Grenchen
35 Kündigungen trotz Kurzarbeit und kein Sozialplan: Unia kritisiert Abbau bei Mecaplex

Die Mecaplex AG in Grenchen will ab Ende September aus wirtschaftlichen Gründen bis zu 35 von 73 Beschäftigten kündigen. Dass dieser Abbau trotz Kurzarbeit bis Ende November vonstatten geht, sorgt bei den Gewerkschaften Unia und Syna für Kritik.

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Bei der Mecaplex läuft das Konsultationsverfahren.

Bei der Mecaplex läuft das Konsultationsverfahren.

Oliver Menge

Die Mecaplex AG begründet den massiven Stellenabbau mit einem Einbruch des Bestelleingangs, der generell schwierigen Lage in der Luftfahrtindustrie sowie dem Verlust eines Grosskunden. So bleibe der Tochtergesellschaft des Grosskonzerns Glas Trösch Holding AG keine andere Wahl als dieser dramatische Einschnitt.

«Zur gleichen Zeit profitiert das Unternehmen jedoch bis Ende November von Kurzarbeitsentschädigung, die der Vermeidung von Stellenabbau dient», schreibt die Unia Region Biel-Seeland/Kanton Solothurn am Dienstag in einer Medienmitteilung. Für die Gewerkschaft ist daher klar: «Statt im höchst unsicheren Arbeitsmarktumfeld unmittelbar zum Kahlschlag anzusetzen, sollte das Unternehmen während der Laufzeit der Kurzarbeit mit den Beschäftigten nach nachhaltigen Lösungen suchen.»

Verlängerte Konsultation und Sozialplan

Der genaue Umfang des Personalabbaus wird sich laut Unternehmen aus dem am Montag eingeleiteten Konsultationsverfahren ergeben, welches bis Ende September daure. Zu wenig Zeit, findet die Unia. Die Unia fordert eine Verlängerung der Konsultationsfrist auf mindestens 30 Tage entsprechend den behördlichen Empfehlungen im Kanton Solothurn. «In Anbetracht laufender Kurzarbeit ist der vom Unternehmen aufgebaute Zeitdruck für die Unia nicht nachvollziehbar und verhindert sozialverträglichere Massnahmen», schreibt die Gewerkschaft weiter.

Für alle Beschäftigten sollte während der Laufzeit der Kurzarbeit die Möglichkeit einer Weiterbeschäftigung innerhalb der Glas Trösch Unternehmensgruppe geprüft werden, wird vorgeschlagen. «Ein Verzicht auf Kündigungen bis Ende November würde ermöglichen, die Betroffenen beispielsweise durch Outplacements bei der Stellensuche zu unterstützen und Arbeitslosigkeit zu vermeiden.» Für betroffene ältere Arbeitnehmende fordert die Unia Weiterbeschäftigung oder Frühpensionierungen.

Darüber hinaus habe das Unternehmen keine klare Absicht geäussert, die betroffenen Arbeitnehmenden mit einem Sozialplan zu unterstützen. Die Unia fordert, dass «nach Ablauf der Konsultationsfrist unmittelbar ein kollektiv verbindlicher Sozialplan für alle Betroffenen entworfen und mit der Belegschaft diskutiert wird». Vom Unternehmen erwartet die Unia «ein Mindestmass an sozialer Verantwortung, damit nicht nur die Arbeitnehmenden die Folgen von Krise und unternehmerischer Gewinnmaximierung zu tragen haben».

Syna: Was ist die wahre Absicht?

Auch die Gewerkschaft Syna übt deutliche Kritik: Der Schritt der Mecaplex sei «unverständlich» und eine «überstürzte Aktion». Der Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen in einer Kurzarbeits-Situation sei «nicht nachvollziehbar und schlichtweg unfair». Man frage sich deshalb, «was die wahre Absicht der Kurzarbeit ist, wenn sie nicht wirklich zum Stellenerhalt beiträgt», fragt sich die «Syna».

Inakzeptabel ist für die Syna auch, dass es für die betroffenen Mitarbeitenden gemäss Informationen der Geschäftsleitung nicht einmal einen Sozialplan gibt. Syna zeigt sich über dieses Vorgehen empört. Dazu Zabedin Iseini, Regionalverantwortlicher Syna Olten-Solothurn: «Mecaplex muss seine Verantwortung gegenüber den Angestellten wahrnehmen und alles tun, um Stellenabbau und Kündigungen zu verhindern. Zumindest muss es für die Betroffenen einen Sozialplan geben.»

Mecaplex Metall nicht betroffen

Die Mecaplex ist ein 1948 gegründeter Traditionsbetrieb, der sich insbesondere als Zulieferer für die Luftfahrtindustrie einen Namen gemacht hat.

In Grenchen existiert auch noch die Firma «Mecaplex Metall», die oft mit Mecaplex verwechselt wird, aber nichts mehr mit dieser zu tun hat. Auch jetzt geschehe dies wieder, wie man beim KMU registriert, das Maschinengehäuse herstellt. «Doch uns geht es zum Glück noch einigermassen gut - den Umständen entsprechend», wie Firmenchef Jarno Steiner auf Anfrage sagt. (at.)