Stadtpräsidentenwahl

«35 000 Franken von meinem Jahreslohn schenke ich den Grenchnern»

Daniel Flury wünscht sich und der Bevölkerung «mehr Schwein für Grenchen». zvg

Daniel Flury wünscht sich und der Bevölkerung «mehr Schwein für Grenchen». zvg

Der Kandidat Daniel Flury (52, parteilos) spricht im Interview über das, was falsch läuft und das, was er gerne ändern möchte. Als Parteiloser Kandidat sieht er sich niemandem verpflichtet und könne somit frei agieren.

Daniel Flury ist ein Aussenseiter im Wahlkampf um das Grenchner Stadtpräsidium. Und doch ist der 52-jährige Ur-Grenchner mehr: Für viele ist er ein ernst zu nehmender, valabler Kandidat. Flury weiss, wie man auf sich aufmerksam macht, was er mit seinem Wahlwerbespruch «Mehr Schwein für Grenchen» bereits gezeigt hat, und als einziger der vier Kandidaten stellt er sich gegen den Windpark der SWG. Politik will er für die Sache. Als parteiloser Stapi wäre er niemandem verpflichtet, könnte er frei agieren, sagt er im Interview. Politische und wirtschaftliche Prozesse sind ihm bestens vertraut, gerade in seiner aktuellen Funktion als Chefredaktor von Firmenzeitschriften habe er sich zudem ein gutes Netzwerk erarbeitet. Auf Daniel Flurys Initiative als Redaktor beim Grenchner Tagblatt ist die Skulptur «Neuron» von Marc Reist bei der Archbrücke entstanden.

Daniel Flury, warum sind Sie der richtige Mann fürs Stadtpräsidium?

Daniel Flury:Es stimmt zwar, dass ich in der Politik direkt nie aktiv war, ich habe sie aber immer beobachtet und in meiner Zeit als Redaktionsleiter des Grenchner Tagblatts aktiv begleitet und oft kommentiert, beispielsweise beim Bau des Marktplatzes. Das hat mir Spass gemacht. Ich bin eine integrative Figur und habe – im Gegensatz zu anderen Kandidaten – mit niemandem in der Politik ein Hühnchen zu rupfen.

Sie spielen auf den Wahlkampf von SP und Bürgerlichen an?

Ich finde den Wahlkampf ganz gut, nur gehen die parteilosen Kandidaten im Trubel unter. Meine eigenen Wahlchancen schätze ich als intakt ein, wenn die Stimmbeteiligung hoch liegt. Im Gegensatz zu meinen von den Parteien getragenen Gegenkandidaten setze ich auch nicht auf Verplakaterei, ich suche vielmehr den Kontakt zu den Leuten.

30 Prozent der 9700 Stimmberechtigten haben den Gemeinderat gewählt. Ein Zeichen für Politverdruss?

Man muss die Grenchner wieder mehr für Politik interessieren, das stimmt. Sicherlich müssten auch die Gemeinderäte den Leuten wieder mehr auf den Mund schauen. Es wird teilweise zu wenig zugehört, was ich ändern möchte. Themen wie Tempo 30 oder die Schulferien zeigen, dass den Parteien das Gespür für die Anliegen der Einwohner manchmal fehlt.

Welches Thema ist Ihnen denn das wichtigste in diesem Wahlkampf?

Das von allen hochgelobte Projekt des Windparks Grenchen birgt Risiken, die Grenchen nicht einfach hinnehmen darf. Ich bin grundsätzlich auch für erneuerbare Energie, aber nicht so. Der Windpark zerstört optisch und akustisch eines der schönen Rückzugsgebiete der Stadt, ohne, dass man die Bevölkerung dazu befragen würde. Es ist erwiesen, dass in Windparks ganze Tierarten verschwunden sind. Die Windräder sind alles andere als «Windredli», wie François Scheidegger einmal sagte, sie führen mit ihren 165 Metern Höhe – die bestehende Anlage auf dem Obergrenchenberg ist nur 42 Meter hoch – zur Verschandelung unseres Hausberges. Und das nur für den Profit einiger Investoren und Spekulanten. Auch das Thema Gemeindefusion muss im Hinblick auf die Fusionspläne in Solothurn auf den Tisch kommen.

Sie wollen ausserdem einen Stadtpark im Zentrum, was doch ziemlich unrealistisch ist...

Die Besitzerverhältnisse zwischen Quartierstrasse und altem Postparkplatz sind nicht einfach, und doch ist ein moderner Park im Zentrum das, was Grenchen braucht. Das würde den Leuten etwas bieten, das Zentrum mitsamt Kirch- und Centralstrase beleben und das Gewerbe fördern. Ein Stadtpark da, wo man fast nur hinkommt, wenn man sich verlaufen hat, bringt nichts.

Lebt Grenchen zu wenig?

Das Zentrum hätte sicher noch mehr Aktivitäten verdient. Eine Markthalle wäre eine Idee, die man verfolgen sollte. Andererseits hat Grenchen aber auch viel zu bieten, was zu wenig wahrgenommen wird. Da hat sicherlich auch die heutige Politik einiges kaputt gemacht. Mit mir könnte man einen Strich unter all diese Probleme ziehen. Diese Sticheleien schaden nur dem Image Grenchens.

Sie versprechen freiwillig, ihren Lohn als Stadtpräsident auf 200 000 Franken zu kürzen. Weshalb?

Weil 200 000 Franken genug sind. Die jährlichen, weiteren 35 000 Franken würden in einen Fonds oder in eine Stiftung fliessen. Nach Ende meiner Amtszeit sollte das gesammelte Geld dann den Grenchnerinnen und Grenchner gehören. Sie sollen bestimmen können, wofür es verwendet wird.

Sie schimpfen viel gegen die Parteipolitiker. Mit diesen müssten Sie aber als Stapi zusammenarbeiten.

Das würde ich natürlich. Es braucht die Parteien, um Dinge kontrovers zu diskutieren. Die Partei darf aber nicht über allem stehen, wie es derzeit zu sein scheint. Wenn man beispielsweise einen Quartierkindergarten im Lingeriz blockiert, dann ist das wohl wenig sachlich. Ich, als parteiloser Stadtpräsident, wäre keinem verpflichtet, könnte frei agieren und mich guten Gewissens auf die Sache konzentrieren. Ich hätte auch kein Problem damit, jede Kandidatur einer Grenchnerin oder eines Grenchners als Kantons- oder Nationalrat aktiv zu unterstützen. Die Stadt muss dort stärker vertreten sein. Allerdings nicht mit mir, ich würde mich aufs Stapi-Amt konzentrieren.

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