, die speziell zu erwähnen wären?

Nein, denn unser Ziel ist es, im Hintergrund zu wirken, nicht spezielle Projekte nach aussen zu kommunizieren. Die Spenden werden aufgrund von Gesuchen gesprochen oder für Ideen, welche unsere Mitglieder einbringen. Dass wir jetzt mit dem Jubiläumsanlass im Parktheater an die Öffentlichkeit gelangen, ist eher aussergewöhnlich, einmalig und wurde im Club intensiv diskutiert. Wir haben zwar auch bisher unsere Jubiläen gefeiert, aber nie die Öffentlichkeit gesucht.

Das Fest im Parktheater zum
50-Jahr-Jubiläum ist also der erste Anlass, den der Rotary Club Grenchen öffentlich begeht?

Wir haben den 50. Geburtstag intern Anfang Jahr «gefeiert», am 28. Januar, den Eintragungen zufolge dem Gründungstag. Am 2. Mai werden wir selber nicht im Vordergrund stehen. Es wird auch keine grossen Reden geben, denn in erster Linie geht es um die Musik.

Sie haben das Jubiläumsfest ganz im Zeichen der Jugendmusik geplant (siehe Programm im Kasten). Als Highlight wird das Jugendsinfonieorchester Leipzig auftreten. Wie kam dies zustande?

Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit war es einem unserer Mitglieder möglich, diesen Kontakt zu knüpfen. Das Jugendsinfonieorchester Leipzig ist ein junges und eines der besten Jugendorchester in Europa. Es war schon an mehreren Wettbewerben sehr erfolgreich und wurde zu Konzerten weltweit eingeladen. Es ist eine grosse Freude, können wir dem Publikum in Grenchen diesen musikalischen Leckerbissen servieren.

Wie sieht das Engagement des Rotary Club Grenchen konkret aus?

70 Musikerinnen und Musiker hierher einzuladen, ist nicht gratis. Der Rotary Club Grenchen übernimmt die Gage und die Reisekosten sowie die Übernachtungen. Zudem ist auch der Eintritt zu den Konzerten frei, es gibt allerdings eine Kollekte. Die Restauration im Parktheater wird vom Club organisiert und geführt. Wir haben auch einen speziellen Jubiläumswein abgefüllt, der verkauft wurde und Sponsoren können sich ebenfalls für Beiträge eintragen. Der Erlös aus den verschiedenen Aktionen, Sponsorenbeiträge und die Kollekte fliessen dann zurück an die teilnehmenden Musikschulen, die das Geld für spezielle Projekte verwenden, die ausserhalb der durch die öffentliche Hand finanzierten Bereiche liegen, wie beispielsweise für Musiklager. Sie mussten uns aufzeigen, wofür sie das Geld verwenden wollen.

Also ist das Geld zweckgebunden?

Geld einfach so geben wir eigentlich nie. Für Projekte kann man sich bei uns bewerben. Es muss aber immer ein Konzept vorliegen. Wir entscheiden dann, ob und in welchem Umfang die Unterstützung erfolgt. Es gibt aber auch Formen der Unterstützung, bei denen es nicht um Geld geht, wie zum Beispiel Menschen aus Altersheimen einen Kino- oder Theaterbesuch zu ermöglichen: Wir organisieren die Begleitung der älteren Mitmenschen, etwas, das im normalen Rahmen für die Altersheime nicht möglich wäre. Also Hilfe, von der man im Grunde nichts bemerkt und bei der es nicht darum geht, das Portemonnaie zu zücken.